Stand und Perspektiven der mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen in Österreich

In Österreich können ab 01.01.2004 nur mehr reaktionsarme Abfälle abgelagert werden (§ 76 Abs. 1 Z 1a AWG). In bestimmten Fällen kann der Landeshauptmann diesen Stichtag verlängern, längstens jedoch bis zum 31.12.2008 (§ 76 Abs. 7 AWG). Die Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Steiermark haben mit 01.01.2004 und das Bundesland Burgendland mit einer Übergangsfrist von einem Jahr mit 01.01.2005 diese Gesetzesvorgabe erfüllt. Die restlichen vier Bundesländer Kärnten, Tirol, Vorarlberg und Wien bewirkten eine Verlängerung bis zum 31.12.2008, wobei nur die im eigenen Bundesland anfallenden Siedlungsabfälle ohne Behandlung abgelagert werden dürfen. Als Parameter zur Beurteilung ob ein zu deponierender Abfall reaktionsarm ist, wird der gesamte organisch gebundene Kohlenstoff (Total Organic Carbon = TOC) herangezogen. Der TOC-Grenzwert ist, je nach Deponietyp, unterschiedlich hoch, wobei für die Massenabfalldeponie der strengste Grenzwert gegeben ist. So dürfen Abfälle auf dieser Deponie erst abgelagert werden, wenn der TOC-Wert ≤ 5 Ma.-% ist (Anlange 2 Deponie-VO). Die TOC-Grenzwerte machen eine Vorbehandlung der Abfälle insbesondere der Siedlungsabfälle (= Haushaltsabfälle und haushaltsähnliche Gewerbeabfälle) unumgänglich. Zur Vorbehandlung der Siedlungsabfälle Wolfgang Staber, Karl E. Lorber vor der Deponierung hat sich in Österreich, neben der thermischen Behandlung, auch die mechanisch-biologische Abfallbehandlung (MBA) etabliert. Für MBA-Anlagen ist, entsprechend der Deponieverordnung, der TOC-Grenzwert nicht heranzuziehen.

Die mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) leisten einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung des Deponierungsverbots unbehandelter Abfälle, das in Österreich seit 01.01.2004, in Ausnahmefällen ab 01.01.2009, in Kraft ist. Ohne Errichtung von MBA-Anlagen wäre in Österreich ein Entsorgungsnotstand eingetreten, da zu wenig thermische Kapazitäten vorhanden waren bzw. noch vorhanden sind. Mittlerweile gibt es aber eine Anzahl von Projekten in unterschiedlichen Stadien, sodass mit der Zunahme von thermischen Kapazitäten für die Behandlung von Abfällen insbesondere Siedlungsabfällen zu rechnen ist. Diese kommende Mehrkapazität auf der thermischen Seite wird die bestehenden MBA-Anlagen wirtschaftlich zunehmend unter Druck setzen, womit insbesondere Investitionen in MBA-Anlagen mit einem wesentlich höhern Risiko behaftet sind wie z.B. vor zehn Jahren. Wie sich die Situation der MBA-Anlagen verändern wird, wird letztlich von den zukünftig tatsächlich realisierten MVA-Projekten bzw. den damit verbundenen zusätzlichen thermischen Kapazitäten abhängen.



Copyright: © TK Verlag - Fachverlag für Kreislaufwirtschaft
Quelle: Energie aus Abfall 3 (2007) (September 2007)
Seiten: 18
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Mag. Dr. Wolfgang Staber
Em.o.Univ.-Prof. Dr.-Ing. Karl E. Lorber

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