Aufwand minimiert - Abfallmanagement-Informationssystem automatisiert den Entsorgungsprozess

Die sichere Entsorgung chemischer Sonderabfälle ist ein komplexer Prozess. Der Chemieparkbetreiber Bayer Industry Services GmbH & Co. OHG (BIS) bewältigt diesen mit dem Abfallmanagement-Informationssystem AMIS, entwickelt von Bayer Business Services GmbH (BBS). Es automatisiert nahezu den gesamten Entsorgungsprozess - vom Erzeuger über den Transport bis hin zum Entsorger.

28.11.2006 Aufwändige Terminabsprachen und ungezählte Telefonate mit Transporteuren und dem Entsorger - das gehört im Bayer Chemiepark der Vergangenheit an. Ebenso wie das mühsame Ausfüllen von Formularen und die zeitraubende Dokumentation, um die zahlreichen gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, die bei der sicheren Entsorgung chemischer Sonderabfälle zu beachten sind. AMIS nimmt den BIS-Kunden diese Arbeiten weitgehend ab. "Das System koordiniert alle Arbeitsschritte vom Auftrag über Genehmigung, Transport, Entsorgungsnachweis und Dokumentation bis hin zur Archivierung", fasst Frank Alt, Projektleiter AMIS bei Bayer Industry Services, zusammen.

Als Intranet-Portal steht AMIS den BIS-Kunden bereits seit 2002 kostenlos zur Verfügung, und seit 2005 gibt es AMIS-Online auch als Internet-Portal. Vorraussetzung für die Nutzung ist ein Abfallmanagement- oder Entsorgungsvertrag mit dem Chemieparkbetreiber BIS. Bevor AMIS für den neuen Partner aktiv werden kann, werden sämtliche Entsorgungsdaten in einer Datenbank erfasst. Dazu zählen nicht nur die Stammdaten des Erzeugers, sondern auch Angaben über die Abfallarten, die er entsorgen lassen möchte. "Das ist eine Voraussetzung für die kundenindividuelle Abwicklung der Entsorgungsaufträge", erläutert Alt.

Die Datenbank ist zugleich das zentrale Kernelement von AMIS. Sie enthält eine Vielzahl von umwelt- und sicherheitsrelevanten Parametern, die für eine gesetzeskonforme Entsorgung unerlässlich sind. Angaben zur Transporteinstufung zählen ebenso dazu wie die Zuordnung nach der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) und Angaben zu behördlich genehmigten Mengenschwellen von nahezu allen Abfällen. Preisrelevante Daten sowie Basisinformationen über Abfallerzeuger, Entsorgungsbetriebe sowie Transportunternehmen vervollständigen die Datenbank.

Bei BIS sind mehrere Tausend unterschiedliche Abfallarten in der Datenbank erfasst. Pro Jahr wickelt das Unternehmen rund 110.000 Entsorgungsvorgänge mit AMIS ab, 90 Prozent davon laufen vollautomatisch. Monatlich zählt AMIS bis zu 80.000 Zugriffe von Abfallmanagern und Kunden. Inzwischen arbeiten rund 5000 Nutzer mit dem System. Besonders geschätzt ist die Anwenderfreundlichkeit von AMIS. "Das System erklärt sich praktisch von selbst", sagt Björn Bützer, Abfalldisponent bei Tronox im Bayer Chemiepark Krefeld-Uerdingen. Weiterer Pluspunkt: Das Web-Portal AMIS-Online ist rund um die Uhr geöffnet - Entsorgungsaufträge können jederzeit erteilt werden. Nach Eingabe von Abfallart, Menge und Abholort genügt ein Mausklick, um den Auftrag auf den Weg zu bringen. Alles Weitere erledigt das System in eigener Regie. "Der Kunde erhält eine Auftragsbestätigung, und bei BIS startet der Abfallmanagement- und Entsorgungsprozess", erläutert Alt. Nahezu zeitgleich geht der Auftrag beim Transportunternehmen und in der zuständigen Entsorgungsanlage ein. Im Entsorgungsverbund der BIS sind die Systeme mit AMIS vernetzt, so dass eine reibungslose Disposition und ein hohes Maß an Entsorgungssicherheit gewährleistet sind. "Für unsere Kunden ist eine ,Just-in-time'-Entsorgung außerordentlich wichtig. Mit AMIS steht uns ein Werkzeug zur Verfügung, das uns dabei unterstützt", betont Alt. So können Aufträge über das System bei Bedarf standortübergreifend umdisponiert werden.

