Mobile Automatisierung und zustandsorientierte Wartung von Armaturen

Die Berliner Wasserbetriebe haben gemeinsam mit der Firma 3S Antriebe GmbH das System Berliner Kappe® entwickelt. Damit wird die Bedienung erdverlegter Armaturen nachhaltig vereinfacht. Ein einzelner Mitarbeiter kann jetzt alleine auch größte schwergängige Armaturen bedienen – völlig ohne Muskelkrafteinsatz.

Man versetze sich einmal gedanklich in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die ersten Berliner Wasserwerke sind gebaut. Die Dampfmaschinen, von dem zahlreich vorhandenen Personal auf Hochglanz poliert, stampfen rhythmisch und treiben große Kolbenpumpen an. Das Wilhelminische Berlin wächst zu einer Großstadt heran. Die Straßen der Innenstadt sind sorgfältig gepflastert. Noch beherrschen Pferdekutschen das Stadtbild. In das Klappern der eisenbeschlagenen Holzräder mischt sich auch ein Karren, beladen mit schmiedeeisernen Schieberschlüsseln. Vier kräftige Männer der städtischen Berliner Wasserwerke stecken eine eiserne Stange durch das „Auge“ des größten Schieberschlüssels, sodass ein Kreuz entsteht, und laufen schwerfällig im Kreis, um einen großen englischen Schieber, 36 Zoll, zu schließen. So war das im Jahre 1892, also vor 119 Jahren.
Ein Zeitsprung ins Jahr 2009. An einem Abend bricht im Berliner Ortsteil Johannisthal eine Hauptleitung DN 1000 GG. Ungehemmt strömt Wasser aus und überflutet Straßen und Keller. Später wird man feststellen, dass mehr als 10.000 Kubikmeter Wasser ausgetreten sind. Vier kräftige Männer des Entstörungsdienstes der Berliner Wasserbetriebe stecken eine eiserne Stange durch das „Auge“ des größten Schieberschlüssels, sodass ein Kreuz entsteht, und laufen schwerfällig im Kreis, um den ersten großen Schieber zu schließen. Nach 90 Minuten gelingt es zwei Arbeitskolonnen, neun Schieber und drei Klappen zu schließen, um den Wasseraustritt zu stoppen. Kurz darauf rücken moderne Baufahrzeuge an und die Arbeiter beginnen den Rohrschaden zu beheben .Die erschöpften Mitarbeiter lehnen an einem Baum. Unmittelbar daneben der augenscheinlich sehr alte Schieberschlüssel. Es könnte gut jener sein, mit dem vor über 100 Jahren ebenfalls vier Männer einen Schieber DN 910 sperrten.
In dem Jahrhundert zwischen beiden Ereignissen hat sich der technische Fortschritt rasant entwickelt. Neun Berliner Wasserwerke fördern derzeit mit Hilfe von modernen Kreiselpumpen jährlich über 203 Millionen (2010) Kubikmeter Trinkwasser. Mit Hilfe moderner Prozessleittechnik sind die Werke größtenteils automatisiert. Längst stehen den Mitarbeitern des 7.800 Kilometer langen Rohrnetzes moderne Fahrzeuge zur Verfügung. Doch erdverlegte Armaturen der Wasser- und Abwasserdruckrohrnetze, der Gas- und Fernheizungsnetze werden weiterhin so bedient wie zu Kaisers Zeiten. Das muss so nicht sein!
 



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 07/08 - 2011 (August 2011)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 4,00
Autor: Dipl.-Ing. Carsten Utke

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