Staudamm Roßhaupten - vom auffälligen Messwert zur Großbaustelle

Im Zuge der letzten Vertieften Überprüfung der Talsperre Roßhaupten konnte eine Messstelle identifiziert werden, deren Messwerte einer genaueren Überprüfung bedurften. Da der aufgezeichnete Verlauf ungewöhnlich war, galt es zunächst, die dort gemessenen Werte zu verifizieren. Letztlich zeigte sich, dass die ungewöhnlichen Messwerte durch erosionsbedingte, stark durchlässige Bereiche im Felsuntergrund hervorgerufen wurden. Die dort stattfindenden hydrodynamischen Bodendeformationen waren bereits so weit fortgeschritten, dass auch Bereiche des Dammkerns in Mitleidenschaft gezogen waren. Um ein weiteres Fortschreiten der Erosion zu vermeiden, wurde eine sofortige Sanierung eingeleitet.


1 Allgemeines

Der seit 1954 in Betrieb befindliche Staudamm Roßhaupten wurde zwischen April 2018 und April 2019 mit einer neuen Dichtung ertüchtigt. Das 41 m hohe Absperrbauwerk war ursprünglich mit einer natürlichen Lehmkerndichtung errichtet worden, die in Richtung Wasserseite horizontal verlängert und an eine etwa 20 m tiefe Stahlbeton-Dichtungsschürze angeschlossen wurde. Im Rahmen der Überprüfung der hydraulischen Sicherheit des Absperrbauwerks während der letzten Vertieften Überprüfung der Talsperre traten erste Verdachtsmomente auf, die abweichende Verhältnisse im Bereich des rechten Widerlagers vermuten ließen. Auslöser hierfür waren die Messwerte der Piezometermessstelle 1-1-W im Messquerschnitt (MQ) 1 (Bild 1), die die Druckverhältnisse im Gründungsfels auf der rechten Seite anzeigt. In der Folge konnte durch mehrmalige Verdichtung des hydrometrischen Messnetzes, In-Situ-Versuche und letztlich einer geohydraulischen FE-Modellierung eine Hypothese aufgestellt werden, durch die das Verhalten der Messstelle erklärbar wurde. Auf dieser Basis wurden kurzfristig entsprechende Sanierungsmaßnahmen ergriffen.

2 Erste Verdachtsmomente

Das Bauwerksmonitoring in Roßhaupten bestand ursprünglich aus der Messung von Porenwasserdrücken im Kern, Standrohr- und Piezometermessstellen wasser- und luftseitig des Kerns und im Dammvorland sowie aus der Messung der Sickerwasserabflüsse luftseitig des Kerns. Durch den Einstau der flussabwärts liegenden Lechstaustufe 2 (Prem) wurde der luftseitige Dammfuß in Roßhaupten und die dort verlegten Drainagen um über 1 m eingestaut und die Sickerwassermessung als kontinuierliches Messinstrument unbrauchbar. Zudem wurden die luftseitigen Grundwassermessstellen durch diesen Einstau ebenfalls beeinträchtigt. Im Rahmen jährlicher Sondermessungen, ermöglicht durch den Abstau der Stufe 2, wurde die Sickerwassermenge weiterhin überprüft und zur Bewertung langfristiger Veränderungen herangezogen. Als eine Konsequenz aus der Vertieften Überprüfung der Talsperre im Jahr 2003 wurden zur Überwachung des Dammkerns zuletzt drei neue Messquerschnitte (MQ) geschaffen, die aus je sieben Porenwasserdruckgebern bestanden (Bilder 1 und 2).

Zusätzlich wurde je eine Piezometermessstelle (1-1-W, 2-1-W und 3-1-W) im Fels unter der Gründungsebene, bestehend aus einem Standrohr mit 1 m langer Filterstrecke und eingebauter Drucksonde, hergestellt (Bild 2).

Zusammen mit den am luftseitigen Dammfuß und im Vorland des Dammes noch aktiven Standrohrmessstellen, die allerdings allesamt im Überlagerungsboden verfiltert sind, wurde der Damm seither überwacht.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 09 (September 2020)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Andreas Bauer
Prof. Dr.-Ing. Theodor Strobl

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