Dürre und die öffentliche Wasserversorgung in Baden-Württemberg: Folgen, Umgang und Wahrnehmung

In der jüngsten Vergangenheit gab es eine Vielzahl von Dürrefolgen. Auch die öffentliche Trinkwasserversorgung in Deutschland war betroffen. Im Zuge zweier Online-Umfragen beantworteten über 370 Wasserversorger in Baden-Württemberg Fragen zu den Folgen durch Dürre, den Umgang damit sowie die generelle Wahrnehmung von Dürre. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wasserversorgung bisher überwiegend gut aufgestellt war. Die Intensivierung hydrologischer Extreme drängt jedoch zum Erarbeiten lang- und kurzfristiger Maßnahmen für ein Dürremanagement.

Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit verdeutlichen das immanente Risiko Deutschlands gegenüber Dürre. Während sich eine Dürre von der meteorologischen- über die Bodenfeuchte- zur hydrologischen Dürre entwickelt, kann es zu einer Vielzahl von Folgen kommen. Diese entstehen in Abhängigkeit der Schwere der Naturgefahr sowie den sozioökonomischen und ökologischen Gegebenheiten. Insbesondere lang anhaltende Niederschlagsdefizite resultieren in Niedrigwasser, versiegenden Quellschüttungen oder geringen Grundwasserständen. Laut European Drought Impact report Inventory (EDII) wurden in Baden-Württemberg (BW) in jedem der Jahre 2015 bis 2019 beispielsweise von Folgen auf die Wasserkraftproduktion, die Binnenschifffahrt, die öffentliche Wasserversorgung und auf aquatische Ökosysteme berichtet. Insbesondere in den Höhenlagen des Schwarzwaldes kam es lokal und regional zu quantitativ- sowie qualitativ-bedingten Engpässen bei der Wasserversorgung.

Um die Resilienz der Wasserversorgung gegenüber Dürre auch zukünftig zu garantieren, sind Strategien und Handlungsempfehlungen nötig. Dem Bericht zur Risikoreduzierung der Vereinten Nationen folgend, bedarf es hierzu einer Bewertung vergangener Dürrefolgen sowie der Vulnerabilität gegenüber Dürre. Als zukünftiges Schlüsselproblem der Dürregefahr in BW wird insbesondere die Verschiebung der saisonalen Niederschläge sowie Zunahme und Intensivierung von Dürreereignissen und damit insgesamt auch eine Abnahme der Grundwasserneubildung erachtet. Klimaprognosen folgend, kann sich die derzeitige Abnahme der sommerlichen Sickerwasserraten enorm verschärfen.

Da die Versorgungssicherheit von Trinkwasser gewährleistet sein muss, wurde beispielsweise im südlichen Schwarzwald eine Vulnerabilitätsanalyse zur Trinkwasserversorgung angefertigt. Diese untersuchte insbesondere den klimabedingten Wandel des Wasserdargebots. Zur Vulnerabilitätsbewertung wurden v. a. die technischen Strukturen der Wasserversorgung untersucht. Studien zeigen aber auch, dass die direkte Befragung von Akteuren wesentlich dazu beitragen kann, Dürrefolgen besser zu verstehen. Daher ist es sinnvoll, die Sicht der Betroffenen mit in die Trockenheitsforschung einzubinden. Die vorliegende Arbeit untersucht mittels zweier landesweiter Umfragen die Betroffenheit durch Dürre in BW sowie den Umgang der öffentlichen Trinkwasserversorgung damit.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 11 (November 2020)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Veit Blauhut
Prof. Dr. Kerstin Stahl
Giuliana Falasca

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