Naturschutzgroßprojekt Krautsand – Die Vielfalt der Tideelbe bewahren

Im Süßwasserbereich der Tideelbe, an der Grenze zur Brackwasserzone, im Landkreis Stade in Niedersachsen liegt die Elbinsel Krautsand, die 1976 eingedeicht wurde. Die besonderen Lebensräume und Arten, die es hier gibt, haben eine nationale und gesamtstaatliche Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland. Der WWF Deutschland will gemeinsam mit der Nabu-Stiftung diese Lebensräume nachhaltig schützen und neue schaffen.

Im Sommer 2020 hat die Umweltstiftung WWF-Deutschlandgemeinsam mit dem Kooperationspartner Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe im Süßwasserbereich der Tideelbe in Niedersachsen zwischen Hamburg und Cuxhaven das „Naturschutzgroßprojekt Krautsand“ gestartet. Das Naturschutzgroßprojekt wird im Rahmen des Bundesprogramm „chance.natur“ – BundesförderungNaturschutz gefördert. Das Bundesprogramm fördert herausragende großflächige Gebiete, denen aus nationaler Sicht eine besondereBedeutung für den Naturschutz zukommt. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz (75 %) mit Mittelndes Bundesumweltministeriums (BMU), des Niedersächsischen Umweltministeriums (12,5 %) sowie durch den WWF und die Nabu-Stiftung (12,5 %).

Der Planungsraum umfasst eine Fläche von 2.800 ha, von denen 1.600 ha im Besitz der öffentlichen Hand sind (Bild 1). Mit der Vielfaltan gefährdeten Arten und Lebensräumen, der noch vorhandenen Naturnähe, der Großflächigkeit sowie den Renaturierungsmöglichkeiten für die Erhaltung und Wiederherstellung ästuartypischer Prozesse, Lebensräume und Arten erfüllen die Flächen auf der ehemaligen Elbinsel Krautsand alle Kriterien für ein Naturschutzgroßprojekt. Mit diesem Projekt soll ein wichtiger Beitragzur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Ästuaren (von Ebbe und Flut beeinflusste Flussmündungen) in Deutschland geleistet werden.

Hintergrund und Ziele

An der Tideelbe, im Elbeästuar, dort wo der Elbstrom ins Meer mündet, ändert die Tide zweimal täglich die Fließrichtung und den Wasserstand. Mit jeder Flut dringt Salzwasser in den Fluss ein. Süß- und Salzwasser mischen sich dann, eine Brackwasserzone entsteht. Der Einfluss der Tide ließ wertvolle Lebensräume in den Unterelbmarschen entstehen. Diese naturnahen Lebensräume sind eingebettet in eine einzigartige Kulturlandschaft. Krautsand ist geprägt von ausgedehnten Marschengrünländereien, ein „Land-Wasser-Mosaik“ aus Weiden und Wiesen, Prielen, Gräben und Ufersäumen (Bild 2). Diese haben nationale und internationale Bedeutung als Brut- und Rastgebiet für Vögel. Zehntausende Gänse, Brachvögel, Goldregenpfeifer und andere Zugvögel rasten und überwintern hier im Herbst, Winter und Frühjahr. Die ehemalige Insel wird durchzogen von Wasserläufen und ist eingerahmt von der Wischhafener Süderelbe und dem Ruthenstrom, zwei Nebenarmen der Tideelbe. Ihre Süßwasser-Watten mit Prielenund Flachwasserzonen, Süßwasser-Tideröhrichte und Tide-Auwälder sind heute selten geworden. Und der Schierlings-Wasserfenchel, ein Doldenblütler, gedeiht ohnehin nirgends sonst auf der Welt als im Süßwasserbereich des Elbästuars. Neunauge und Aal, Kiebitz, Bekassine und Uferschnepfe: An und auf Krautsandkommen 40 Arten vor, die bereits auf der deutschen und 111 Arten, die auf der Roten Liste Niedersachsens stehen (Bild 3). 52 vonihnen – etwa Rohrweihe und Wachtelkönig – sind europaweit geschützt. Dass sie alle hier leben können, ist Beweis für den hohen ökologischen Wert des Gebiets. Aus diesem Grund ist Krautsand Teil eines europäischen Vogelschutzgebiets und in Teilen geschützt als europäisches Schutzgebiet gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07 (Juli 2021)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Beatrice Claus
Daniel Ruppert

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