Atemlos an der Jagst: Belastetes Löschwasser löste Fischsterben an der Jagst aus

Nach einem Großbrand in der Gemeinde Kirchberg an der Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) gelangte mit dem Löschwasser eine große Menge gelöster Düngemittel auf Ammoniumbasis in das Flüsschen Jagst, einem Nebenfluss des Neckar. Trotz groß angelegter Hilfsmaßnahmen konnte ein massives Fischsterben nicht mehr verhindert werden. Doch mancher Rat und manche Maßnahme schoss übers Ziel hinaus.

Foto: M. Boeckh (06.10.2015)Nach einem Großbrand in Kirchberg an der Jagst in der Nacht vom 22. auf den 23. August dieses Jahres war mit dem Löschwasser Ammoniumnitrat aus Düngemitteln in die Jagst gelangt, einem kleinen, vor allem bei Anglern und Kanuten beliebten 190 Kilometer langen Nebenfluss des Neckar im Norden Baden-Württembergs. Bei dem Brandeinsatz waren 150 Rettungskräfte zugegen, die zwar den Brand eindämmen, aber die Zerstörung der neuen Lagerhalle und einiger Silos der Lobenhäuser Mühle nicht verhindern konnten. Der Brandschaden wird derzeit auf etwa 1,5 Mio. Euro geschätzt. Die Feuerwehr entsorgte das Löschwasser in der Crailsheimer Kläranlage; warum allerdings ein Teil des verunreinigten Löschwassers in die Jagst gelangte, ist derzeit noch unklar. Vermutlich wurde ein Überlaufkanal des Löschwasserrückhaltebeckens durch die Feuerwehr nicht richtig verschlossen. Doch dieser Teil des Löschwassers war es, der Öffentlichkeit, Rettungskräfte wie THW und Feuerwehr tage- und wochenlang in Atem hielt – nicht zu vergessen die Presse und die Politik. Der Ammonium-Pegel im Wasser war auf 28,7 Milligramm pro Liter gestiegen – für Fische ein tödlicher Cocktail.
Umweltminister und Landwirtschaftsminister der baden-württembergischen Landesregierung eilten höchstpersönlich gleich mehrfach aus Stuttgart an den Ort des Geschehens, um sich ein Bild über die Schäden an einem der wichtigsten und schönsten Gewässer-Biotope des Landes zu machen. Der Anblick unterhalb der Lobenhäuser Mühle war auch alles andere als erbaulich: nach aktuellen Zahlen aus der Tierkörperbeseitigungsanstalt Hardtheim wurden hier rund 15 Tonnen tote Fische – Barben, Nasen, Döbel, Welse, Aale – geborgen und dann mittels Verbrennung entsorgt. Die örtlichen Fischereivereine versuchten mit vereinten Kräften und mit Elektro-Befischungsgeräten die noch lebenden Fische zu betäuben und in andere Gewässer umzusetzen...

Autorenhinweis: Martin Boeckh
Foto: M. Boeckh



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: Nr. 10 - Oktober 2015 (Oktober 2015)
Seiten: 3
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Martin Boeckh

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