Handarbeit gefragt - Stoffstromentreicherung auf der Zentraldeponie Emscherbruch

Statt der Ablagerung großer Abfallmengen hat auf Zentraldeponie Emscherbruch (ZDE) in Gelsenkirchen-Resse mit dem Betrieb einer modernen Stoffstrom-Entreicherungsanlage eine neue Form der Gewerbeabfallbehandlung Gestalt angenommen. Bei aller Automation geht es allerdings nicht ohne Handarbeit.

22.06.2006 Die 1,4 Mio. Euro teuere kompakte Vorzeigeanlage ergänzt mit ihrer Konzeption die beiden im Markt verbreiteten Modelle für die Sortierung von Gewerbeabfällen. Gemeint ist die EBS-Anlage, wie sie von der Kost Entsorgung und Recycling GmbH eingesetzt wird, um Ersatzbrennstoffe zu produzieren und die Sortieranlage für Abfall aus dem Dualen System Deutschland GmbH, wie sie die AGR-Tochter Duale Abfallwirtschaft und Verwertung Ruhrgebiet GmbH (DAR) mit Erfolg in Herten betreibt.

"Wir verstehen die neue Anlage als eine Vorschaltanlage für die MVA. Von 100 Prozent angelieferten Abfällen sortieren wir zirka 40 Prozent aus. Ein Teil davon bildet das ideale Vorprodukt für die EBS-Fraktion. Die restlichen 60 Prozent sind bereits von Störstoffen wie Folien oder Holz befreit und liegen damit bei der Verbrennung nicht mehr im hochkalorischen Bereich, was den Betrieb der Öfen einfacher macht", erklärt Betriebsleiter Heinz Getzewitz.

Zusammen mit ZDE-Betriebsmeister Thomas Wetterhahn hat Getzewitz von Anfang an die Planung der Anlage gesteuert und begleitet. Dabei konnten sich die AGR-Mitarbeiter auf Erfahrungen stützen, die sie bereits seit 2000 mit der Grobsortier- und Umladeanlage als Vorschaltanlage für die Deponie gewonnen hatten. Im Zuge der Umsetzung der TASi stellte sich für die aufkommenden Gewerbeabfälle die Frage nach einer sinnvollen Stoffstrom-Entreicherung, um die Kapazitäten der MVA RZR Herten zu entlasten. "Mit unserer Anlagentechnik wollen wir eine kostengünstigere Entsorgung und auch Verwertung der hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle erreichen", formuliert Getzewitz das Ziel.

Gemeinsam mit dem niederländischen Anlagenbauer Synmet konnte in wenigen Monaten die "sehr kompakte" und überdachte Anlage auf der ZDE gebaut werden. Im Oktober letzten Jahres startete der Probebetrieb, der bis Ende Januar 2006 andauerte und bereits klimatische Hürden wie Eis und Schnee bewältigt hat. Für das Team der ehemaligen Deponiearbeiter eine neue Herausforderung, denn die neue Anlage erfordert die "manuelle Sortierung". "Im Gegensatz zu den vollautomatischen Sortieranlagen erreichen wir durch die teilweise manuelle Sortierung, dass wir fast jeden Gewerbeabfall annehmen können. Von drei Millimetern bis ein Meter können wir alle Längen oder Größen gebrauchen, bei denen die vollautomatischen Anlagen schon lange streiken würden", berichtet Thomas Wetterhahn.

Die Anlage läuft derzeit neun Stunden, geplant ist ein Betrieb von 6 bis 22 Uhr in zwei Schichten mit jeweils elf Mitarbeitern. Momentan arbeitet sich die ehemalige Mannschaft des Deponiebetriebes in ihre neue Aufgaben ein.

An drei Sieblinien sorgen die Mitarbeiter an den richtigen Stellen für den reibungslosen Betrieb. Beispielsweise führt der mögliche Weg für die groben Gewerbeabfälle (180 bis 400 mm) über den Kettenförderer und den groben Stangensizer (= Sortiertechnik) zum Trommelsieb in den Windsichter, wo die EBS-Fraktion entnommen wird. Papier, Holz, grobe Metalle und Bauschutt aus der Schwerfraktion werden von den Mitarbeitern per Hand am Sortierband aussortiert.
 
In der Sortierkabine befindet sich auch der Steuerstand für die verschiedenen Aggregate. Pro Stunde wird hier der angestrebte Durchsatz von 27 Tonnen gesteuert und kontrolliert. In Zusammenarbeit mit dem Vertrieb der AGR mbH spricht Heinz Getzewitz wöchentlich die Mengensteuerung der Gewerbeabfälle ab.

"Zunächst ist unser Ziel die Entlastung des RZR Herten. Mit 120.000 Tonnen Jahresdurchsatz können wir einen wichtigen Beitrag für die Entsorgungssicherheit von Gewerbeabfällen in der Region leisten", blickt der Betriebsleiter zufrieden in die Zukunft.

Unternehmen, Behörden + Verbände: Zentraldeponie Emscherbruch (ZDE), Kost Entsorgung und Recycling GmbH, Duales System Deutschland GmbH, Duale Abfallwirtschaft und Verwertung Ruhrgebiet GmbH (DAR), MVA RZR Herten, AGR mbH
Autorenhinweis: Heinz Getzewitz AGR mbH

www.agr.de



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Juni 2006 (Juni 2006)
Seiten: 2
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Heinz Getzewitz

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