Ein weiterer Service von AMIS in Sachen Kundenzufriedenheit ist das Erstellen transportrelevanter Begleitdokumente. Dazu zählen etwa der Entsorgungsnachweis, Gefahrgutbegleitpapiere nach ADR (siehe Textbox) und das Unfallmerkblatt. Diese Dokumente stellt das System dem Abfallerzeuger rechtzeitig zum Abtransport zur Verfügung. Auch während des Entsorgungsprozesses bleibt der Kontakt zum Kunden über AMIS bestehen. Er kann sich im Web-Portal jederzeit über den aktuellen Bearbeitungsstatus informieren. Nach der Entsorgung werden alle Informationen protokolliert und archiviert. "Dies ist ein weiterer Beitrag zur Sicherheit", so Alt. Denn bis hin zum Kennzeichen des Fahrzeugs und zum Namen des Fahrers lassen sich alle Vorgänge dauerhaft und lückenlos nachvollziehen. Auch bei der Leistungsverrechnung ist AMIS mit von der Partie. So werden alle mit der Entsorgung verbundenen Kosten verursachergerecht ermittelt und für die Abrechnung vorbereitet. Damit leistet das System auch einen Beitrag zur Kostentransparenz. "Das Internet-Portal stellt jedoch nicht nur für unsere Kunden eine deutliche Erleichterung dar. Wir konnten mit Hilfe des hoch integrierten Systems den Aufwand im Abfallmanagement erheblich reduzieren", berichtet Alt. Von diesem Zuwachs an Effizienz und Wirtschaftlichkeit profitieren wiederum die Kunden von BIS. "AMIS trägt dazu bei, dass wir unsere Leistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten können", betont der Projektleiter.

Bei Bayer Industry Services hat sich das System für die sichere und schnelle Entsorgung chemischer Sonderabfälle bewährt. Für Bayer Business Services ist das ein Grund, AMIS jedem anzubieten, der Abfälle erzeugt und diese entsorgen muss. "Im Gegensatz zu den sonst im Markt verbreiteten Paketlösungen, bei denen nur eingeschränkt kompatible Einzelelemente gebündelt werden, bieten wir mit AMIS eine strukturierte Lösung aus einem Guss an", erklärt Rainer Bornheim, AMIS-Produktmanager der BBS.

Die einzelnen Module des Systems sind genau aufeinander abgestimmt. Zentraler Baustein ist die Datenbank als Grundlage für das Abfallmanagement. Weitere Module sind ein Client für die sorgfältige Erfassung und Pflege der Stammdaten, ein Online-Portal für die Auftragserteilung sowie ein Applikationsserver für die Disposition und die Prüfung auf Plausibilität. Zusätzliche Module etwa für die Dokumentenverwaltung und -archivierung ergänzen das System. Bei Änderungen der gesetzlichen Anforderungen müssen nicht das gesamte System, sondern nur einzelne Module verändert werden.

Aufgrund der Flexibilität von AMIS können weitere Module an das System angebunden werden. Zum Beispiel die Bereitstellung von Betriebsanweisungen nach §14 Gefahrstoffverordnung. Betriebsanweisungen sind vom Gesetzgeber gefordert und dienen der Information des Mitarbeiters über den sicheren Umgang mit den Stoffen, Zubereitungen und Abfällen an seinem Arbeitsplatz. Diese Dienstleistung bietet Bayer Business Services zudem unabhängig von AMIS an. "Mit unserem neuen Web-basierten System sind diese wichtigen Dokumente einfach und schnell im Intra- oder Internet verfügbar", erklärt Frank Marquardt, bei BBS Berater für Health, Safety, Environment and Quality. Zudem arbeitet BBS kontinuierlich an Verbesserungen und neuen Funktionalitäten für AMIS.

Derzeit entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit BIS ein papierloses Begleitscheinverfahren, das den in naher Zukunft erwarteten Änderungen der gesetzlichen Bestimmungen entspricht.

