Sanierung eines Trinkwasserstollens durch Einzug eines PE-Liners

Um den Trinkwasserbedarf von 1,4 Millionen Menschen ökologisch und verantwortungsbewusst zu decken, haben Stadt und Stadtwerke München im Laufe der Jahrzehnte drei Versorgungsgebiete aus dem Voralpenland erschlossen. Mehrere unterirdische Zubringerleitungen liefern jeden Tag Frischwasser aus den Gewinnungsgebieten in drei Hochbehälter im Süden der Stadt. Bei einem dieser Zubringer, einer 85 Jahre alten Stollenleitung, erfolgte aus wirtschaftlichen und hydraulischen Gründen eine Rohrleitungsrenovierung mittels Rohrstrang-Relining im Faltverfahren.

Im Herbst 2014 konnte auf einem ca. 500 m langen Teilstück einer Zubringerwasserleitung der Stadtwerke München GmbH ein Relining mit einem PE 100-Rohr da 1600 im Faltverfahren erfolgreich durchgeführt werden. Aufgrund der bisher größten Rohrdimension, die je mit diesem Verfahren realisiert wurde, waren im Vorfeld eine Reihe von komplexen Berechnungen und Vorversuchen nötig, um eine sichere Grundlage für die Sanierung zu schaffen. Speziell der Faltvorgang, die Überwindung einer Biegung von ca. 25° nach 170 m Rohrleitungsstrecke und das Rückverformen des gefalteten Rohres, stellten für alle Beteiligten große Herausforderungen dar.

Gegenüber dem ursprünglichen Konzept wurden während der Baudurchführung einige Modifikationen vorgenommen. Hierzu zählen die Umstellung auf das Taktverfahren (Einzelrohrverfahren) anstatt das Auslegen des gesamten Rohr- bzw. Linerstranges, die Verlagerung der Schweiß-, Falt- und Schubanlage direkt vor die Stollenöffnung, die Einzeldruckprüfung der Schweißnähte nach DIN EN 1610 anstatt einer Wasserdruckprobe am ausgelegten Strang sowie die Unterstützung des Rohreinzugs mit einer Schubvorrichtung (Pusher).

Als problematisch stellten sich in erster Linie das Verdrehen des gefalteten Inliners bei Einziehen in den Kurvenbereich und das Zerreißen der Spannbänder beim Überschieben über die Stahlauflager heraus. Nach der Wasserfüllung des Rohres mit 2,5 bar wurde zudem kein vollständiges Rückstellen des gefalteten PE-Inliners in eine kreisrunde Form erreicht. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass sich diese Rückstellung im Laufe der Zeit bei der Wasserfüllung des Rohres von selbst einstellt.

Letzten Endes konnte die Baumaßnahme trotz der beschriebenen Komplikationen durch die konstruktive Mitwirkung aller Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden. Die gewonnenen Erfahrungen auf dem Pilotabschnitt bilden die Grundlage für die weiteren Sanierungsabschnitte.

Die durchgeführte Sanierung erfüllt neben der hydraulische Leistungsfähigkeit von ca. 2.000 l/s auch die Dichtheit und die dauerhafte Sicherstellung der Hygiene in dem Trinkwasserstollen.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 12 - 2015 (Dezember 2015)
Seiten: 7
Preis inkl. MwSt.: € 7,00
Autor: Thomas Kühlmann
Jochen Obermayer
Franz Meier
Franz Schaffarczyk

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