Hochwasserrisikomanagement 2030 – ein Ausblick

Die jüngsten Hochwasserereignisse – und insbesondere die durch Starkniederschläge verursachten Ereignisse – waren Anlass, wieder einmal grundlegend über die Möglichkeiten und Grenzen der Hochwasservorsorge nachzudenken. Wie geht es weiter? Welche absehbaren Fortschritte im Hochwasserrisikomanagement werden in den nächsten 15 Jahren die Entwicklung maßgebend prägen?

Mit der EU-weiten Veröffentlichung der Hochwasserrisikomanagementpläne (HWRM-Pläne) fand Ende 2015 die dritte und letzte Stufe im Umsetzungsprozess der europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) auch in Deutschland ihren Abschluss. Damit ist die rechtliche Implementierung zunächst beendet. Aber wie geht es weiter? Welche absehbaren Fortschritte im Hochwasserrisikomanagement (HWRM) werden in den nächsten 15 Jahren die Entwicklung maßgebend prägen?

Neben dem von der HWRM-RL vorgegebenen Prozess der Aktualisierung aller drei Schritte in einem regelmäßigen Zyklus zeichnen sich bereits heute sowohl wesentliche gesellschaftspolitische als auch technologische Entwicklungen ab. Zudem ist zu erwarten, dass der Klimawandel auch Auswirkungen auf das Hochwassergeschehen in Deutschland haben wird – wenn auch regional wahrscheinlich in unterschiedlicher Ausprägung. Es erscheint sinnvoll, vor allem im Hinblick auf die notwendigen immensen Investitionen meist öffentlicher Mittel in technische Hochwasserschutzmaßnahmen und die Hochwasservorsorge frühzeitig die Weichen zu stellen.

Die weiteren Ausführungen sind vor allem ein Plädoyer für eine – von aktuellen Ereignissen weitgehend unabhängige – kontinuierliche Auseinandersetzung mit der „Daueraufgabe Hochwasserrisikomanagement". Betrachtet man die aktuelle Entwicklung in Deutschland, so fällt zunächst die Vielfalt an Verantwortlichkeiten und eine große Menge an mit der Thematik befassten Institutionen auf. Zentrale Aufgaben des HWRM (und vor allem der technische Hochwasserschutz) sind in wesentlichen Teilen bei den Bundesländern angesiedelt. Auch wenn nach den großen Hochwasserereignissen an Elbe und Donau im Juni 2013 der Bund erstmals durch das Nationale Hochwasserschutzprogramm eine substantielle Förderung technischer Hochwasserschutzmaßnahmen übernommen hat, bleibt die föderale Aufgabenteilung bestehen. Wer übernimmt aber die Aufgabe, konzeptionell vorzudenken und zukunftsweisende Strategien zu entwickeln? Hinsichtlich der Hochwasserforschung bietet sich ein heterogenes Bild: An wissenschaftlichen Einrichtungen wird das Thema häufig in Teilaspekten (hydraulische Modellierung der Hochwassergefährdung, Analyse der Wirksamkeit von technischen Hochwasserschutzanlagen, Untersuchungen zum klimaangepassten Bauen und anderem mehr) behandelt.

Nach dem Auslaufen des infolge des Elbe-Hochwassers 2002 initiierten Verbund-Forschungsvorhabens „RIMAX – Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse" scheint aus Sicht der großen Förderinstitutionen derzeit kein weiterer Bedarf zu bestehen. Es ist bedauerlich festzustellen, dass von einer kontinuierlichen und systematischen Forschung – insbesondere im Bereich der Hochwasservorsorge – in Deutschland derzeit leider nur sehr wenig zu sehen ist und entsprechende Förderprogramme in jüngster Zeit nicht aufgelegt wurden.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 11/2016 (November 2016)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Robert Jüpner

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