Energiepotenziale in der Wasserwirtschaft stärker nutzen

Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e.V. (AöW) kritisiert strukturelle Benachteiligung und Ungleichbehandlung

Die Allianz der √∂ffentlichen Wasserwirtschaft e.V. (A√∂W) fordert von der Bundesregierung und den Bundesl√§ndern die Einbindung in die Energiepolitik und mehr Unterst√ľtzung f√ľr die Wasserwirtschaft zur Nutzung der Energiepotenziale in der Wasserwirtschaft. Die daf√ľr vorhandenen Beschr√§nkungen m√ľssen endlich wegfallen. Die A√∂W weist auf die Vorteile dieser regenerativen dezentralen Energiegewinnung f√ľr die B√ľrger, die Umwelt und den Klimaschutz hin. 
Anl√§sslich der Sitzung des Pr√§sidiums der A√∂W in dieser Woche in Berlin forderte Dr. Jochen Stemplewski, Pr√§sident der A√∂W und Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft / Lippeverband, dass in der Diskussion √ľber die Energiewende und die Kosten der Nutzung erneuerbarer Energie endlich die Energiepotenziale der Wasserwirtschaft st√§rker beachtet werden. ‚ÄěDie Wasserwirtschaft betreibt schon lange Eigenenergieerzeugung aus klimafreundlichen, regenerativen Energietr√§gern und tr√§gt zur Energieversorgung in Form von Strom und W√§rme bei. Abwasserbetriebe nutzen die in den Kl√§ranlagen anfallenden Kl√§rschl√§mme und das Kl√§rgas energetisch zur Strom- und W√§rmeerzeugung. Damit werden nennenswerte Anteile des eigenen Eigenenergiebedarfs bei der Abwasserreinigung gedeckt, die Ressourcen geschont und der CO2-Ausstoss reduziert. Zudem sichern wir damit stabile Geb√ľhren‚Äú, so Dr. Stemplewski.
Die A√∂W hatte bereits vor zwei Jahren auf die energiewirtschaftliche Bedeutung der Wasserwirtschaft hingewiesen. Zwar seien nun weitere Forschungsprogramme zur Hebung der Potenziale angelaufen und auch verschiedene Projekte in Angriff genommen worden, dies reiche aber bei Weitem nicht aus, konstatierte das A√∂W-Pr√§sidium.  
Dabei liegen die Vorteile auf der Hand. Die Wasserwirtschaft ist ein wesentlicher Faktor der kommunalen Daseinsvorsorge, dezentral angesiedelt und langfristig angelegt. Wo Menschen leben, wird best√§ndig Wasser gebraucht und Abwasser entsorgt werden m√ľssen. So kann ein Teil der Grundlast allein in der Eigenenergienutzung mit den Energiepotenzialen der Wasserwirtschaft abgedeckt werden. Durch die Ortsn√§he bestehen zudem Chancen, die Kl√§ranlagen f√ľr die Speicherung der zeitweiligen √úbersch√ľsse aus den Schwankungen in der aus Wind- und Photovoltaikanlagen erzeugten Energie zu nutzen und bei Bedarf schnell regional zu verteilen. Da die Anlagen bereits an die √∂rtlichen Stromnetze angebunden sind, k√∂nnen sie auch leicht in Verteilnetze integriert werden. √úbersch√ľssige W√§rme aus Kl√§ranlagen und Kan√§len kann durch direkte Anbindung f√ľr die Heizung von Wohnungen, Schulen, Museen und Verwaltungen genutzt werden. In Pilotanlagen wird sogar aus der Abwasserreinigung Wasserstoff als Energierohstoff gewonnen.
Verfahren zur Coverg√§rung von unterschiedlicher Biomasse und Abf√§llen in Kl√§ranlagen k√∂nnen durch Beschr√§nkungen jedoch derzeit nicht voll ausgenutzt werden, obwohl dies f√ľr die Umwelt mehr bringen w√ľrde. Der Betrieb von Kl√§ranlagen und die Entsorgung von Restkl√§rschlamm erf√ľllen sehr hohe Umweltauflagen, die sogar weit √ľber die Standards f√ľr Biogasanlagen hinausgehen. Trotzdem wird die Kl√§rgasnutzung nach dem EEG geringer verg√ľtet als Biogas. Dies bedeutet f√ľr die Wasserwirtschaft eine strukturelle Benachteiligung und Ungleichbehandlung. Die A√∂W betrachtet es daher als Fehlentwicklung, dass der Bau von Biogasanlagen auf der gr√ľnen Wiese gef√∂rdert wurde, die Energiepotenziale in der Wasserwirtschaft aber √ľbersehen werden. Auch in der Wasserversorgung schlummern noch weitere Potenziale. ‚ÄěEs war schon immer unser Bestreben, die Energiequellen, die in Wasser und Abwasser liegen, zu nutzen. Wir stehen bereit, unsere M√∂glichkeiten noch weiter auszusch√∂pfen. Bisher werden wir dabei aber durch die Ungleichbehandlung gegen√ľber anderen erneuerbaren Energien gebremst. Statt √ľber die EEG-Umlage und den Netzausbau zu streiten und die Energiewende immer wieder in Frage zu stellen, fordern wir die Einbeziehung in die energiewirtschaftlichen Entscheidungen‚Äú, war die einhellige Feststellung des A√∂W-Pr√§sidiums. 
Deshalb fordert die AöW:
+ Rechtliche Gleichstellung der Energie aus der Wasserwirtschaft mit anderen Erneu­erbaren Energien und ad√§quate Erh√∂hung der Einspeiseverg√ľtungen f√ľr Strom aus der Wasserwirtschaft, insbesondere aus Kl√§rgas und Wasserkraft
+ Gleichstellung der Klärgasnutzung mit Biogas
+F√∂rderung der Erstellung von Energiekarten f√ľr die Erschlie√üung der Energiepotenziale in der Wasserwirtschaft
+ Einbeziehung der √∂ffentlichen Wasserwirtschaft in ein regionales Energiemanage­ment und Energienetze

Quelle: EM / AöW
Foto: Fotolia



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