Ein weiteres Projekt dient der Unterstützung der Abfalllogistik. Mit Hilfe von Chip-Karten soll es künftig noch schneller möglich sein, sämtliche Stamm- und Bewegdaten zu identifizieren und zu kontrollieren. Damit soll der Kunde selbst größte Entsorgungsprojekte zu jedem Zeitpunkt vollständig überschauen können.
 
Zusatzinformation:
ADR
ADR steht für "Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route" (franz.): "Europäisches Übereinkommen über den Transport gefährlicher Güter auf der Straße". Das ADR regelt mit seinen Anlagen A und B den grenzüberschreitenden Transport unter den Mitgliedsstaaten. Grundlage des ADR sind die Empfehlungen der UN.

Unternehmen, Behörden + Verbände: Bayer Industry Services GmbH 6 Co. OHG (BIS), Bayer Business Services GmbH (BBS)
Autorenhinweis: Iris Freundorfer



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: November/Dezember 2006 (November 2006)
Seiten: 3
Preis: € 0,00
Autor: Iris Freundorfer

Artikel weiterleiten Artikel kostenfrei anzeigen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Wertstoffhof 2020 - Neuorientierung von Wertstoffhöfen
© ia GmbH - Wissensmanagement und Ingenieurleistungen (4/2015)
Im Jahr 2014, zwanzig Jahre nach dem durch das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen organisierten Wettbewerb „Der vorbildliche Wertstoffhof“, ist es sicher angebracht, sich dem Thema erneut zuzuwenden. Was ist aus den prämierten Wertstoffhöfen der Preisträger in den jeweiligen Clustern geworden? Wie hat sich das System grundsätzlich entwickelt? Wo geht es hin, wenn man die gesellschaftlichen Anforderungen aus demografischer Entwicklung, Ressourcenschutz und Klimarelevanz betrachtet?

Neue Anreize - Leistungsbezogene Gebühren senken Abfallmengen
© Deutscher Fachverlag (DFV) (6/2008)
Der Landkreis Eichsfeld wollte die Restabfallmengen reduzieren und somit die Gebührenbelastung im Landkreis auf einem gesunden Niveau halten. Eine leistungsbezogene Gebührenabrechnung sorgte für die notwendigen Anreize. Für den Bürger wird es zwar nicht billiger, doch die Kostenexplosion konnte vermieden werden.

Datenerfassung sorgt für Objektivität - Elektronische Komponenten in Entsorgungsfahrzeugen
© Deutscher Fachverlag (DFV) (2/2008)
In den Kommunalfahrzeugen werden zunehmend elektronische Komponenten verwendet. Neben der Weiterentwicklung der Steuerung von Aufbau und Liftern in Abfallsammelfahrzeugen sind Systeme zur logistischen Unterstützung gefragt. Ein wesentlicher Grund dafür ist der wachsende Kostendruck bei den Dienstleistern.

Mehrkosten - Mehreinnahmen; Möglichkeiten der Gestaltung der Abfallwirtschafts- und Gebührensatzung
© ia GmbH - Wissensmanagement und Ingenieurleistungen (6/2013)
In Verbindung mit der Diskussion um die Einführung der Biotonne – nennen wir sie hier die Biotonne der zweiten Generation – ist grundsätzlich immer von Mehrkosten die Rede. Nie oder selten wird von Mehreinnahmen gesprochen. Dieser aus vielerlei Hinsicht wenig naheliegende Aspekt soll hier vorgestellt und erörtert werden.

Prozesse bleiben unsichtbar - Elektronischer Nachweis zur Entsorgung gefährlicher Abfälle
© Deutscher Fachverlag (DFV) (4/2009)
Tönsmeier war das erste Unternehmen, das den kompletten Entsorgungsprozess über elektronische Begleitscheine abwickelte – mit Hilfe der Software Modawi der Consist ITU Environmental Software GmbH. Modawi erfüllt die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen für das elektronische Nachweisverfahren bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle (eANV). Es läuft routinemäßig und nicht nur im Testbetrieb.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Der ASK Wissenspool
 
Mit Klick auf die jüngste Ausgabe des Content -Partners zeigt sich das gesamte Angebot des Partners
 

Selbst Partner werden?
 
Dann interessiert Sie sicher das ASK win - win Prinzip:
 
ASK stellt kostenlos die Abwicklungs- und Marketingplattform - die Partner stellen den Content.
 
Umsätze werden im Verhältnis 30 zu 70 (70% für den Content Partner) geteilt.
 

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...