Der BSE-Fall und was wir daraus lernen können

Was hat die neuartige Rinderseuche BSE mit Klärschlamm zu tun? Gibt es da einen Zusammenhang? Wird in der Wissenschaft etwa schon wieder eine neue Möglichkeit diskutiert, wie die BSE-Seuche entstanden ist und wie sie übertragen wird?

  Bisher geht man davon aus, dass die Seuche auf die Schaf-Krankheit Scrapie zurückzuführen ist. In England wurden erkrankte Schafe zusammen mit anderen gefallenen Tieren zu Tiermehl verarbeitet und an Rinder verfüttert. Die an BSE erkrankten Rinder zeigten ähnliche Symptome wie die an Scrapie erkrankten Schafe. Später wurde dann von einem Zusammenhang zwischen einer neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJK) des Menschen und der neuartigen Rinderseuche BSE berichtet. Seitdem wird versucht, durch Tiervernichtung, Handelssperren, Gesetze und Verordnungen, durch Rindfleischetikettierung und BSE-Tests an geschlachteten Rindern die Seuche einzudämmen und den Verbraucher zu schützen. Es werden Entstehungsursachen und Übertragungswege diskutiert, Forschungsprojekte in Gang gebracht und Antworten auf die offenen Fragen gesucht [1]. Wir wissen jedoch bis heute nicht genau, was zum Ausbruch der Rinderseuche BSE geführt hat und welche Folgen noch zu erwarten sind. Dass ein Bulle, mit Tauben – also mit Fleisch – gefüttert, verrückt wird, hat Rudolf Steiner bereits 1923 in seinen Arbeitervorträgen ausgeführt.
Das Verarbeiten verendeter Tiere zu Tiermehl und das Verfüttern desselben an Tiere, stößt bei vielen Menschen auf Ablehnung. An die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Agrarproduktion – mit Ausnahme des ökologischen Landbaus – chemisch-synthetische Spritzmittel, synthetische Düngemittel und sonstige Hilfsmittel wie z.B. Antibiotika in Futtermitteln (sogenannte Leistungsförderer) verwendet, haben sich viele gewöhnt. Die viel diskutierten Folgen intensiver Landwirtschaft werden, so scheint es, verdrängt. Man weiß von der Belastung der Lebensmittel mit Agrarchemikalien. In der Fachwelt spricht man in diesem Zusammenhang vom acceptable daily intake. Es gibt für die Agrargifte Höchstmengen bei der Ausbringung und Höchstmengen, die am Produkt verbleiben dürfen. Wissenschaftler errechnen aus dem Gefahrenpotenzial eines betreffenden Stoffes für den Menschen die Menge an Gift, die er nach Ansicht dieser Wissenschaftler täglich zu sich nehmen kann, ohne akute Gefährdung seiner Gesundheit. Bei BSE ist das anders. Nach dem, was man bisher weiß, reichen kleine Mengen mit der Nahrung aufgenommener BSE-Prionen, um die neue Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit beim Menschen auszulösen. Die Prionen verhalten sich anders als die meisten Proteinverbindungen. Die üblichen Desinfektions- oder Sterilisationsmethoden reichen nicht aus. Die Gefahr für die menschliche Gesundheit ist nicht kalkulierbar. Zur Lösung des Problems muss an den Ursachen angesetzt werden. Die Fütterung von tierischem Futter an Pflanzenfresser wird weithin als Ursache angesehen. Diese Praktik wird als ein Dammbruch in der Landwirtschaft erlebt, als Überschreiten einer Grenze, die man nicht hätte überschreiten dürfen. Während das Risiko intensiver landwirtschaftlicher Praxis bisher für den Menschen kalkulierbar erschien, hat man es bei der Rinderseuche BSE mit einem bislang unkalkulierbaren Risiko zu tun. Es ist wohl eine Ahnung den Menschen erhalten geblieben, die das Verfüttern von Fleisch an Pflanzenfresser als nicht richtig einschätzten. Der Wahrheitsgehalt dieser Ahnung ist mit der Rinderseuche BSE augenfällig geworden. Die Ökonomie wurde hier eindeutig zu weit getrieben. Die Folgen sind fatal. Ökonomie ohne Berücksichtigung der Naturgesetze ist offensichtlich gefährlich. Nicht alle Probleme sind durch herkömmliche Risikoabschätzung vermeidbar.
 
Der BSE-Fall ist nur ein Beispiel für die Probleme, die der Mensch sich selbst schafft. Der Mensch greift in Naturzusammenhänge ein und verändert seine Umwelt. Zwar ist das so, seit es Menschen gibt, und anfangs war es nicht weiter schlimm. Die Natur hat sich immer wieder selbst geheilt. Die Ausmaße und die Folgen menschlichen Handelns sind mit der zunehmenden Bevölkerungsdichte mitgewachsen und waren noch nie so weitreichend. Das Potenzial für die dauerhafte Schädigung unserer Lebensgrundlagen war noch nie so groß wie heute.



Copyright: © TK Verlag - Fachverlag für Kreislaufwirtschaft
Quelle: Verantwortungsbewusste Klärschlammverwertung (2001) (Juni 2001)
Seiten: 14
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Dr. Jochen Leopold

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