SwissPhosphor – Perspektiven zur Phosphorrückgewinnung in der Schweiz

Die Schweiz hat 2016 die Pflicht zur Phosphorrückgewinnung aus Abwasser, Klärschlamm, Klärschlammasche sowie Tier- und Knochenmehl ab 2026 eingeführt, um den Phosphorkreislauf in der Schweiz zu schließen. Wo steht die Schweiz heute mit der Umsetzung?

Phosphor (P) ist für alle Organismen ein essenzielles und nicht substituierbares Hauptnährelement. Obwohl inzwischen alarmierende Studien einer baldigen Phosphorknappheit und Gefährdung der globalen Nahrungsmittelversorgung relativiert und neue mineralische Phosphatreserven entdeckt wurden, stellen sich insbesondere für Länder ohne eigene Phosphatreserven Fragen der geopolitischen Phosphorknappheit sowie der effizienten und nachhaltigen Nutzung von Phosphor.

Die Schweiz kann ihren Phosphorbedarf, insbesondere den Bedarf an Phosphordünger, nur mittels Importen aus dem Ausland decken. Es gibt keine primären Phosphorvorkommen in der Schweiz und die direkte Ausbringung des phosphorhaltigen Klärschlamms in die Landwirtschaft ist seit 2006 verboten. Die Phosphorimporte betragen jedes Jahr netto knapp 15.000 t Phosphor, insbesondere als Mineraldünger (4.200 t) sowie in Tierfutter (6.200 t) und Lebensmitteln (2.600 t) [1].

Die Schweiz verfügt heute über ein gut funktionierendes Entsorgungssystem mit öffentlichen und privaten Akteuren, was auch zu hohen Recyclingquoten führt. Viele wichtige Stoffkreisläufe sind weitgehend geschlossen, und die Umweltbelastungen konnten gesamthaft vermindert werden. Dennoch ist die Schweiz noch weit entfernt von einer nachhaltigen Rohstoffnutzung. Die Herausforderung besteht darin, nicht nur Entsorgungs- und Verwertungstechnologien zu optimieren, sondern die umfassende Wertschöpfungskette – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion, den Konsum und die Entsorgung von Abfällen inkl. dem Recycling – so umzugestalten, dass gesamthaft weniger Rohstoffe verbraucht werden, weniger Abfälle anfallen und die Umweltbelastungen des Rohstoffverbrauchs weiter vermindert werden.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 04 (April 2020)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. sc.nat. ETHZ Kaarina Schenk

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