Sorgen mit der Entsorgung - Öko-Bilanz des XX. Weltjugendtags in Köln

Mit einer Million Pilgern aus 188 Nationen war der XX. Weltjugendtag vom 16. bis 21. August 2005 im Erzbistum Köln eine in Deutschland bislang beispiellose Großveranstaltung. Nun wurde von der Weltjugendtag (WJT) gGmbH der abschließende Umweltbericht veröffentlicht. Eine Bilanz mit Fehlstellen.

23.02.2006 Einzigartig war das Ziel der Organisatoren, den Weltjugendtag zum ersten Ressourcen sparenden und umweltverträglichen Massen-Event zu machen. Welche ihrer Umweltziele haben die Veranstalter erreicht, welche nicht? Der Weltjugendtag war auf den ersten Blick eine saubere Veranstaltung. Es gab keine direkten Schadstoffbelastungen für Wasser, Boden und Luft, außerdem wurden stets die Lärmvorschriften eingehalten. Sein wichtigstes Ziel aber, mit Material und Energie vorbildlich und so sparsam wie möglich umzugehen, hat der WJT nicht erfüllt. Zwar vermerkt der Bericht, dass es gelang, bei allen Druckaufträgen und Büros über 80 Prozent Recyclingpapier einzusetzen. Verpackungen, Besteck und Behälter für die Pilger waren aus biologisch abbaubarem Material. Und an mehreren tausend Zapfstellen in Köln, Bonn und Düsseldorf konnten die Besucher sich kostenlos mit Trinkwasser versorgen, was viele Einweggetränkeflaschen überflüssig machte.

Beim genauen Hinsehen fallen dagegen die mageren Erfolge beim Abfallmanagement ins Auge. Die Umwelterklärung hatte im Vorfeld ehrgeizige Ziele gesetzt. Beispielsweise sollte so viel Abfall wie möglich getrennt gesammelt werden: in den Unterkünften, bei den zahlreichen Einzelveranstaltungen, in den Städten Köln, Bonn und Düsseldorf. Außerdem war vorgesehen, die Müllströme nach dem Weltjugendtag komplett zu sortieren und möglichst große Anteile davon stofflich zu verwerten. Das biologisch abbaubare Geschirr, so kündigte die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe an, dient nach Gebrauch zur Gewinnung von Biogas.

Davon wurde wenig realisiert. Aus den Unterkünften, den Open-Air-Veranstaltungen und den Innenstädten dokumentiert der Umweltbericht insgesamt 286 Tonnen Mischabfälle, Papier und Kunststoffe. Die öffentlich rechtlichen Entsorgungsträger haben davon nicht mehr recycelt als sonst auch, das meiste wanderte in die Müllverbrennung. Auf dem Marienfeld unweit von Köln, wo an zwei Tagen über 800.000 Pilger mit dem Papst die Messe feierten, wurden weitere 596 Tonnen Müll abgefahren. Davon gelangten 25 Prozent in die stoffliche Verwertung, 75 Prozent in die Kölner Müllverbrennungsanlage. Damit haben die Veranstalter zwar die gesetzlichen Vorgaben der Gewerbeabfallverordnung erfüllt - "man hätte aber weitaus mehr Mengen stofflich verwerten können", sagt Thomas Here, Umweltbeauftragter des Weltjugendtags.

Der Bericht hat zudem relevante Fehlstellen: Ob das kompostierbare Geschirr - insgesamt rund 200 Tonnen - tatsächlich zu Biogas wurde, ist unklar. Auch haben die Autoren der Bilanz nicht für alle Abfallströme die entsprechenden Nachweise erhalten, es fehlen beispielsweise Informationen über die Baustellenabfälle und detaillierte Angaben der Städte zu den angefallenen Müllmengen. Zudem bleibt im Dunkeln, warum so viel Müll verbrannt wurde.

"Was wir immerhin erreicht haben, ist ein erster Schritt hin zu einem Bewusstsein, dass wir mit begrenzten Ressourcen sparsam umgehen müssen," resümiert Here. Zehntausende junger Besucher hätten auf den zahlreichen Veranstaltungen des WJT viel über Umweltbewusstsein und verantwortlichen Handeln gelernt. Stolz ist Here darauf, dass er für den nächsten Weltjugendtag in Sydney schon einen ökologischen Keim ausgelegt hat: Vertretern der australischen Veranstalter überreichte er in Köln Umwelthandbuch und Umwelterklärung. "Sie haben zugesagt, dass sie für ihren Weltjugendtag frühzeitig und von vornherein einen Umweltverantwortlichen einstellen wollen."

Unternehmen, Behörden + Verbände: WJT gGmbH
Autorenhinweis: Christa Friedl



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Januar/Februar 2006 (Februar 2006)
Seiten: 1
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Christa Friedl

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