Eine stochastische Kanalzustandsprognose für eine Kanalisation nach homogener Markov-Kette wird vorgestellt. Die Ergebnisse der Prognose zeigen, dass die untersuchten Leitungen ca. 33 Jahre ohne Sanierungsmaßnahmen betrieben werden und eine Lebensdauer von 70 – 75 Jahren erreichen können.
Die zivile Infrastruktur besteht aus Straßen, Autobahnen, Brücken, Abwasser- und Wassersystemen und hat einen entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftlich-soziale Entwicklung von Städten und Gemeinden. Die Abwasserkanalnetze mit ihren diversen Bestandsteilen sind unter den infrastrukturellen Anlagen am teuersten und schwierigsten zu renovieren. Jede infrastrukturelle Komponente unterliegt einem Alterungsprozess, der durch Reduzierung des Anlagenrestwertes andauernd begleitet wird. Die Anlagenalterung ist mit solchen Problemen wie Beeinträchtigung oder Verlust der Funktions- und Standsicherheit sowie Dichtheit gebunden. Unbehandelte Rohrbrüche und starke Scherbenbildungen können unter bestimmten Bedingungen zu Baukatastrophen mit gefährlichen Auswirkungen für die Menschen und Umwelt führen. Undichte Abwasserkanäle verursachen Grundwasser- und Bodenverunreinigungen, die rechtliche Konsequenzen haben. Unter Berücksichtigung der technisch-betrieblichen Aspekte müssen die Abwassernetze rechtzeitig renoviert werden, um diese destruktiven Alterungsprozesse zu verlangsamen oder für gewisse Zeiträume zu stoppen. Nachdem die Renovierungsmaßnahmen hohe Kosten hervorrufen und die Kanalnetzbetreiber in der Regel über ein mäßiges Budget verfügen, sollten die Sanierungsplanungen optimiert werden. Für diese Optimierungszwecke stehen viele Kanalzustandsprognosen zur Verfügung, die auf verschiedenen mathematischen Modellen aufbauen. Zu den populärsten mathematischen Instrumenten gehören: Regressionsanalyse, neuronale Analyse, Markov-Ketten oder diverse Verteilungen in Verbindung mit mathematischen Simulationen nach Monte-Carlo Methode. Im Folgenden wird eine Kanalzustandsprognose für Abwasserleitungen aus Steinzeug nach dem Markov-Modell präsentiert. Sie lehnt sich an die Ergebnisse einer optischen Inspektion und daraus resultierende Schadens- und Zustandsklassifikation nach dem Merkblatt ATV M-149 [1] an. Dieses Regelwerk sieht, analog wie die internationalen Standards, fünf Zustandsklassen von der besten Klasse (4) bis zu der schlechtesten (0) vor. Um einen direkten Vergleich mit Ergebnissen von anderen Untersuchungen zu ermöglichen, werden die Zustandsklassen von (5) bis (1) eingeführt. Auf Basis des Markov-Modells können die Änderungen des technischen Kanalzustands abhängig von der Zeit stochastisch prognostiziert werden.Die untersuchten Kanäle aus Steinzeug funktionieren in der bayerischen Gemeinde – Unterhaching, oberhalb des Grundwasserspiegels. Diese Objekte formieren eine repräsentative Stichprobe, die aus 1.200 Kanalhaltungen mit der Gesamtlänge von 40.000m besteht.
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| Quelle: | Wasser und Abfall 2017 11 (November 2017) | |
| Seiten: | 4 | |
| Autor: | Dr.-Ing. habil. Andreas Raganowicz | |
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