Beurteilung der Gewässerverträglichkeit von Mischwassereinleitungen mittels kontinuierlichem, chemischphysikalischem Monitoring

Im Verbandsgebiet der Emschergenossenschaft wurden die offenen Schmutzwasserläufe durch eine Vielzahl von Maßnahmen mit rund 180 Mischwasserbehandlungsanlagen umgestaltet. Die nun abwasserfreien Gewässer wurden und werden ökologisch verbessert. Zur Beurteilung der Gewässerverträglichkeit der Mischwassereinleitungen wurden für das gesamte Emscher-System noch vor dem Bau der Anlagen rechnerische Immissionsnachweise erstellt. Ein umfangreiches Monitoring nach Inbetriebnahme der Anlagen dient der Beurteilung der tatsächlichen Gewässersituation nach der Umgestaltung und gibt Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten.

Die Emschergenossenschaft (EG) setzt derzeit mit einem Investitionsvolumen von über 5,5 Mrd. Euro das größte wasserwirtschaftliche Projekt Europas um: den Umbau des Emscher-Systems, eines vollständigen Entwässerungssystems im Ruhrgebiet, das in den Anfängen des 19. Jahrhunderts entstand und einen natürlichen Fluss in einen offenen Abwassersammler verwandelte. Bedingt durch die bergbaulichen Einwirkungen wurden die Gewässer im letzten Jahrhundert begradigt und technisch ausgebaut. Mit der Abwanderung des Bergbaus und dem daraus resultierenden Abklingen der Bergsenkungen hat dieses Entwässerungssystem ausgedient und ermöglicht heute den naturnahen Umbau des Emschersystems [1]. Das Einzugsgebiet der Emscher entwässert vorwiegend im Mischsystem. Dementsprechend ist eine Vielzahl von Mischwasserbehandlungsanlagen (MWBA) erforderlich, die den behandlungspflichtigen Mischwasseranteil den Kläranlagen zuführen. Randbedingungen wie z. B. Schutzbedürftigkeit bzw. Entwicklungschancen der aufnehmenden Gewässer [2], Flächenverfügbarkeit, Altlasten oder auch künftige Infrastrukturprojekte sind hierbei berücksichtigt. Der gesamte Umbau des Emschersystems [3] besteht im Wesentlichen aus folgenden vier Elementen: ¾ vier Kläranlagen reinigen das Abwasser von rd. 2,2 Mio. Einwohnern zzgl. Industrieeinleitungen,¾ ca. 435 km Abwasserkanäle wurden parallel zu den Gewässern errichtet,¾ dem Bau von rd. 180 MWBA mit einem Speichervolumen vonrd. 625.000 m3 und zusätzlichen Regenüberläufen,¾ ca. 340 km Gewässer werden naturnah umgestaltet. Die Gewässerverträglichkeit der Mischwassereinleitungen in die ökologisch verbesserten Gewässer muss durch die Emschergenossenschaft nachgewiesen und sichergestellt werden. Dabei sind der kombinierte Ansatz der EU-WRRL [4] und die sich in der Überarbeitung befindlichen technischen Regelwerke für Emission und Immission zu berücksichtigen [5], [6], [7], [8], [9]. Zunächst sind alle neu zu bauenden MWBA nach den jeweils gültigen Vorgabenbemessen worden [10], [11], sodass diese die emissionsseitigen Anforderungen erfüllen. Daran schließt sich die mit den oberen Wasserbehörden vereinbarte immissionsseitige Betrachtung, in Anlehnung an die sich aktuell in der Überarbeitung befindlichen Arbeits- und Merkblattreihe DWA-A 102/ BWK-A 3 [8], [9] vormals BWK-M 3 [12] und BWK-M 7 [13], an. Dieser Immissionsnachweis berücksichtigt die Besonderheiten in einem stark urban geprägten Einzugsgebiet mit seinen vielfältigen Nutzungen und irreversiblen Randbedingungen (weiteres siehe unten).



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 04 (April 2022)
Seiten: 8
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Maike Wissing
Dipl. Biol. Andreas Petruck
Dr.-Ing. Jürgen Mang

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