Die Bewertung des ökologischen Zustandes von Gräben – ein Verfahrensvergleich

Gräben und Grabensysteme sind in Norddeutschland verbreitete Gewässerformen. Im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind Gräben künstliche Wasserkörper, für die das Umweltziel „Gutes ökologisches Potenzial“ definiert werden muss. Der vorliegenden Arbeit liegt die Untersuchung von insgesamt 49 Niedermoorgräben in Sachsen-Anhalt und Niedersachen zugrunde. Von den Autoren wurde eine multimetrische Methode zur Bewertung von Niedermoorgräben und kleinen Kanälen mittels Makroinvertebraten und Makrophyten entwickelt. Ebenfalls auf Grundlage eines multimetrischen Indexes mit Makroinvertebraten entstand ein niederländisches Bewertungsverfahren für Gräben. Dieses Verfahren fand ebenfalls auf die hier untersuchten Gewässer Anwendung. Die Eignung beider Verfahren für die Grabenbewertung konnte bestätigt werden. Das ökologische Potenzial der Gewässer hängt überwiegend von der Umfeldnutzung und dem Unterhaltungsregime ab.

Gräben und Grabensysteme sind typische und weit verbreitete Gewässerformen in Niedermoorgebieten. Ursprünglich zur Entwässerung geschaffen, erfüllen sie heute in zunehmendem Maße weitere Funktionen, wie Bewässerung und Wasserrückhalt zur Grundwasserstandsanhebung. Mit einer Habitat-und Trittsteinfunktion für gefährdete Arten stellen sie allgemein einen Ersatzlebensraum für Tier-und Pflanzenarten der Feuchtgebiete dar. Mittlerweile liegen mehrere Studien zur Bedeutung als Lebensraum, zur Typologie sowie zur Unterhaltung vor. Im Unterschied zu natürlichen Gewässern gab es bisher allenfalls Ansätze für Bewertungsverfahren. Ausschlaggebend dafür dürften prinzipielle Schwierigkeiten bei ihrer Klassifizierung zwischen stehenden und fließenden Gewässern sein. Andererseits spielt offensichtlich auch das gebremste Interesse der Fachwelt an diesen auf den ersten Blick eintönigen und ökologisch armen Wasserkörpern eine Rolle. Jedoch haben Graben-und Kanalsysteme namentlich in Norddeutschland einen sehr großen Anteil am Gesamtgewässernetz. Allein die niedersächsischen Marschengebiete werden heute von mehr als 30 000 km Gräben durchzogen. Damit verbietet es sich sowohl aus Sicht der Umsetzung der WRRL als auch der FFH-Richtlinie (FFH) sie aus den Betrachtungen auszuschließen, vielmehr müssen auch für solche Gewässer belastbare Bewertungsverfahren entwickelt werden. Für die Erarbeitung solcher Verfahren gibt es inzwischen Standards.

So werden in einem allgemeinen multimetrischen Bewertungsverfahren nach DIN CEN/TR 16 151 verschiedene Metriks anhand einer Artenliste berechnet. Diese Metriks können die Zusammensetzung/Abundanzverhältnisse widerspiegeln, Aussagen zu Artenvielfalt und Diversität bzw. Sensibilität/Toleranz liefern oder funktionale Metriks darstellen. Nach Vergleich des Metriks mit Referenzbedingungen erfolgt eine Berechnung eines Multimetrischen Indexes und damit eine Zuordnung in eine Zustandsklasse. Sogenannte Ankerpunkte (AP) beschreiben den best-bzw. schlechtmöglichsten Zustand. Bei künstlichen Gewässern, wie den hier untersuchten Gräben, ist eine Definition von Referenzbedingungen unmöglich. Daher werden statistische Werte (2,5-bzw. 97,5-Perzentil des jeweiligen Metriks) als AP verwendet.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 02-03/2016 (März 2016)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Uta Langheinrich
Prof. Dr. Volker Lüderitz

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