Abfallbehandlung, Stoffstrommanagement und Deponierung von Reststoffen

Die Entwicklung der Siedlungsabfälle im Zeitraum 1990 – 2006 und im Besonderen die Möglichkeiten der Nutzung von Restabfällen zeigen seit Inkrafttreten der Deponieverordnung eine hohe Dynamik. Neben den klassischen Abfallverbrennungsanlagen ist die Nutzung von Abfällen in Zementwerken, die Co-Verbrennung in dafür geeigneten Kraftwerken und der Neubau von EBS-Kraftwerken hinzugekommen. Im Gegensatz zur MVA werden auf den anderen Wegen der energetischen Verwertung nicht alle Abfälle genutzt, sondern es erfolgt eine Konzentration auf bestimmte Abfallarten oder auf Abfallkomponenten im Restabfall mit Qualitätsanforderungen, die entsprechende Aufbereitungsschritte in einer MA, MPS oder MBA durchlaufen haben.

Die Daten aus dem nationalen Inventarbericht zum deutschen Treibhausgasinventar 1990–2007 zeigen die Entwicklung der Treibhausgasemissionen verschiedener Quellgruppen in Deutschland. In dieser Aufstellung sind die klimarelevanten Emissionen aus der Abfallverbrennung im Energiebereich erfasst. In der folgenden, aus abfallwirtschaftlich Sicht richtigen Darstellung, in der die erzeugten klimarelevanten CO2,äq-Emissionen dargestellt sind, wurden die klimarelevanten Emissionen aus der Abfallverbrennung dem Bereich Abfallwirtschaft zugeordnet. Dabei wird deutlich, dass die Abfallwirtschaft mit 56% (23,5 Mio. MgCO2,äq/a) bisher den prozentual größten Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen leistet. Dies entspricht ca. 10% der gesamten bisher geleisteten Reduktion. Mit dieser Vorgehensweise weichen die freigesetzten, klimarelevanten CO2,äq-Emissionen für das Jahr 1990 um circa 7 Mio. Mg/a (entspricht 20%) und für das Jahr 2006 von 10% von dem Wert aus dem nationalen Inventarbericht zum deutschen Treibhausgasinventar 1990–2007 ab. Wesentliche Ursache für die festgestellten Differenzen ergeben sich durch abfallwirtschaftliche Maßnahmen, die zwar zu freigesetzten klimarelevanten CO2,äq-Emissionen führen, allerdings nicht zur Energieerzeugung beitragen (z. B. Kompostierung).



Copyright: © Verlag Abfall aktuell
Quelle: Band 35 - Deponietechnik 2010 (Februar 2010)
Seiten: 13
Preis: € 5,20
Autor: Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h.c. Bernd Bilitewski

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Flexible Verfahrenstechnik für die mechanische Aufbereitung komplexer Stoffströme
© Wasteconsult International (5/2017)
Die Anwendung der sogenannten elektrohydraulischen Zerkleinerung im Rahmen einer mechanischen Aufbereitung von Sekundärrohstoffen führt zu einer gezielten Schwächung von Grenzflächen im Material und ermöglicht so eine materialspezifische Trennung, die weitgehend unabhängig ist vom Grad der Zerkleinerung. Das Ergebnis ist ein hoher Aufschluss bei geringer Fragmentierung.

Optionen der Stoffstromseparation im Abfallwirtschaftszentrum Lübeck
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (5/2017)
Im Abfallwirtschaftszentrum Lübeck entstehen bei der Verarbeitung von Restabfall und Bioabfall zahlreiche Stoffströme, die überwiegend einer Verwertung zugeführt werden können. Durch eine gezielte Stoffstromseparation können in wesentlichen Teilströmen erhebliche Einsparungen erreicht werden. In Zusammenarbeit mit einem Hersteller wurden die Möglichkeiten einer Stoffstromseparation mittels NIR-Trenner in einer Versuchsanlage getestet. Dabei konnten insbesondere bei der Separierung von Papier aus dem Ersatzbrennstoff gute Ergebnisse erzielt werden. Auch die Separierung von Störstoffen aus dem Siebüberlauf bei der Verarbeitung von Bioabfällen zeigte gute Ergebnisse.

