Karstische Quellen aus den Kalksteingebirgen sind besonders ausgeprägt in südlichen Flussbecken der Türkei von Dalaman bis zum Euphrat-Tigris-Gebiet. Mehr als ein Fünftel (35 Mrd. m3/a) des Gesamtabflusses der türkischen Gewässer kommt aus karstischen Quellen. Hydrologische Analysen
zeigen, dass der karstische Untergrund einen positiven Effekt hinsichtlich der Abflussregulierung für Trockenperioden hat, ebenso für Hochwasserdämpfung. Gleichzeitig weißt er manche Problematik auf, z. B. bezüglich der Abdichtung von Stauanlagen.
1 Gebiete mit karstischen Quellen in der Türkei
Karstische Quellen, die aus durch Wasser gelösten Hohlräumen des Kalksteingebirges herausfließen, sind fast überall in der Türkei anzutreffen, aber sie sind besonders ausgeprägt in den Flussbecken im Süden der Türkei, von Dalaman bis zum Euphrat-Tigris-Gebiet (Bild 1) [1], [2], [3]. Mehr als ein Fünftel des Gesamtabflusses der türkischen Flussläufe kommt aus karstischen Quellen [4]. Die Dumanlı-Quelle am Manavgat- Fluss mit einer Schüttung von durchschnittlich 50 m3/s (zwischen 25 und 100 m3/s) war die ausgiebigste karstische Quelle (Bild 2) (überflutet seit 1984 im Stausee der Bogenstaumauer Oymapınar) [3], [5].
Das Staatliche Wasserbauamt (D. S. I.), die Hacettepe-Universität sowie die Mittelost Technische Universität (O. D. T. Ü.) leisteten seit den 1970er-Jahren Pionierarbeit bezüglich der Karsthydrogeologie in der Türkei [1].
Die zwei ersten Autoren dieses Aufsatzes fingen ab Ende der sechziger Jahren an, sich im Rahmen des Wasserversorgungsprojekts von İzmir mit Karsthydrologie zu beschäftigten. Sie führten ihre Untersuchungen über die verschiedenen Wasserläufe der Türkei in den nächsten vier Jahrzehnten weiter, zunächst bis 1982 an der Ege-Universität, dann an der Dokuz- Eylül-Universität. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind in diesem Beitrag zusammenfassend dargestellt.
2 Bestimmung des Karstwasserbeitrags mittels Abflussmodulierung
Die Karstquellen erscheinen oft über dem Niveau des eigentlichen Flusswasserspiegels und durchsickern selten direkt durch den Boden ins Flussbett. Es ist jedoch nicht leicht oder gar unmöglich die karstischen Beiträge direkt zu messen.
Die Existenz des Karstwassers ist aber mengenmäßig selbst als „Tracer" zu betrachten, zumal der Vergleich der Einheitsabflussmengen (Abflussmodul) in l/s/km2 Aufschluss über die Größenordnung des eventuellen Karstwasserbeitrags gibt. Diese Berechnungsweise wurde oft im Zusammenhang mit der Ermittlung des Wasser- und Wasserkraftpotenzials durchgeführt [2], [3], [4].
Der Anteil des Karstwassers beträgt etwa 2/3 an der Pegelstelle Örenköy bei Eşençay (mit etwa 24 l/s/km2) (Bild 3), etwa 4/5 an der Pegelstelle Beşkonak bei Köprüçay (mit etwa 44 l/s/km2) (Bild 4), etwa 85 % an der Pegelstelle Homa bei Manavgat (mit etwa 160 l/s/km2), etwa 30 % an der Pegelstelle Görmel bei Göksu (mit etwa 22 l/s/km2), etwa 3/4 an der Pegelstelle Karageçit bei Kadıncık (mit etwa 60 l/s/km2), etwa 3/5 an der Pegelstelle Ergenuşağı bei Zamanti im Seyhan-Becken (mit etwa 24 l/s/km2), etwa 35 % an der Pegelstelle Berke bei Ceyhan (mit etwa 11 l/s/km2), etwa 1/4 an der Pegelstelle Palu bei Murat im Euphrat-Becken (mit etwa 10 l/s/km2), etwa 3/5 an der Pegelstelle Kahta bei Kahta im Euphrat-Becken (mit etwa 22 l/s/km2), etwa 55 % an der Pegelstelle Hüseyinkan bei Batman im Tigris-Becken (mit etwa 30 l/s/km2) sowie etwa 1/3 an der Pegelstelle Billoris bei Botan im Tigris-Becken (mit etwa 18 l/s/km2).
| Copyright: | © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH | |
| Quelle: | Wasserwirtschaft - Heft 01 (Januar 2020) | |
| Seiten: | 6 | |
| Preis inkl. MwSt.: | € 10,90 | |
| Autor: | Professor Ünal Özis Professor Ertrugrul Benzeden Asst. Prof. Dr. Ahmet Alkan | |
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