Beschichtungspartikel- und Polymer-einträge aus Unterwasserbeschichtungen von Schiffen und Booten

Einträge von Polymeren aus unterschiedlichen Quellen stehen hinsichtlich ihrer quantitativen, qualitativen und toxischen Relevanz im Zentrum wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine differenzierte Einschätzung der Quantität und Qualität der Polymereinträge aus Unterwasserbeschichtungen wird gegeben.

Bisher vorliegende Publikationen zu Einträgen von polymeren Verbindungen in Gewässer durch Schiffe und Boote sind teilweise widersprüchlich. Auch polymere Verbindungen werden ausnahmslos unter Mikroplastik subsumiert, obwohl dieses nicht immer zutrifft. Sowohl hinsichtlich der Mengen der polymeren Verbindungen sowie der Eintragspfade existieren erheblich voneinander abweichende Angaben in der wissenschaftlichen Literatur [1, 2, 3]. Häufig wird auch nicht zwischen Einträgen aus Aufbauten und Unterwasserbeschichtungen unterschieden.

Im Folgenden wird die Problematik genau betrachtet, eingeschränkt auf Unterwasserbeschichtungen. Da diese im direkten Kontakt mit dem Wasser stehen und in Gewässernähe appliziert oder entschichtet werden, ist es von besonderem Interesse, diese Einträge eindeutiger zu klassifizieren.

In der Untersuchung von Einträgen aus Unterwasserbeschichtungen im limnischen und marinen Bereich standen bis vor einigen Jahren die Biozide (z. B. TBT, Kupfer und Kobiozide) im Vordergrund, die aus den Antifouling-Beschichtungen bestimmungsgemäß ausdiffundieren oder unkontrolliert in die Umwelt entlassen werden. Die Einträge durch polymere Bestandteile von Unterwasserbeschichtungen dagegen wurden bisher nur unzureichend untersucht.

Bei der bisherigen Betrachtung wurde weitgehend außer Acht gelassen, dass alle derartigen Beschichtungen auf polymeren Bindemitteln und weiteren polymeren Zusätzen basieren. Die Fokussierung auf die Biozide entstand durch die Wirkungsweise solcher Unterwasserbeschichtungen, die sich bestimmungsgemäß auflösen und dadurch ihre den Bewuchs verhindernden Biozide an das Wasser abgeben. Diese intendierte Ablösung der gesamten Antifouling-Beschichtung mit sämtlichen darin enthaltenen Komponenten geschieht im Gegensatz zu anderen Beschichtungstypen während des regulären Einsatzes des Schiffes oder Bootes. Daher sind Antifouling-Beschichtungen in dieser Hinsicht untypisch, was in vielen Publikationen ignoriert wird [4]. Antifouling-Beschichtungen sind unter diesem Eintragsaspekt daher nicht unmittelbar mit anderen Beschichtungen in der maritimen Industrie wie den sehr beständigen Korrosionsschutzbeschichtungen vergleichbar. Bisher liegen kaum Untersuchungen zum Verbleib der eingesetzten polymeren Bindemittel oder polymeren Additive wie z. B. Bisphenol A, Poly-ethylen-glykole oder Phthalaten in der aquatischen Umwelt vor [5, 6]. So ist noch relativ wenig untersucht, ob Polymere, Oligomere oder Monomere bei der Auflösung der Beschichtung in das Wasser entlassen werden und welche Größen die Polymere oder Farbpartikel besitzen [7].

Im Folgenden wird soweit möglich ein Überblick über den weltweiten Einsatz von Unterwasserbeschichtungen von Schiffen und Booten sowie über die damit verbundene Belastung von Gewässern und Sedimenten gegeben. Darüber hinaus werden mögliche Alternativen zur Verbesserung der Belastungssituation und im Hinblick auf die Thematik offene Fragestellungen angeführt.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 03 (März 2020)
Seiten: 7
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Burkard Watermann
Dr. Marc Herlyn

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