Speichersystem der Pleiße im Südraum Leipzig

Mit dem Braunkohleabbau im Südraum Leipzig gingen Flussbegradigungen und Retentionsraumverluste einher. Deshalb wurde ein komplexes Speichersystem angelegt, um die Ortschaften entlang der Gewässer bis zur Großstadt Leipzig vor Hochwasser zu schützen. Das Speichersystem der Unteren Pleiße besteht heute aus sieben Stauanlagen mit insgesamt ca. 70 Mio. m³ gewöhnlichem Hochwasserrückhalteraum. Die Anlagen dienen vorrangig dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung und der Brauchwasserversorgung.

1 Entstehungsgeschichte
Die Pleiße entspringt bei Zwickau in Sachsen, durchfließt sächsisches sowie thüringisches Gebiet und mündet nach etwa 90 km Lauflänge im Leipziger Gewässerknoten in die Weiße Elster. Als Untere Pleiße wird der Abschnitt zwischen Altenburg und Leipzig bezeichnet. Das Speichersystem der Unteren Pleiße liegt im Mitteldeutschen Braunkohlerevier. Mit Ende des 18. Jahrhunderts nahm die Bedeutung des Braunkohlebergbaus und der braunkohleverarbeitenden Industrie rasant zu. Für die Anlage von Großtagebauen und Brikettfabriken wurden große Flächen benötigt, mit der wachsenden Karbochemie stieg auch der Brauchwasserbedarf an. Bedingt durch den Braunkohleabbau im Südraum Leipzig, aber auch aufgrund von Flächenbedarf für Gewerbe­, Siedlungs­- und Verkehrserschließung, wurden ab den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts erhebliche ehemalige Retentionsräume der Fluss auen von Pleiße, Eula und Wyhra beseitigt. Die Flüsse wurden teilweise mehrfach verlegt, begradigt und zum Schutz der Tagebaue eingedeicht. So wurde beispielsweise die Wyhra zugunsten des Braunkohletagebaus aus dem Witznitzer Kohlefeld heraus verlegt und in ein künstlich geschaffenes Flussbett gelenkt. Die Flussverlegungen führten zu einer Verschärfung der Hochwassergefährdung aller Ortschaften entlang der Gewässer bis hin zur Großstadt Leipzig. Die Funktion von angelegten Stauanlagen war zunächst vordergründig auf die Anforderungen von Braunkohlegewinnung und Karbochemie ausgerichtet. So dienten der Stausee Rötha (errichtet 1938–1940) und die Talsperre Windischleuba (1951–1953) anfangs vorrangig der Brauchversorgung. Spätestens mit dem verheerenden Hochwasser im Sommer 1954 wurde deutlich, dass die verloren gegangenen natürlichen Retentionsräume fehlten. Entlang der unteren Pleiße und ihrer Nebenflüsse wurde ein System von künstlichen Rückhalteräumen für den Hochwasserschutz errichtet. Angelegt wurden das Speicherbecken (SB) Lobstädt (1949–1952), das SB Witznitz (1950–1954), das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Regis­Serbitz (1958–1960), das SB Borna (1967–1980), die Talsperre (TS) Schömbach (1967–1972) und das HRB Stöhna (1972–1977). Die Stauanlagen wurden teilweise aus den ehemaligen Tagebauen errichtet. Die durch den Braunkohletagebau
hergestellten Hohlformen wurden durch große Staudämme, durch Wehranlagen und Zuleiter ergänzt.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 04 - 2019 (Mai 2019)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Ing. Axel Bobbe
Dipl.-Ing. Henriette Salewski

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