Europa baut die Kernenergie aus – und wo bleibt Deutschland?

Die Renaissance der Kernenergie weltweit und in Europa ist unübersehbar. Die Gründe, warum sich viele Staaten wieder der Kernenergie zuwenden sind immer dieselben, nämlich die Bekämpfung des Klimawandels, die Sicherung der Energieversorgung und Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung. Während andernorts die drängenden Probleme unter Einschluss der Kernenergie mit Energievernunft angegangen werden, ist in Deutschland bei vielen Wunschdenken angesagt. Manche wollen sogar aus der Kernenergie und der Kohle gleichzeitig aussteigen.

Mit Wunschdenken allein werden wir jedoch weder die Energieprobleme unseres Landes lösen noch einen wirklichen Beitrag zu den globalen Energieproblemen leisten. Denn wir stehen vor enormen Herausforderungen.
1. Die weltweite Finanzkrise, die im Jahr 2008 begann, ist seit Monaten in der realen Wirtschaft angekommen – mit Auswirkungen in Deutschland, deren Schwere wir seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben. Eine Weile konnten wir zwar einen Rückgang des Ölpreises – sozusagen die Leitwährung der Energie – beobachten. Aber die Preisschwankungen im Sommer 2009 und vor allem die langfristigen Fundamentaldaten – Ressourcenverknappung bei gleichzeitig weltweit steigender Energienachfrage – sprechen dagegen, dass wir auf sinkende Preise bei Öl und Energie hoffen dürfen. Wir müssen bei schwacher Konjunktur auch mittelfristig wieder mit deren Anstieg rechnen. Der Handel mit CO2-Emissionszertifikaten wird zudem sein Übriges tun. Vor diesem Hintergrund können wir auf die preisdämpfende Wirkung der Kernenergie nicht verzichten. Die Laufzeitverlängerung unserer Kernkraftwerke gehört daher flankierend zu einem nachhaltigen Konjunkturprogramm, zumal sie im Gegensatz zu den anderen Maßnahmen den Steuerzahler auch
nichts kostet.



Copyright: © TU Dresden, Institut für Energietechnik
Quelle: Sichere und nachaltige Energieversorgung 2009 (Oktober 2009)
Seiten: 8
Preis: € 8,00
Autor: Dr. Walter Hohlfelder

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