Kommunikationsstrategien in der Krise: vom Papiertiger zur gelebten Praxis

Im Jahr 2013 ereignete sich in Warstein eine der größten Massenerkrankungen an Legionellen. In der Folge kam es zu zwei Todesfällen und 159 Erkrankten. Ziel des Krisenmanagements war es, den Legionellenausbruch in kürzester Zeit einzudämmen, zu beenden und eine kritische Gesundheitsgefährdung für die Öffentlichkeit auszuschließen. In diesem Zusammenhang agierten unterschiedliche Akteure auf verschiedenen Handlungsebenen in den jeweiligen Krisenmanagementstrukturen. Am Beispiel des Legionellenausbruchs im Kreis Soest wird die Relevanz dargelegt, warum eine Verknüpfung des Krisenmanagements mit situativen Kommunikationsstrategien einen maßgeblichen Erfolgsfaktor für ein ganzheitliches Krisenmanagement bildet.

Der Krisenbegriff unterliegt häufig einem inflationären Gebrauch. Dieser liegt nicht selten fernab jeglicher fachlicher Fundierungen und leistet einen öffentlichkeitswirksamen Beitrag, obwohl gerade ein einheitliches Begriffsverständnis eine zwingend notwendige Voraussetzung für ein gemeinsames Handeln im Krisenmanagement ist.

Aus einer allgemeinen Perspektive wird die Krise als „Wendepunkt einer bis dahin kontinuierlich verlaufenden Entwicklung“ beschrieben. Dies entspricht einem wichtigen Krisenmerkmal, dem der disruptiven Störung des allgemeinen Betriebsablaufes. Dennoch ist eine Krise wesentlich mehr: Häufig werden ihr „Seltenheit, Unerwartetheit, ein hohes Bedrohungspotenzial, Dynamik und mangelnde Berechenbarkeit“ zugeschrieben. Weiterhin zählen die Merkmale „Existenzgefährdung, Ambivalenz des Ausgangs, Gefährdung dominanter Ziele, Prozesscharakter sowie Steuerungsproblematik“ zu den Charakteristiken einer Krise. Das Merkmal, welches vielleicht am meisten die subjektive Wahrnehmung der Akteure in einer Krisensituation dominiert, ist das des „Zeit- und Entscheidungsdrucks“. Demzufolge markiert die Feststellung einer Krise den Eintritt eines außergewöhnlichen Ereignisses, welches möglicherweise zu einer ungünstigen Entwicklung führen kann, die erhebliche Schäden für Personen oder Sachen und für die Funktionsfähigkeit der Organisation mit sich bringt.

Mit einem ganzheitlichen Blick auf die aufgeführten Krisenmerkmale wird deutlich, dass eine Krise weitaus mehr als ein situativer Zustand ist. Vielmehr begünstigt die Bewältigung einer Krise ein systemisches Verständnis dieser. Das impliziert, dass Krise ein komplexes Geflecht all dieser Merkmale ist und durch die einhergehende Dynamik keinen Zustand darstellt, sondern vielmehr einen vielschichtigen Handlungsstrang. Diesen handhabbar zu machen, erfordert einen multi- und interdisziplinären Ansatz – das Krisenmanagement.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 10 - 2016 (Oktober 2016)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 4,00
Autor: Annekathrin Enke
Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff
Prof. Marcel Kuhlmey

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