Die Gegenstromwanderung stellt einen wichtigen Bestandteil im Lebenszyklus von Wasserwirbellosen dar, der im Wesentlichen der Verbreitung und dem Ausgleich der Drift dient. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Aufwanderung unterschiedlicher Arten bei verschieden hohen Strömungsgeschwindigkeiten in einem Gewässer der Jungmoränenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns zu untersuchen. Dadurch sollten Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit von Arten in Fischaufstiegsanlagen gezogen werden.
Wirbellose Organismen sind für die Struktur und Funktion der Lebensgemeinschaften in aquatischen Systemen von großer Bedeutung, da sie in allen Konsumentenebenen des Nahrungsnetzes den Stoff- und Energiefluss bedienen [1]. Damit übernehmen sie vielfältige Funktionen auf mehreren trophischen Ebenen [2] und tragen zur Stabilisierung des Ökosystems bei [3]. Bei Fehlen von funktionell entsprechenden Wirbellosen kann es beispielsweise durch abgestorbenes Material zu sauerstoffzehrenden, mikrobiellen Abbauprozessen und einer Überproduktion von lebenden Pflanzen kommen. Das bedingt häufig eine Verschlechterung der aquatischen Habitatbedingungen.
Wasserwirbellose führen diverse Migrationen im Gewässer durch (flussauf- und abwärtsgerichtet, lateral, vertikal). Sie unternehmen aktiv eine aufwärtsgerichtete Wanderung im Gewässer, um die Abdrift mit der fließenden Welle zu kompensieren. Diese Drift würde ansonsten in dynamischen Gewässern eine Ausdünnung der Lebensgemeinschaft zur Folge haben. Unter Umständen kann die Verdriftung aber auch mehrere Kilometer betragen (Katastrophendrift) und muss über große Distanzen hinweg kompensiert werden. Weiterhin erreichen die aquatischen Wirbellosen über eine aktive Migration neue Habitate zur Nahrungssuche und Fortpflanzung.
Im Gegensatz zu den Fischen können Makroinvertebraten meist nur kurze Distanzen pro Zeiteinheit zurücklegen (wenige Meter am Tag, [4], [5]). Dafür ist die Struktur und Zugänglichkeit entsprechender Habitate innerhalb ihrer Wanderstrecken sehr bedeutsam. Somit sind durchgängige Gewässer eine Grundvoraussetzung zur Durchwanderbarkeit für wirbellose Organismen. Große Abschnitte mit ungeeigneten Substraten oder zu hohen Strömungsgeschwindigkeiten können daher schlechter besiedelt oder überwunden werden. Die Frage nach den Wanderungsleistungen von Wasserwirbellosen wird immer stärker im Zusammenhang mit ökologischen Fließgewässersanierungen und der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie [6] diskutiert. Im Gegensatz zu den Fischen werden Wirbellose allerdings seltener mit dem Problemkreis der Durchwanderbarkeit in Zusammenhang gebracht, müssen aber schon allein aufgrund ihrer Funktion als wichtige Nahrungsgrundlage der Fische als ebenso wichtig erachtet werden. Hughes [7] stellte fest, dass die vorherrschende Strömungsgeschwindigkeit die Gegenstromwanderung der Arten deutlich beeinflusst. Bei geringen Strömungsgeschwindigkeiten wanderte ein erheblicher Anteil an Individuen über größere Distanzen auf und migrierte aktiv im Gewässer. Der Autor beschrieb des Weiteren, dass sich beispielsweise 20-25 % der Gammariden auf dem Substrat bewegten. Nur wenige Tiere wanderten schwimmend, ein Großteil bewegte sich kriechend fort. Colling [8] beschrieb für einige Arten Toleranzbereiche hinsichtlich der überwindbaren Strömungsgeschwindigkeiten sowie artspezifischen Wanderungsleistungen. Rawer-Jost et al. [9] untersuchten die Gegenstromwanderung von Gammariden und konnten eine Migration von Individuen sowohl bei niedrigen als auch bei höheren Strömungsgeschwindigkeiten nachweisen. Im Jahre 1998 wurde im Rahmen des BMBF-Vorhabens „Grundlagen für Gestaltung nachhaltig wirksamer Fischaufstiegsanlagen" analysiert, welche Wanderungsstrecken unterschiedliche Arten des Makrozoobenthos pro Zeiteinheit zurücklegen können [5]. Die Autoren stellten unter anderem beträchtliche Wanderungsleistungen einzelner Arten fest. So erbrachten Taxa, wie Isoperla grammatica und Aphelocheirus aestivalis, Wanderungsleistungen von bis zu einem Meter je Tag.
| Copyright: | © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH | |
| Quelle: | Wasserwirtschaft - Heft 02/03 (März 2020) | |
| Seiten: | 5 | |
| Preis inkl. MwSt.: | € 10,90 | |
| Autor: | Carolin Judeck Dr. Volker Thiele Dr. Claudia Hellmann Simone Eisenbarth | |
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