Die Erfassung des Niederschlagsgeschehens ist von zentraler Bedeutung für Hydrologie und wasserwirtschaftliche Aufgaben. Regenschreiber erfassen den Niederschlag direkt, mit hoher Genauigkeit und kontinuierlich, die Repräsentativität der Punktmessungen ist jedoch räumlich begrenzt. Demgegenüber bietet die Niederschlagsmessung mittels Radar den Vorteil, das Regengeschehen weiträumig flächenhaft erfassen zu können. Der vorliegende Beitrag beschreibt die Erfahrungen aus der langjährigen Nutzungshistorie von Radarniederschlagsdaten bei Emschergenossenschaft und Lippeverband und stellt deren Anwendungsmöglichkeiten sowie Nutzungsvoraussetzung aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor.
Die Historie der Radardatennutzung bei Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) beginnt bereits im Jahr 1994 im Rahmen des F&E-Projektes „Abflusssteuerung unter Verwendung radargemessener Niederschläge" mit dem Ziel der Untersuchung der Nutzungsmöglichkeiten von Radarniederschlagsdaten für die Steuerung von siedlungswasserwirtschaftlichen Anlagen. Hierzu wurde ein eigenes X-Band-Radar errichtet. Nach Abschluss des Projektes wurde das Radargerät von EGLV weiterbetrieben und für vertiefende Untersuchungen genutzt. So konnten eine für das EGLV-Gebiet geeignete Z-R-Beziehung identifiziert und Analysen zum Einfluss der Dämpfung auf das Radarsignal durchgeführt werden.
Mit dem Einsatz von Radardaten in der operationellen Hochwasservorhersage seit 2008 stiegen die Anforderungen an die räumliche Verfügbarkeit und die Datenübertragung. Es wurde deutlich, dass der technisch bedingte eingeschränkte Sichtkreis des X-Band-Radars sowie der hohe Aufwand für Betrieb und Wartung eine Neuausrichtung der Radardatenerfassung bei EGLV notwendig machten. Da die Qualität und Verfügbarkeit der Radardaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) seit dem Jahr 2001 deutlich verbessert wurde und die räumliche und zeitliche Auflösung der C-Band-Radardaten für eine Kopplung mit den hydrologischen Gebietsmodellen bei EGLV optimal geeignet erschienen, wurde im Jahr 2008 gemeinsam mit neun weiteren Wasserverbänden die Radarkooperationsvereinbarung der Wasserverbände NRW mit dem DWD unterzeichnet, die einen gegenseitigen Datenaustausch regelt [1]. Mittlerweile umfasst die Radarkooperation elf Wasserverbände, die dem DWD einmal stündlich zeitlich hochaufgelöste Niederschlagsdaten von insgesamt 69 Ombrometern zur Online-Aneichung von Radardaten (RADOLAN) bereitstellen [2]. Zusätzlich gehen Stationen des DWD sowie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW) in die Aneichung ein, so dass eine repräsentative Überdeckung der Landesfläche mit Aneichstationen erreicht wird.
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| Quelle: | Wasserwirtschaft - Heft 07 und 08 (August 2019) | |
| Seiten: | 4 | |
| Preis inkl. MwSt.: | € 10,90 | |
| Autor: | Adrian Treis Dipl.-Geogr. Angela Pfister | |
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