Polizeifilter zur Sicherheit - Rückgewinnung von Quecksilber aus Altbatterien

Mit einer Recycling-Anlage gewinnt die Batrec Industrie AG in Wimmis/Schweiz aus Sonderabfällen wie Altbatterien pro Jahr über 4000 Tonnen wertvolle Rohstoffe, darunter auch Quecksilber, zurück.

"Wir Schweizer sind stolz auf unsere hohen Umweltstandards - und diese gelten natürlich auch für unsere Recyclingprozesse", merkt Direktor Andreas Krebs von Batrec an. Auf die Umwelt belastende Deponierung der Batterien kann verzichtet werden. In dem von Batrec entwickelten Prozess fallen keine schädlichen Gifte und Reststoffe an. Dabei wurde der Rückgewinnung von Quecksilber höchste Beachtung geschenkt, was die Umwelt stark entlastet und sich andererseits aufgrund des hohen Kilopreises für Quecksilber kommerziell auszahlt. Bereits bei der vorgelagerten Verbrennung der Altbatterien im Hochtemperaturofen bei über 1500 °C fallen Produkte wie Ferromangan, Reinzink usw. an, welche wieder verkauft werden. Im gesamten Prozess gilt es, die Bildung von hochgiftigen Dioxinen zu verhindern, was in der nachgeschalteten Schockabkühlung mittels Quenche sichergestellt wird.

Für die Aussonderung des Quecksilbers steht ein vergleichsweise enges Prozessfenster zur Verfügung. Unter Vakuum verdampft das Quecksilber im Destillationsofen - bei einem Siedepunkt von 356 °C - und gelangt so in den Abgasstrom. Dabei ist zu verhindern, dass Schwefel zur Verdampfung gelangt, was bei einem Siedepunkt von 445 °C der Fall ist. Die Rückgewinnung des Quecksilbers erfolgt durch Tropfenabscheidung und anschließende Auswaschung in einer Sprühkolonne. Im Quenche wird die Temperatur von 600 °C auf 4 °C heruntergekühlt. Am Ende des Prozesses dient ein ,Polizeifilter' aus Aktivkohle als zusätzliche Sicherheit. Selbst bei Ausfall aller vorgeschalteten Filterstufen kann der Aktivkohlefilter den gesamten Abgasstrom zuverlässig entgiften.

Mit diesem Verfahren wird eine Abscheidequote von 99,7 Prozent erreicht. Die heutige Anlage gewinnt 600 Kilogramm Quecksilber in sechs Stunden zurück. Für das Jahr 2009 ist ein weiterer Ausbau auf eine Jahreskapazität von 4000 Tonnen pro Jahr vorgesehen. Bei Batrec möchte man mehr als 80 Prozent an Altbatterien aus dem europäischen Ausland rezyklieren.

Eine der Herausforderungen war für die Ingenieure von Batrec Industrie AG und Colasit AG die Planung der gesamten Wäscheranlage bei sehr engen Platzverhältnissen. Dank 3D-CAD konnte die Anlage laufend visualisiert und damit die Aufstellung und Zugänglichkeit optimiert werden. Im Prozessbereich musste besonders darauf geachtet werden, jedes Rohr und jede Fläche mit Gefälle anzubringen, damit bei der Kondensation der sichere Abfluss des Quecksilbers jederzeit gewährleistet ist. Ziel war es, das Zeitfenster für die Umbauarbeiten zu minimieren. Aus diesem Grund wurde die gesamte Anlage im Werk Spiez vormontiert und getestet, bevor sie bei Batrec Industrie AG in Wimmis definitiv installiert wurde.

Bei der Aggressivität der zu rezyklierenden Stoffe ist Stahl nicht geeignet. Im vorliegenden Fall kam schwer entflammbares Polypropylen als Werkstoff zum Einsatz. Das Unternehmen gilt als erfahren im Bau von Anlagen aus korrosionsbeständigen Kunststoffen für die Behandlung von Abluft.


Unternehmen, Behörden + Verbände: CEO Colasit AG, Spiez
Autorenhinweis: Alexander Schenkel, Colasit AG



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Juni 2007 (Juni 2007)
Seiten: 1
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Alexander Schenkel

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