Im Jahr 1999 legte das Bundesumweltministerium in einem Eckpunktepapier das Ziel vor, bis zum Jahr 2020 die oberirdische Deponierung von Siedlungsabfällen zu beenden. Der vorliegende Beitrag untersucht anhand von Szenarien Massenflüsse und Umweltwirkungen dieser Vorgabe mit dem Ziel, abfallwirtschaftliche Entwicklungsoptionen hinsichtlich ihrer Umweltwirkung zu vergleichen. Grundlage der Untersuchung ist ein Stoffstrommodell der deutschen Siedlungs-abfallwirtschaft (Abbildung 1), welches mit statistischen Daten aus dem Jahr 2006 hinterlegt ist.
Anhand von drei als Modellvarianten ausgeführten Szenarien und basierend auf Kennzahlen aus dem Modell wird dargestellt, wie sich die Stoffströme innerhalb der Abfallwirtschaft verändern könnten, wenn Oberflächendeponien abgeschafft werden. Die Szenarien umfassen A) unveränderte Verteilung der Massenströme auf die Behandlungsverfahren, wobei die bisherigen Deponierungsfraktionen aus der Vorbehandlung thermisch behandelt werden, B) 50 %-ige Steigerung des Inputs in die mechanisch-biologische Vorbehandlung sowie C) Wegfall der mechanisch-biologischen Vorbehandlung und vollständige thermische Behandlung aller Siedlungsabfälle (Tabelle 1). Die Materialströme der Prozesse werden mit prozessspezifischen Emissionsfaktoren verknüpft und zu Indikatoren zusammengefasst. So werden die Auswirkungen deponiefreier Siedlungsabfallwirtschaft auf die Umweltkompartimente Klima, Wasser und Luft abgeschätzt und die Vor- und Nachteile der Modellvarianten bewertet. Grundlage hierfür sind die Wirkungskategorien Klimapotenzial, Eutrophierungspotenzial und Versauerungspotenzial bzw. Einzelparameter wie z. B. Cadmium oder Stickoxide (NOx).
Während Emissionen den Anlagen durchsatzspezifisch und zeitlich unmittelbar zugeordnet werden können, ist dies bei der Oberflächendeponie nicht möglich. Deshalb werden die Deponieemissionen an Hand eines Modells ermittelt. Hierbei werden Emissionen basierend auf typischen Emissionsspektren von Deponien für Siedlungsabfälle, MBV-Deponiefraktion und Schlacke für einen Zeitraum von ca. 100 Jahren dem Ablagerungsjahr zugeordnet, wobei vereinfachend davon ausgegangen wird, dass die Deponien ohne weitere Übergangsprozesse sofort in die stabile Methanphase eintreten.
| Copyright: | © Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW) | |
| Quelle: | 1. Wissenschaftskongress März 2011 - Straubing (Juni 2011) | |
| Seiten: | 4 | |
| Preis inkl. MwSt.: | € 2,00 | |
| Autor: | Dipl.-Ing. Heike Bär | |
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