Gegenseitig ausgelöscht: Schädliche Schallwellen lassen sich mit reaktiven Schalldämpfern kompensieren

Schraubenverdichter, aber auch andere Strömungsmaschinen, sind im allgemeinen erhebliche Geräuschquellen. Mit reaktiven Schalldämpfern senkt die Aerzener Maschinenfabrik GmbH die Lärmemissionen auf der Druckseite seiner Schraubenverdichter, Drehkolbengebläse und Drehkolbenverdichter. Im Vergleich zu Lösungen mit Absortionsmaterial schließt das Prinzip mit sich gegenseitig auslöschenden Schallwellen Kontaminierungen der Gebläseluft durch erodierendes Dämmmaterial aus.

(10.10.2017) Nach Auskunft von Christian-Philipp Hage sind es 170 bis 190 dB, die auf der Druckseite eines von der Aerzener Maschinenfabrik GmbH hergestellten Foto: Dyckerhoff ‚Delta Hybrid’-Gebläses oder eines ‚Delta Screw’-Verdichters im Rohrinneren zu messen sind. Hage ist Entwicklungsingenieur im Fachbereich Dynamik, Akustik und Vakuum; er erläutert, dass damit Druckwechsel bis zu einem Bar auftreten können. Dieser hohe Wechseldruck wirkt auf alles, was in der Nähe ist: Nicht nur menschliche Ohren, sondern auch technische Einrichtungen wie das komplette Rohrleitungssystem sind hiervon betroffen. Für Hage ist wirksamer Schallschutz deshalb keine ausschließliche Frage der Arbeitssicherheit. Lärmquellen mit dieser Stärke haben vielmehr das Zeug, Maschinen und Rohrleitungen richtig zuzusetzen – bis hin zum Ausfall.
Drei generelle technische Wege skizziert der auf Akustikfragen spezialisierte Diplom-Ingenieur, um dem Schall zu begegnen: Schalldämpfer mit Absorptionsmaterial, reaktive Schalldämpfer sowie die aktive Erzeugung von Gegenschall mit Lautsprechern. „Die letzte Maßnahme lässt sich bei Gebläsen aktuell nicht umsetzen, weil die Lautsprecher die notwendigen Dezibelzahlen nicht erreichen“, erklärt Hage. Bleiben also noch zwei Möglichkeiten.
Vor dem Hintergrund, dass hohe Frequenzen starke Schwingungskräfte mit sich bringen, erzeugen die Wellen folglich auch Schwingungen im Dämmmaterial herkömmlicher Schalldämpfer. Der Effekt nennt sich Mikroreibung – und die macht selbst vor Dämmmaterial aus Edelstahl keinen Halt. Wenn dann zu den schnell pulsierenden Druckschwankungen auch noch hohe Temperaturen am Gebläseausgang hinzukommen, ermüdet das Filtermaterial und beginnt sich langsam aufzulösen. Der Alterungsprozess hat zwei Effekte: Zum einen verliert der Schalldämpfer über die Betriebszeit an Wirkung. Das zieht folglich regelmäßige Wartungen nach sich, wenn es Unternehmen bei der Bekämpfung von Lärmemissionen ernst meinen. Zum anderen kontaminiert das sich auflösende Filtermaterial kontinuierlich die Gebläseluft, was sich vor allem in der Lebensmittelindustrie mit Blick auf Food Safety negativ auswirkt...

Unternehmen, Behörden + Verbände: Aerzener Maschinenfabrik GmbH (Aerzen)
Autorenhinweis: Thorsten Sienk, Bodenwerder
Foto: Dyckerhoff



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 5 - Oktober 2017 (Oktober 2017)
Seiten: 2
Autor: Thorsten Sienk

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