Weiterentwicklung der Abfallwirtschaft in der Freien und Hansestadt Hamburg – Zentrum für Ressourcen und Energie
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (5/2017)
Auf dem Standort der ehemaligen Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor in Hamburg wird ein neues Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) errichtet. Das ZRE ist ein Zusammenschluss von fünf Teilanlagen, die das gesamte Hausmüllaufkommen der Stadtteile im Hamburger Nordwesten verarbeiten. In einem ersten Schritt werden der Abfall sortiert, Wertstoffe gewonnen und eine abfallstämmige Biofraktion sowie ein Ersatzbrennstoff erzeugt. Die einzelnen Stoffströme werden in nachgeschalteten Anlagen weiterbehandelt und Biogas, Fernwärme und elektrische Energie erzeugt. Das ZRE wird seinen vollständigen Betrieb Ende des 1. Quartals 2023 aufnehmen.

Auswirkungen einer gesteigerten Wertstofferfassung ausgewählter Stoffe auf die MBA
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (5/2017)
Die Umsetzung der Vorgaben aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz hat Auswirkungen auf die Stoffströme, die mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) zugeführt werden. Gerade durch die Einführung der flächendeckenden Bioabfallsammlung sind Änderungen in der Betriebsweise von MBA zu erwarten. Die Vorgaben der Verpackungsverordnung (VerpackV Anhang I (zu § 6)) mit den darin vorgegebenen stofflichen Verwertungsquoten führen zu einer Stoffstromlenkung, sodass Massenströme, wie z. B. Altpapier, Altkunststoff, Altglas und Alttextilien, nur noch in verminderten Mengen in den Restabfall gelangen. Der Trend der letzten Jahre wird sich also fortsetzen bzw. forcieren. Ebenso verringert sich durch die zunehmende Einführung der Biotonne auch in kleineren Städten und Gemeinden der Anteil an Bioabfall im Restabfall. Bei konsequenter Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) wird für MBA mit rückläufigen Restabfallmengen durch die Erhöhung der Wertstoffsammlung zu rechnen sein. Für die MBA gibt es mehrere Möglichkeiten darauf zu reagieren, da das Anlagenkonzept der mechanisch-biologischen Restabfallbehandlung eine hohe Flexibilität aufweist.

Innovative Sortier- und Aufbereitungstechnologien für Biogut und Komposte
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (5/2017)
Die Aufbereitungstechnik für Biogut und Kompost wurde seit Beginn der 1970er Jahre stetig entwickelt und an die Einsatzbedingungen angepasst. Ein breiter Markt mit mehr als 1.000 Akteuren sorgt für stetige Nachfrage und die Möglichkeit, verbesserte Technologie erproben und vermarkten zu können. Innovation findet damit kontinuierlich statt, wobei traditionelle Techniken zur Sortentrennung nach wie vor ihren Platz haben. Spürbare Entwicklungsfortschritte wurden insbesondere in der Aufschlusstechnik und der Siebklassierung erzielt. Hier besteht heute die Möglichkeit, flexibler auf wechselnde Rohstoffbedingungen im Eingang von Kompostierungsanlagen reagieren zu können und damit gleichmäßiger für die biologischen Prozesse zu konditionieren. Moderne Sortiertechnologie, wie die sensorgestützte Sortierung, hat sowohl aus rohstofflichen als auch ökonomischen Gründen bisher noch nicht Eingang in die Praxis der Biogut- und Kompostaufbereitung gefunden.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Der ASK Wissenspool
 
Mit Klick auf die jüngste Ausgabe des Content -Partners zeigt sich das gesamte Angebot des Partners
 

Selbst Partner werden?
 
Dann interessiert Sie sicher das ASK win - win Prinzip:
 
ASK stellt kostenlos die Abwicklungs- und Marketingplattform - die Partner stellen den Content.
 
Umsätze werden im Verhältnis 30 zu 70 (70% für den Content Partner) geteilt.
 

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...