Kein Infarkt dank Bypass - Die Durchsatzleistung von Rechenanlagen lässt sich erhöhen

Handrechen in Notumläufen von Rechenanlagen können unhygienische Störstellen sein. Bei einer hohen Feststoffbelastung z.B. bei Regenereignissen, Kanalreinigungen oder Reinigungsphasen in Betrieben treten Überlastungen der Sieb- und Rechenanlagen auf. Störungen durch Rückstau können durch ein patentiertes Verfahren vermieden werden.

28.06.2006 Wenn der Notumlauf anspringt und ungereinigtes Abwasser über den Handrechen in die Kläranlage gelangt, führt dies zwangsläufig zu Störungen in den nachfolgenden Behandlungsstufen. Der Handrechen ist nach kurzer Zeit verlegt und das Abwasser kann auch nicht mehr über den Notumlauf abgeschlagen werden. Erst wenn der Handrechen von Hand frei geräumt ist, erfüllt er seine Funktion mehr schlecht als recht. Das manuelle Räumen gehört zu den unhygienischsten Arbeiten des Kläranlagenpersonals und wird erfahrungsgemäß möglichst vermieden oder auch ganz unterlassen. Es entstehen Störungen durch Rückstau mit den bekannten Nachteilen der reduzierten Fließgeschwindigkeiten und durch Absetzen von Sand und Rechengut im Zulauf vor dem Rechen bis zum Überlaufen der Gerinne.

Das patentierte QSR-Verfahren (Querstromrechen vor dem Notumlauf) löst diese Problematik auf sehr einfache Weise. Der Notumlauf wird als Bypass genutzt, ohne dass die Funktion des Notumlaufs eingeschränkt wird. Vor dem Notumlauf wird ein Feinrechen mit der gleichen Spaltweite wie der Hauptstromrechen installiert, der nur die Aufgabe hat, Rechengut zurückzuhalten und in das Hauptstromgerinne zurück zu führen. Der vorbei fließende Abwasserstrom führt das Rechengut zum Hauptstromrechen und von dort zum Austrag.

Der Handrechen wird komplett entfernt. Durch die selbstreinigende Bewegung des QSR-Rechens steht dem Abwasserstrom immer eine gereinigte Fläche zur Verfügung. Der Rechen ist überströmbar, so dass auch bei Störungen das Abwasser wie bisher der Kläranlage zugeführt werden kann. Durch den Einsatz der patentierten Kombination Hauptstromrechen und automatischer Notumlaufrechen (Querstromrechen QSR) wird die vorhandene Rechenfläche um die Rechenfläche des QSR vergrößert. Dies bedeutet Reduzierung der hydraulischen Verluste und eine erhöhte Durchsatzleistung der Rechenanlage entsprechend dem Fließquerschnitt des Notumlaufs. Je nach vorhandenem Notumlauf kann dies eine Durchsatzerhöhung bis zu 100 Prozent bedeuten, ohne dass vorhandene Rechen verändert werden müssen.

Es werden keine bauliche Veränderungen am Zulauf-Gerinne notwendig. Allein durch diese Kostenersparnis rechnet sich der Einsatz des QSR-Verfahrens. Das bisherige "tote Gerinne" Notumlauf wird als Bypass genutzt mit Rückhaltung der Sperrstoffe mit der gleichen Spaltweite, die der Hauptstromrechen hat, z.B. 6 mm. Der Querstromrechen wird nur dann zugeschaltet, wenn ein erhöhter Abwasserstrom und/oder eine hohe Feststoffbelastung den Notumlauf beaufschlagen würde. Der Rückstau ins Kanalnetz wird verringert. Durch die Erhöhung der Durchsatzleistung wird die Fließgeschwindigkeit im Gerinne zwangsläufig erhöht. Dadurch werden Sandablagerungen erheblich reduziert. Bei maximaler Belastung wird der Wasserspiegel vor dem Rechen reduziert. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn über die vorgeschalteten Schneckenpumpwerke das Abwasser über den Sturzpunkt zurücklaufen kann und dadurch zusätzliche Energiekosten auftreten. Der Differenzdruck am Rechen wird reduziert, was zur Folge hat, dass der Durchreißeffekt bei zu hohem h kaum zur Geltung kommt. Der Raum zwischen Notumlaufrechen und Hauptstromrechen wird als Pufferzone für Rechengut genutzt und der Hauptstromrechen kann das Rechengut kontinuierlich austragen. Das Verfahren ist seit sechs Jahren zuverlässig im Einsatz und eignet sich sowohl für große als auch für kleine Durchsatzleistungen (10 bis 500 l/s).

Der nachträgliche Einbau des Querstromrechens QSR ist denkbar einfach und ist für jedes Gerinne mit Notumlauf möglich. Die Montage kann auch durch das eigene Klärwerkspersonal durchgeführt werden. Die Nachrüstung mit dem QSR hat zur Folge, dass der vorhandene Rechen und das Gerinne nicht verändert werden müssen, mit all den Vorteilen wie automatische, hygienische Räumung, Erhöhung der Durchsatzleistung, Auffangen von Rechengutstößen, Erhöhung der Fließgeschwindigkeit vor den Rechen, Reduzierung von Sandablagerungen, Reduzierung des Wasserstandes Ho vor dem Rechen und Reduzierung der hydraulischen Verluste.

Unternehmen, Behörden + Verbände: Kruse Abwassertechnik
Autorenhinweis: Dieter Kruse

Dieter Kruse

www.kruse-abwassertechnik.de



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Juni 2006 (Juni 2006)
Seiten: 1
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Autor: Dieter Kruse

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