Hochwasserprozesstypen–Schlüssel zur Hochwasserabschätzung

Ursachen großer Hochwässer können durch ein objektiviertes Typisierungsverfahren besser verstanden werden. Hochwasserabflüsse lassen sich damit ebenfalls verbessert abschätzen. Für 39 Einzugsgebiete aus verschiedenen Regionen der Schweiz wurde eine Typisierung vorgenommen. Für das außerordentliche Hochwasser in der Schweiz im August 2005 wurde eine Einstufung versucht.

Hochwasserabflüsse können mit verschiedenen Methoden abgeschätzt werden. Die Auswahl richtet sich dabei primär nach der Verfügbarkeit der Abflussdaten sowie nach den Gebietskenntnissen [1]. Liegen für ein Gewässer genügend lange Abflussmessreihen vor, können Hochwasserabflüsse bestimmter Jährlichkeit mit Hilfe der Extremwertstatistik abgeschätzt werden. Diese Vorgehensweise ist jedoch nicht unumstritten. Die Anpassung einer theoretischen Verteilungsfunktion an die empirische Verteilung von Messwerten ist äußerst problematisch, unter anderem weil die genaue Verteilungsfunktion insbesondere an den Enden der Verteilung nicht bekannt ist [2]. Ein weiteres Problem ist, dass bei der statistischen Analyse und der zeitlichen Extrapolation die jährlichen Spitzenabflüsse aus ihrem Ereigniszusammenhang gerissen werden; so werden Hochwasser unterschiedlicher Entstehungsart direkt miteinander verglichen, obwohl beispielsweise ein Frühjahreshochwasser im Bereich der Schneeschmelze ganz andere Rahmenbedingungen aufweist als ein durch sommerliche Starkregen gebildetes Hochwasser [3]. Für vermehrtes Einbeziehen von Prozesswissen wird daher plädiert [2]Eine Verbesserung der Hochwasserabschätzung könnte also durch ein besseres Verständnis der Prozesse, die hinter den Hochwasserereignissen stecken, erreicht werden. Hierauf zielen die Untersuchungen von Merz [4], der auf regionaler Skala verschiedene Prozesstypen von Hochwasserereignissen für Einzugsgebiete aus ganz Österreich analysiert hat. Dabei wurden die Hochwasser gemäss den auslösenden Bedingungen verschiedenen Typen zugeordnet. Diese Analysen bildeten den Ausgangspunkt für die Untersuchungen in der Schweiz. Der vorliegende Aufsatz gibt eine gesamtschweizerische Übersicht über die Hochwasserprozesstypen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Häufigkeit und die räumlichzeitliche Verteilung der Prozesstypen großer Hochwasserereignisse. Zudem soll das außerordentlich große Hochwasserereignis vom August 2005 aus der Sicht der Prozesstypen eingeordnet werden.


 


 



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall (04/2007) (April 2007)
Seiten: 9
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Robert Diezig
Dipl. Geograph Rolf Weingartner

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