Urban Mining – Ressourcenschonungspotenziale einer hochwertigen Nutzung des anthropogenen Lagers im Gebäudebestand

Der Gebäude- und Infrastrukturbestand – genauer die darin enthaltenen Wertstoffe – sind für künftige Generationen eine enorme Rohstoffquelle. Dieser Bestand ist Ausdruck einer modernen, menschengemachten Lagerbildung in der Anthroposphäre. Im gesamten Bauwerksbestand des Hoch- und Tiefbaus, das heißt in Gebäuden, Brücken, Tunnel, Straßen, Parkplätzen oder Infrastrukturbauwerken zur Versorgung und Entsorgung lagerten bereits im Jahr 2000 in Deutschland rund 50 Milliarden Tonnen
an mineralischen Rohstoffen (Kalk, Gipsstein, Schiefer, Kies, Sand, Ton etc.).

Bereits damals prognostizierte das Umweltbundesamt einen Anstieg dieses anthropogenen Lagers bis zum Jahr 2010 auf 55 bis 60 Milliarden Tonnen, denn die Unternehmen setzen in Deutschland Jahr für Jahr rund 550 Mio. Tonnen mineralischer Rohstoffe für die Herstellung von Baustoffen und Bauprodukten ein. Das entspricht rund 85 Prozent aller von der deutschen Wirtschaft in die Hand genommener, mineralischer Rohstoffe. Dieses anthropogene Lager entspricht also in seiner Bestandsentwicklung einem organischen Metabolismus. Es nimmt nicht nur Rohstoffe auf, es gibt auch Materialien ab, wenn auch in einer weit bescheideneren Größenordnung: Die bei Neubau, Umbau, Modernisierung und Sanierung verwendeten, d. h. neu eingesetzten Baustoffmengen bringen etwa achtmal mehr Material in den Baubestand ein, als durch Bauabfälle am Ende der Nutzungsphase wieder herauskommt. Die Folge ist ein stetiger Zuwachs des anthropogenen Lagers. Wird dieses Lager vom Menschen wieder als Rohstoffquelle genutzt, spricht die Wissenschaft von „Urban Mining“ – der Förderung von Sekundärrohstoffen aus dem Bauwerksbestand. Doch wie, in welchem Umfang und wann ist dieses anthropogene Lager gigantischen Ausmaßes dem Menschen wieder zugängig, sind die darin verbauten Rohstoffe wieder anderweitig verwertbar? Um diese Frage sicher zu beantworten, wendet sich dieser Beitrag dem „kurzlebigsten“ Bauwerksbestand zu – dem des Hochbaus und insbesondere den darin enthaltenen Wohn- und Gewerbegebäuden. Denn über deren
Metabolismus haben wir die genaueste Kenntnis.



Copyright: © Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH
Quelle: 23. Kasseler Abfall- und Bioenergieforum - 2011 (April 2011)
Seiten: 14
Preis inkl. MwSt.: € 7,00
Autor: Dipl.-Ing. (FH) Hermann Keßler

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