Quotenzauber beim Recycling: Deutschland ist von den Vorgaben der EU noch meilenweit entfernt

Das EU Parlament hat im April 2018 dem Abfallwirtschaftspaket zugestimmt. Für die Recyclingquoten werden für die Jahre 2025 erst 55 Prozent, 2030 dann 60 Prozent und 2035 letztlich 65 Prozent festgelegt und die Berechnungsmethode modifiziert. Doch wo steht Deutschland auf Basis der neuesten verfügbaren Zahlen von 2015 wirklich? Eine neue Berechnungsmethode ist desillusionierend.

Foto: M. Boeckh (21.06.2018) Deutschland hat mit der Einführung der flächendeckenden Bioabfallsammlung, der Gewerbeabfallverordnung und dem Verpackungsgesetz Maßnahmen zur Steigerung des Recyclings auf den Weg gebracht. Angesichts einer neuen Berechnungsmethode werden trotz Steigerung des Recyclings vermutlich die Vorgaben für 2030 knapp unterschritten, von den Zielen für 2035 ist Deutschland noch meilenweit entfernt. Die Autoren haben eine Output-basierte Abschätzung und zusätzlich die neue Berechnungsmethode des Kreislaufwirtschaftspaketes für die Recyclingquote angewendet und kommen zu diesem desillusionierenden Ergebnis. Im Jahr 2015 werden nicht 67 Prozent, wie die offizielle Statistik erklärt, sondern Output- basiert nur 36 bis 40 Prozent tatsächlich recycelt, also als Sekundärwertstoff der Wirtschaft oder Landwirtschaft wieder zugeführt. Nach der neuen EU-Berechnungsmethode sind es rund 47 bis 52 Prozent.
Seit Jahren üben die Autoren Kritik, dass auf Recyclingquoten für Massenabfälle wie PPK (Papier, Pappe, Karton), Glas, etc. abgehoben wird, statt den zentralen Blick auf strategische Metalle, Seltene Erden u.a. zu richten. Insgesamt legen Deutschland und die EU zu viel Augenmerk auf die Stufe 3 der Abfallhierarchie (Recycling) und vernachlässigen die Stufen 1 und 2 (Vermeidung und Vorbereitung zur Wiederverwendung). Mit einer deklarierten Recyclingquote von 67 Gewichtsprozent der gesamten Siedlungsabfallmengen im Jahr 2015 werden die EU-Vorgaben der Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EC deutlich übertroffen. Sie sehen eine Recyclingquote von 50 Gewichtsprozent vor, und zwar für mindestens Papier, Metall, Kunststoff und Glas aus Haushalten und gegebenenfalls aus anderen Quellen, soweit die betreffenden Abfallströme Haushaltsabfällen ähnlich sind. Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz für 2020 angestrebte Recyclingquote von 65 Prozent der Siedlungsabfallmengen wurde bereits ebenfalls überschritten...

Unternehmen, Behörden + Verbände: TOMM+C, Management & Consulting (Berlin)
Autorenhinweis: Dipl.-Ing. Thomas Obermeier u. Dipl.-Ing. Sylvia Lehmann, TOMM+C Management und Consulting, Berlin
Foto: M. Boeckh



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 3 - Juni 2018 (Juni 2018)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 5,75
Autor: Dipl.-Ing. Thomas Obermeier
Sylvia Lehmann

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Stand und Potenziale der Biogutverwertung in Deutschland
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (11/2019)
Die Bioabfallerfassung ist eine Erfolgsgeschichte, steht aber noch vor vielen Herausforderungen. Neben der Qualität (die nicht Gegenstand dieser Betrachtung war) steht vor allem die umfängliche Erfassung von nativer küchenstämmiger Organik im Vordergrund. Die Erfassungs- und Verwertungsleistung dieser Abfallfraktion ist vollkommen unbefriedigend und die Potenziale sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Bioökonomie in Deutschland – Stand, Perspektiven und Auswirkungen auf die Abfallwirtschaft
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2019)
Eine zentrale globale Zukunftsaufgabe ist die Sicherstellung einer nachhaltigen, das heißt ökonomisch, ökologisch und sozial tragfähigen Versorgung mit Rohstoffen und Energie. Bis 2050 soll die Energieversorgung in Deutschland weitestgehend über Erneuerbare Energien sichergestellt werden und dabei wird die Bioenergie eine wesentliche Rolle spielen. Die Versorgung der Wirtschaft mit organischen Ressourcen muss in diesem Jahrhundert weitgehend von fossilen Rohstoffen auf Biomasse umgestellt werden. In beiden Bereichen kann und muss die Abfallwirtschaft einen wesentlichen Beitrag leisten. Der Aufbau einer biobasierten Wirtschaft (Bioökonomie) wird eine Vielzahl neuer biobasierter Produkte mit sich bringen. Die Herausforderungen können nur durch die Implementierung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft gemeistert werden.

Im Sog des Magneten: Hochleistungs-Wirbelstromabscheider bringen Fortschritte bei der NE-Abscheidung
© Deutscher Fachverlag (DFV) (11/2018)
Wertvolle Nichteisenmetalle aus Abfallstoffströmen geraten mehr und mehr in den Blick der Recyclingbranche. Eine Vielzahl von Technologien ist im Einsatz. Doch bei der Rückgewinnung von Nichteisenmetallen und Edelmetallen in kleinen Kornspektren ist noch Luft nach oben. Das gilt sowohl für die Aufbereitung von Hausmüllverbrennungsschlacken als auch von anspruchsvollen Kleinstfraktionen aus dem Elektronikschrott. Es gibt noch viel zu tun.

Von der Tonne auf den Acker: Immer neue Eintragswege für Mikroplastik in die Umwelt werden entdeckt
© Deutscher Fachverlag (DFV) (10/2018)
Mikroplastik ist ein viel diskutiertes Problem, mit dem sich die Wissenschaft schon seit Jahren auseinandersetzt, vor allem im Kontext der Gewässerverschmutzung. Die per Definition kleiner als fünf Millimeter großen Plastikpartikel werden unter anderem für bestimmte Anwendungen wie Kosmetika hergestellt. Der Großteil entsteht jedoch überwiegend in der Umwelt durch den Zerfall größerer Kunststoffteile und ist weltweit in den Meeren sowie in Süßgewässern zu finden. Forscher der Universität Bayreuth untersuchten erstmals einen Eintragspfad in terrestrische Systeme, der die Aufmerksamkeit der Entsorgungsbranche auf sich zieht.

Effizienter Abtransport dank Kompression: Materialverdichtung liefert Beitrag zum Ressourcenschutz
© Deutscher Fachverlag (DFV) (10/2018)
Im Jahr 2017 erhielt die Ludden & Mennekes Entsorgungssysteme GmbH den Auftrag für den Bau einer Umladestation für Haus- und Sperrmüll in Bedburg-Hau.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Der ASK Wissenspool
 
Mit Klick auf die jüngste Ausgabe des Content -Partners zeigt sich das gesamte Angebot des Partners
 

Selbst Partner werden?
 
Dann interessiert Sie sicher das ASK win - win Prinzip:
 
ASK stellt kostenlos die Abwicklungs- und Marketingplattform - die Partner stellen den Content.
 
Umsätze werden im Verhältnis 30 zu 70 (70% für den Content Partner) geteilt.
 

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...