Nassvergärung im Vorteil - Mechanisch-Biologische-Aufbereitungsanlage verkauft Strom

Mit der MBA-Wiefels errichtete die Horstmann GmbH & Co. KG Europas größte Anlage zur Behandlung des biologischen Anteils im Hausmüll basierend auf der Technik der Vollstrom-Nassvergärung. Das in Bad Oeynhausen ansässige Unternehmen ist Generalunternehmer und übergab die Anlage schlüsselfertig dem Zweckverband Abfallwirtschaftszentrum Friesland / Wittmund.

29.04.2006 Insgesamt fünf vergleichbare Anlagen wurden bzw. werden in Deutschland derzeit gebaut. Die MBA Wiefels bei Jever bietet 80.000 Tonnen Jahreskapazität zur Behandlung des biologischen Anteils im Hausmüll. Als Gesamtdurchsatz sind bis zu 115.000 Tonnen jährlich möglich. Die Vorteile einer Nassvergärung gegenüber anderen Verfahren ist der geringere Aufwand an Bau-, Prozess- und Maschinentechnik. Außerdem kann der Stoffübergang mit dem Luftsauerstoff sehr viel intensiver in der Flüssigphase erfolgen, wodurch der biologische Abbau effektiver verlaufen kann. Nach dem Baubeginn im September 2004 fand die warme Inbetriebnahme im Januar dieses Jahres statt.

Der aus den umliegenden Landkreisen anfallende Hausmüll wird zunächst mechanisch in einer Kombination aus Siebung, Zerkleinerung und Sichtung vorbehandelt. Dabei werden der EBS-Anteil (Ersatzbrennstoff) sowie Metall und andere Störstoffe entnommen. Die verbleibenden ca. 75 Prozent sind biologischer Anteil und werden im Nassverfahren mittels zweier Prozesse durch Vergärung aufbereitet und verwertet. In vier Mixern (Pulper) wird dazu das Gemisch aus Inerten und Biomasse mit Wasser vermengt. Unerwünschte Sinkstoffe lassen sich hier über eine Inertstoffschleuse aussondern. Dieses vermindert zum einen den Verschleiß an Pumpen und Rohrleitungen und verhindert zum anderen Ablagerungen in den anschließenden Behältern. Die Biomasse gelangt dann über die Hydrolysen und den Mischbehälter in die Fermenter, wo in rund 20 bis 25 Tagen bei Temperaturen von 38 bis 40 °C eine Vergärung unter Freisetzung von Biogas abläuft. In Wiefels bieten die vier Fermentertürme mit je 13 Metern Durchmesser und 17 Metern Höhe genug Kapazität zum kontinuierlichen Betrieb von zwei Blockheizkraftwerken (BHKW). Der mesophilen Vergärung mit Abbau von Organik und der Energiegewinnung folgt in einer weiteren Stufe die aerobe Stabilisierung. Vom Gärrest wird dann das Wasser zunächst mechanisch über eine Presse und anschließend thermisch mit Hilfe eines Trockners abgetrennt. Das recycelte Wasser wird dem Prozess wieder zugeführt. Der Gärrest ist nach der Trocknung inaktiv und lässt sich deponieren.

Das gereinigte, getrocknete und zwischengespeicherte Biogas gelangt zum Blockheizkraftwerk und dient der Erzeugung von elektrischer und thermischer Energie. Aus der erzeugten Energie wird der Eigenbedarf der Anlage gedeckt. Der Überschuss an elektrischer Energie wird in das öffentliche Netz eingespeist. Dazu werden zwei BHKW mit einer elektrischen Leistung von jeweils 1022 kW, einer thermischen Leistung von jeweils 588 kW aus dem Abgas für die Trocknung und jeweils 544 kW (Warmwasser 85/70 °C) aus dem Kühlkreislauf für die Erwärmung im biologischen Prozess installiert. Zusätzlich sind zwei Biogasbrenner mit einer Leistung von jeweils 850 kW installiert, um die restliche Wärme für den Trocknungsvorgang durch direkte Verbrennung von Biogas zur Verfügung zu stellen.

Im Zuge der Vergärung des Restabfalls erwartet man jährlich ein Aufkommen von etwa 9.000.000 m³ Biogas mit einem Energiegehalt von 51.400.000 kWh. Das entspricht einer Heizleistung von 5870 kW.

Unternehmen, Behörden + Verbände: Horstmann GmbH & Co.KG
Autorenhinweis: Michael Endulat



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: April 2006 (März 2006)
Seiten: 1
Autor: Michael Endulat

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