Entscheidungsmodell zur Auswahl von Entsorgungsalternativen

Klärschlamm kann über verschiedene Wege nach unterschiedlicher Vorbehandlung – einzelne Verfahren und Kombinationen von Verfahren – entsorgt werden, z.B. in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau, durch Verbrennung in Monooder Mitverbrennungsanlagen wie Abfallverbrennungsanlagen, Kohlekraft- oder Zementwerken sowie in Kombinationsanlagen von Ent- und Vergasung sowie Verbrennung.

  Ein Entscheidungsmodell zur Auswahl von Entsorgungsalternativen wurde entwickelt, das erstmals die Komplexität des Entscheidungsproblems am Beispiel der Klärschlammentsorgung reduziert, nachvollziehbare Entscheidungen unter Berücksichtigung mehrerer Entscheidungskriterien ermöglicht und als Werkzeug pragmatisch einsetzbar ist. Zudem wurden Ansätze der Ökobilanz in das Modell integriert und damit eine fundierte und methodisch abgesicherte Berücksichtigung der potenziellen Umweltbelastungen realisiert.
Als Ausblick auf methodische Erweiterungen und den weiteren Forschungsbedarf werden folgende Aspekte festgehalten (Auszug):
• Um das Entscheidungsmodell an den Bedürfnissen der Praxis auszurichten, wurden hinsichtlich der Zielwerttabellen, der Zielgewichtung sowie der Wertsynthese in der Literatur beschriebene Ansätze gewählt, die für das Anwendungsgebiet der Klärschlammentsorgung einen vertretbaren Kompromiss zwischen Aufwand und Genauigkeit bieten. Weiterer Untersuchungsbedarf besteht hinsichtlich der Anwendung des Modells auf klärschlammspezifische Entscheidungsprobleme, um in abwechselnden Test- und Entwicklungsphasen Hinweise zur Optimierung des Modells zu erhalten und das Modell gegebenenfalls für eine breitere Anwendung in der Praxis zu modifizieren.
• Weiterer Entwicklungs- oder Forschungsbedarf besteht im Aufbau einer detaillierten und präzisen Datenbank, die zumindest Informationen über
* aktuelle Rechtsnormen einschließlich zu erwartender Änderungen auch auf europäischer Ebene, * Beschreibungen von Verfahrensalternativen einschließlich innovativer Verfahren,
* spezifische Stoff- und Energieströme und aktuelle Charakterisierungsfaktoren sowie Hintergrundinformationen bereitstellt.
Verfahrensbezogene Datengrundlagen sollten dabei in der Form eines variablen Baukastensystems hinsichtlich einzelner Behandlungs- und Entsorgungsalternativen hinterlegt werden.
•Forschungsbedarf besteht zudem hinsichtlich der Langfrist- und Wechselwirkungen von Stoffen sowie der Modellierung insbesondere human- und ökotoxischer Wirkungen.
• In der Regel liegen nur für die gesetzlich festgelegten Stoffe belastbare Daten vor und bei innovativen Verfahren sind häufig keine oder lediglich Informationen aus Versuchsanlagen verfügbar. In diesen Fällen muss geprüft werden, inwieweit Datenquantität und -qualität für einen Vergleich ausreichen oder die Datenlage und damit die Vergleichbarkeit z.B. durch simulationsgestützte Analysen der Umweltauswirkungen, stöchiometrische Berechnungen und Analogieschlüsse verbessert werden kann.
• Das Entscheidungsmodell ist auf die Unterstützung der Auswahl einzelner diskreter Entsorgungsalternativen ausgelegt. Die Wahl einer Kombination von Entsorgungsalternativen kann noch nicht angemessen unterstützt werden. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf.
 • Die Umsetzung des Entscheidungsmodells in eine benutzerfreundliche Software erscheint zweckmäßig, um den Einsatz in der Praxis zu erleichtern. Forderungen, die dabei erfüllt werden sollten, sind: * Führung des Anwenders durch die einzelnen Phasen des Entscheidungsprozesses,
* Bereitstellung der jeweils erforderlichen Informationen und durchgängige Unterstützung aller Aufgaben innerhalb des Entscheidungsprozesses.
• Die vorliegende Untersuchung stellt den Auftakt zu zahlreichen weiteren Forschungsarbeiten dar. Das Entscheidungsmodell wird jedoch bereits heute von potenziellen Anwendern als praktikables und zugleich hilfreiches Werkzeug zur nachvollziehbaren Bewertung und Auswahl von Entsorgungsalternativen beurteilt [8][18].
 



