Editorial: Blackout

Wer heute in einer der gängigen Internetsuchmaschinen den Begriff „Blackout“ eingibt, wird viele Einträge mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen finden. Einer davon führt zu einem empfehlenswerten Thriller von Marc Elsberg, der vor einigen Jahren die Bestsellerlisten anführte. Ein wahrhaft packendes Werk, das für alle zur Pflichtlektüre wurde, die es mit dem Thema Energie zu tun haben. Höchst spannend und beklemmend werden die Folgen eines elektrischen Blackouts beschrieben, der in Folge eines Terrorangriffs auf die Elektronik von Smart Metern die Stromversorgung des europäischen Kontinents zusammenbrechen lässt.

M. Boeckh, Redaktionsleiter ENTSORGA-Magazin(21.03.2017) Blackout beschreibt auch medizinisch-salopp den kurzzeitigen geistigen Aussetzer einer Person – nicht nur, aber gerade auch von Politikern. Doch man tut dieser Spezies unrecht, würde man ihre Fehlleistungen als kurzzeitige „geistige Umnachtung“ abtun. In der Regel entspringen populistische Äußerungen und verbale Entgleisungen einer gut durchdachten Strategie. Das ist in Dresden nicht anders als in Ankara oder Washington. Als solches muss man das, was populistisch durch den Äther wabert, auch werten: nüchternes Kalkül. Und wenn jemand meint, gegen sein Nachbarland eine meterhohe Mauer bauen zu müssen, Tausende von Kilometern lang und Milliarden von Dollar teuer, so ist die Idee zwar hirnverbrannt, doch die logische Konsequenz nationalistischen Gedankenguts. Doch was hat den deutschen Vorstandschef von HeidelbergCement geritten, sich als Lieferant für den notwendigen Baustoff anzubiedern, kaum dass der neue US-Präsident inthronisiert war? Blackout oder Konzernstrategie? Vermuten wir zu seinen Gunsten das Erstere. Doch das widerspricht dem Naturell eines erfolgreichen Top-Managers. Also doch Strategie.
Als Top-Manager kann man den narzisstischen Präsidenten und Herrscher über Hotels und Atomcodes nicht bezeichnen. Sonst wären ihm einfache volkswirtschaftliche Zusammenhänge klar. Zum Beispiel der Widerspruch zwischen sinkenden Steuern und wachsenden Staatsausgaben. Und die müssen steigen – nicht für den Militäretat, sondern für die Infrastruktur. Das „große Amerika“ dümpelt noch auf dem Stand eines Schwellenlandes herum. Stromleitungen, Abwasserkanäle, Trinkwasserversorgung – eines desolater als das andere. Das Leben von fast 200.000 Menschen hing am seidenen Faden, als ein maroder Staudamm in Kalifornien jüngst drohte, überzulaufen. Hier wäre Beton – von mir aus auch aus Deutschland – gut angebracht gewesen. Doch Infrastrukturmaßnahmen sind halt wenig spektakulär und bringen keine Wählerstimmen...

Autorenhinweis: Martin Boeckh, Redaktionsleiter ENTSORGA-Magazin



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 1 - März 2017 (März 2017)
Seiten: 1
Autor: Martin Boeckh

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