Biokohle in der Landwirtschaft - Potenzial und mögliche Einschränkungen beim Einsatz als Bodenverbesserer und zur Kohlenstoffsequestrierung

Es gibt verschiedene, sich oftmals ergänzende Motive für den Einsatz von Biokohle (verkohltes rezentes organisches Material). Zu ihnen gehören (i) Strategien gegen den Klimawandel, (ii) die Energieproduktion, (iii) die Bodenverbesserung und (iv) die Abfallentsorgung (Abb. 1; Lehmann und Joseph, 2009), wobei hier die Anwendungsgebiete "Strategien gegen den Klimawandel" und "Bodenverbesserung" im Mittelpunkt stehen sollen. Die Idee zur Nutzung von Biokohle als Bodenverbesserer entspringt der Entdeckung der so genannten "Indianer Schwarzerden" (Terra Preta) im brasilianischen Amazonasgebiet.

 Diese Böden weisen trotz ihrer jahrhundertelangen Nutzung und der intensiven Verwitterungsbedingungen in den Tropen bis heute erhöhte Kohlenstoffgehalte und eine höhere Fruchtbarkeit gegenüber den ursprünglichen (nicht vom Menschen beeinflussten), sehr armen tropischen Böden auf. Zu diesen positiven Eigenschaften soll neben zahlreichen Knochenresten und Tonscherben der hohe Holzkohleanteil der organischen Bodensubstanz einen großen Anteil beigetragen haben (Glaser et al., 2001). Radiokarbonmessungen deuten darauf hin, dass der kohlebürtige Kohlenstoff in diesen Böden mehrere hunderte bis tausende Jahre alt und damit sehr stabil ist (Glaser et al., 2001). Diesen Funden unterliegt die Hoffnung, durch Verkohlung rezenter Biomasse, Kohlenstoff in eine stabilere Form zu überführen und ihn im Zuge der Einarbeitung als Biokohle in den Boden langfristig speichern und dadurch dem Klimawandel entgegenwirken zu können. Zusätzlich soll durch die Kohleapplikation eine Verbesserung der Bodeneigenschaften wie z. B. Wasserhaltekapazität, Bodenstruktur (und damit Schutz gegen Erosion), Nährstoffvorrat und Nährstoffverfügbarkeit erreicht und infolgedessen Ertragssteigerungen erwirkt werden.
 
Bild: Fotolia



Copyright: © ANS e.V. HAWK
Quelle: 72. Symposium 2011 (Oktober 2011)
Seiten: 6
Preis: € 0,00
Autor: Dr. Mirjam Helfrich
Nina Eibisch
Prof. Dr. Heiner Flessa

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