Copyright: © TK Verlag - Fachverlag für Kreislaufwirtschaft
Quelle: Verantwortungsbewusste Klärschlammverwertung (2001) (Juni 2001)
Seiten: 10
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Dr.-Ing. Andreas Baltrusch

Artikel weiterleiten Artikel kostenfrei anzeigen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Stoff- und Energiebilanzen von Abfallverbrennungsanlagen in Nordrhein-Westfalen
© TK Verlag - Fachverlag für Kreislaufwirtschaft (3/2005)
Die thermische Abfallentsorgung nimmt bereits heute eine Schlüsselposition in der deutschen Abfallwirtschaft ein. Mit Blick auf Juni 2005 wird sich diese Rolle nochmals wesentlich verfestigen.

Aktuelle Entwicklungen in der deutschen und europäischen Abfallwirtschaft
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2003)
Die aktuelle Situation und künftige Entwicklung der Kreislaufwirtschaft ist von unterschiedlichen Befürchtungen und Hoffnungen geprägt.

Innovatives Verfahren zur dezentralen Klärschlammverbrennung
© Veranstaltergemeinschaft Bilitewski-Faulstich-Urban (3/2003)
Durch das vorgesehene Ende der Deponierung von unbehandelten Abfällen – und damit auch der Deponierung von Klärschlamm – für das Jahr 2005, wird der Bedarf an alternativen Verwertungs- und Entsorgungskapazitäten erheblich steigen.

Entwurf der neuen VDI – Richtlinie 3460 „Emissionsminderung Thermische Abfallentsorgung“
© Veranstaltergemeinschaft Bilitewski-Faulstich-Urban (2/2002)
Der zweisprachige Gründruck der Richtlinie VDI 3460 (März 2001) behandelt ortsfeste Verbrennungsanlagen, in denen Siedlungsabfälle, Sonderabfälle und Klärschlamm verbrannt werden. Neben dem Klärschlamm ist in dieser Richtlinie die Darstellung der thermischen Abfallbehandlung durch Mitverbrennung in Kraftwerken, Zementwerken und Stahlwerken neu aufgenommen worden.

Handlungsansätze für eine nachhaltige Stoffwirtschaft am Beispiel Klärschlamm
© TK Verlag - Fachverlag für Kreislaufwirtschaft (6/2001)
Die Diskussion über eine nachhaltige Stoffwirtschaft ist das Ergebnis massiver Eingriffe des Menschen in den Stoffwechsel der Natur. Noch vor hundert Jahren war es kaum vorstellbar, dass von Menschen verursachte Stoffströme jemals in die Größenordnung der natürlichen bio- und geogenen Stoffkreisläufe gelangen könnten. Der weltweite jährliche Erdölverbrauch ist in den letzten hundert Jahren beispielsweise von unter 20 Millionen Tonnen auf über drei Milliarden Tonnen um mehr als das Hundertfache gestiegen, mit den bekannten Folgen für den globalen Kohlenstoffkreislauf.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Der ASK Wissenspool
 
Mit Klick auf die jüngste Ausgabe des Content -Partners zeigt sich das gesamte Angebot des Partners
 

Selbst Partner werden?
 
Dann interessiert Sie sicher das ASK win - win Prinzip:
 
ASK stellt kostenlos die Abwicklungs- und Marketingplattform - die Partner stellen den Content.
 
Umsätze werden im Verhältnis 30 zu 70 (70% für den Content Partner) geteilt.
 

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...