Enteisenung im Grundwasserleiter

Die Unterirdische Enteisenung und Entmanganung von Grundwasser (UEE), auch In-situ-Aufbereitung genannt, aktiviert einen natürlichen Aufbereitungsprozess im Grundwasserleiter (Aquifer) bereits vor der Förderung. Dabei ist die UEE im Vergleich zu oberirdischen Filteranlagen deutlich effizienter und wirtschaftlicher. Mit geringem Aufwand lassen sich bereits im Aquifer Eisen-, Mangan- und Ammoniumkonzentrationen auf Trinkwasserniveau und weit unterhalb der TrinkwV Grenzwerte erzeugen. Dadurch werden auch Verockerungen in Brunnen, Pumpen und Rohrleitungen effektiv vermieden. Gleichzeitig ist das Verfahren besonders nachhaltig, weil kein Filtermaterial benötigt wird, kein Abwasser oder Abfall entstehen, der Energiebedarf besonders niedrig ist und die Lebensdauer der Bohrbrunnen erhöht wird.

Die Idee, Eisen und Mangan bereits im Grundwasserleiter aus dem Grundwasser zu entfernen, ist mehr als 100 Jahre alt. Schon 1900 wurde dem Berliner Ingenieur Oesten ein Reichspatent zum „Enteisenen von Grundwasser im Untergrunde selbst“ erteilt. Aber erst in den 1970er-Jahren wurde das Verfahren technisch umgesetzt, zunächst bei Wasserwerken in Skandinavien unter dem Namen „Vyredox“. Dabei erfolgte eine Infiltration mit sauerstoffhaltigem Wasser in den Grundwasserleiter über Satellitenbrunnen, die ringförmig um einen oder mehrere Hauptförderbrunnen angeordnet waren. Die Technologie fand von dort den Weg nach Deutschland und wurde hier unter dem Namen „Subterra“ bzw. „Uneis“ angewandt bzw. weiterentwickelt.

Der Durchbruch hin zu einer breiten Nutzung auch für kleine Wasserversorgungsanlagen gelang durch die Idee, sauerstoffhaltiges Wasser zyklisch über die Förderbrunnen selbst zu infiltrieren und damit auf Satellitenbrunnen verzichten zu können. 1991 wurde das Patent zur unterirdischen Enteisenung und Entmanganung mit nur einem Bohrbrunnen erteilt. Die Forschungsarbeiten von Prof. Dr.-Ing. Ulrich Rott trugen seither maßgeblich zum Verständnis und damit auch zur Akzeptanz des Verfahrens bei.

Heute ist die unterirdische Enteisenung und Entmanganung Stand der Technik und im Regelwerk des DVGW beschrieben. In der einschlägigen Fachliteratur werden zahlreiche Anlagen im Umfeld von Wasserwerken dargestellt, z. B. beim Wasserwerk Boker Heide mit einer Aufbereitungsleistung von bis zu 2,5 Mio. m³/Jahr. Daneben sind inzwischen ca. 10.000 kleinere Kompaktanlagen unter dem Namen „Fermanox“ vornehmlich in Deutschland und den Niederlanden in Betrieb.

Außer der klassischen Trinkwasseraufbereitung wird das Verfahren dabei auch für Tränkwasser, Bewässerungssysteme, Schwimmbäder, Brauch- und Prozesswasser sowie zunehmend im Bereich der Geothermie bei Wasser-/Wasser-Wärmepumpen und direkter Kühlung mit Grundwasser eingesetzt.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 06 - 2015 (Juni 2015)
Seiten: 7
Preis inkl. MwSt.: € 7,00
Autor: Dr. Torsten Winkelnkemper

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