Defizite vor und nach ökologischen Sanierungen von Fließgewässern durch Ökologische Profile erkennen

Im Zuge der Umsetzung der WRRL werden oft komplexe Sanierungen in und an Fließgewässern notwendig. Um zielgerichtete und defizitorientierte Maßnahmen identifizieren zu können, ist ein tiefes Verständnis ökologischer Zusammenhänge notwendig. Zur Vereinfachung der konkreten Maßnahmenplanung wurde mit den ökologischen Gildenprofilen ein Tool entwickelt, das typspezifische Defizite identifiziert und darauf ausgerichtete Maßnahmen ausgibt.

Fließgewässer sind sehr komplexe Ökosysteme und weisen in der Jungmoränenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns eine hohe Typenvielfalt auf. Diese reicht von langsam fließenden und zumeist torfgeprägten Gewässern bis hin zu gefällereichen und kiesgeprägten Flüssen der Moränenbildungen [1]. In der Vergangenheit wurden die Gewässer vielfältigen Nutzungen unterzogen, die häufig multiple ökologische Degradationen verursacht haben. Dies führte dazu, dass häufig auch nach durchgeführten Sanierungsmaßnahmen noch nicht der gute ökologische Zustand von Wasserkörpern nach EG-Wasserrahmenrichtlinie [2] erreicht wurde. Die Identifikation der sich vielfach überlagernden Defizite ist eine Herausforderung für Umweltbehörden und Planer. Es braucht ein Verfahren, das die Degradationen in Abhängigkeit vom Fließgewässertyp analytisch aufdeckt und Rückschlüsse auf zielführende Maßnahmen gestattet. Die ökologischen Gildenprofile bieten eine solche Möglichkeit.

Der Begriff „ökologische Gilde" geht auf Root [3] zurück. Er kennzeichnet eine Gruppe von Arten, die in einem Lebensraum dieselbe Klasse von Umweltressourcen in ähnlicher Weise nutzt. In einer Gilde werden Arten zusammengefasst, die eine Nischendifferenzierung in verschiedenen zeitlichen Dimensionen oder Kompartimenten aufweisen. So können sie beispielsweise in der gleichen Dimension unterschiedliche Kompartimente der Nische besetzen [4].

Ökologische Gilden orientieren sich an einer Grobdifferenzierung der relevantesten, standörtlichen Verhältnisse des jeweiligen typspezifischen Gewässerlebensraumes. Vertreter einer ökologischen Gilde haben ähnliche Habitatansprüche und spiegeln damit bestimmte Faktorenkombinationen wider. So werden Biotoptypen, Vegetationselemente und abiotische Faktoren zur Einteilung genutzt. Dazu muss angemerkt werden, dass in Auswertung der Literatur eine Art nur selten einer ökologischen Gilde allein zugeordnet werden kann. Mehrfachnennungen sind die Regel [5, 6, 7, 8].

Die ökologischen Gildenprofile sind ein Instrument, das es erlaubt, u. a. auf die Qualität von Habitatstrukturen anhand der autökologischen Ansprüche nachgewiesener Arten zu schlussfolgern. Dazu werden die erfassten Arten in sogenannte ökologische Gilden eingeordnet. Letztlich müssen die prozentualen Anteile jeder Gilde am Gesamt-Arteninventar einer Probestelle mit denen eines typgleichen Referenzprofils (naturnahe Abschnitte) verglichen werden. Abweichungen sind ein Indiz für Degradationen. So ist es möglich, auf Basis der Stärke der Abweichungen zwischen Ist-Zustandsbewertung und Referenz auf die konkreten Defizite und notwendige wasserbauliche Maßnahmen zu schließen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 01/02 (Februar 2020)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Volker Thiele
Daniela Kempke
Dr. rer. nat. Ricarda Börner
André Steinhäuser
Franziska Neumann

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