Trockenlegung des Eidersperrwerks – Bohr- und Installationsarbeiten für ein System zur Überwachung der Auftriebssicherheit

Das Eidersperrwerk ist das größte deutsche Küstenschutzbauwerk und befindet sich an der Mündung der Eider in die Nordsee. 1973 wurde durch den Bau des Sperrwerks die Deichlinie im Mündungsbereich der Eider von ursprünglich rund 60 km auf 4,8 km verkürzt. Es besteht aus insgesamt fünf Sielfeldern, die in den Jahren 2014 bis 2018 für Sanierungsarbeiten über mehrere Monate sukzessive trockengelegt werden müssen. Um die Auftriebssicherheit der jeweiligen Sielfeldsohlen während der Trockenlegungen zu gewährleisten, werden mithilfe eines Packersystems innerhalb der Sohlplatten Porenwasserdruckaufnehmer sowie temporäre Entlastungsbrunnen installiert. Falls die Sohlwasserdrücke kritische Zustände erreichen sollten, kann mit dem Überwachungssystem eine Druckentlastung herbeigeführt werden.

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) unterhält zahlreiche Schleusen, Wehre und Sperrwerke, die zur Durchführung von Wartungs- und Inspektionsarbeiten regelmäßig trockengelegt werden müssen. Da die Standsicherheit dieser Bauwerke zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein muss, sind die geotechnischen Standsicherheitsnachweise sowohl für den Vorgang der Trockenlegung als auch für den trockengelegten Zustand zu erbringen.

In vielen Fällen sind die Wasserdrücke unter den Bauwerkssohlen nicht bekannt und können daher nur grob abgeschätzt werden. Zumeist stellen diese Abschätzungen eine unrealistisch hohe Wasserdruckbeanspruchung dar, sodass die Sicherheit gegen Aufschwimmen der Bauwerkssohlen oft nicht nachgewiesen werden kann. Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, die tatsächlichen Beanspruchungen durch das Grundwasser durch entsprechende Messungen zu ermitteln, um die Standsicherheit der Bauwerkssohlen sicher beurteilen zu können. Gegebenenfalls sind auch Maßnahmen zur Druckentlastung (z. B. durch eine Wasserhaltung) erforderlich, um die bei den Nachweisen angesetzten Wasserdrücke einstellen zu können.

Im Rahmen dieses Beitrags wird ein Überwachungs- und Entlastungssystem vorgestellt, dass bei Trockenlegungen der Sielfelder des Eidersperrwerks erfolgreich zum Einsatz kam. Mit diesem Überwachungs- und Entlastungssystem war es möglich, kontinuierlich die Sohlwasserdrücke zu beobachten und gegebenenfalls eine Entlastung der Sohlwasserdrücke wirksam herbeizuführen. Ein weiteres Ziel der Messungen war es, über die Auswertung der Messergebnisse sowie über die Durchführung von Druckentlastungsversuchen weitere Kenntnisse über die geohydraulischen Wirkungszusammenhänge zu gewinnen, um Empfehlungen hinsichtlich der zukünftigen Sielfeldtrockenlegungen aussprechen zu können.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 12 - 2016 (Dezember 2016)
Seiten: 8
Preis inkl. MwSt.: € 8,00
Autor: Dr. Thomas Nuber
Gerd Siebenborn
Marco Bardenhagen

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Deutsch-indische Forschungskooperation: Wasser- und Abwasserinfrastruktursysteme für smarte Zukunftsstädte
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (8/2019)
Ein deutsch-indisches Projektteam entwickelt im Kooperationsprojekt SMART&WISE Planungsmethoden und -werkzeuge für nachhaltige und zukunftsfähige Wasser- und Abwasserinfrastruktursysteme. In der ersten Projektphase wurden Smart City-Konzepte für die Siedlungswasserwirtschaft untersucht und die länderspezifischen Ausgangssituationen und Vorstellungen zusammen mit den indischen Projektpartnern und Stakeholdern erörtert.

Die geotechnische Sanierung des Speichers Borna
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (5/2019)
Bei geotechnischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass weite Teile der aus Abraummaterialien hergestellten Böschungen des Speicherbeckens Borna nicht ausreichend standsicher im Sinne der gültigen Normen sind. Wegen der lockeren Lagerung der nichtbindigen Lockergesteine in Verbindung mit einer vollständigen Wassersättigung (geringen Grundwasserflurabständen) besteht hier eine latente Verflüssigungs- und Setzungsfließgefahr. Zur Vermeidung eines Initialeintrages von außen ist die Nutzung des Sees durch die Einrichtung eines Sperrbereiches stark eingeschränkt worden. Durch umfangreiche geotechnische Sanierungsarbeiten, überwiegend durch Rütteldruckverdichtung und schonende Sprengverdichtung, soll die bestehende Gefährdungslage beseitigt und eine restriktionsarme Nutzung des Speichers ermöglicht werden.

Sanierung eines Deiches am Toten Meer, Israel, mit Hilfe einer 18 km langen Schlitzwand
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (5/2019)
Der ca. 15 m hohe und ca. 18 km lange Umschließungsdeich eines Verdunstungsbeckens zur Kaligewinnung südlich des Toten Meers in Israel ist aufgrund von Erosion des Dichtungskerns beschädigt. Zum Schließen der erosionsbedingten Hohlräume wurde in einem ersten Schritt eine dynamische Intensivverdichtung durchgeführt. Zur Abdichtung des Deiches und des Untergrunds wurde eine 30 m tiefe Schlitzwand mit innenliegender Spundwand gebaut.

Die hydraulische Leistungsfähigkeit von Vorländern
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (11/2018)
Die hydraulische Leistungsfähigkeit von Vorländern wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, die in diesem Kurzbeitrag skizziert werden. Vorgestellt werden sowohl Methoden zur Beurteilung, als auch Maßnahmen zu Verbesserung der hydraulischen Leistungsfähigkeit, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Auswirkungen von Bewuchs gelegt wird.

Verfahrensoptimierung der Schlammentwässerung mit geotextilen Entwässerungsschläuchen
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (10/2018)
Die Schlammentwässerung mittels geotextiler Entwässerungsschläuche erfordert individuell angepasste Prozessbedingungen, deren Einflussgrößen in Laborversuchen systematisch untersucht wurden. Die Ergebnisse werden in Hinblick auf die großtechnische Anwendung analysiert und diskutiert.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Der ASK Wissenspool
 
Mit Klick auf die jüngste Ausgabe des Content -Partners zeigt sich das gesamte Angebot des Partners
 

Selbst Partner werden?
 
Dann interessiert Sie sicher das ASK win - win Prinzip:
 
ASK stellt kostenlos die Abwicklungs- und Marketingplattform - die Partner stellen den Content.
 
Umsätze werden im Verhältnis 30 zu 70 (70% für den Content Partner) geteilt.
 

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...