Überprüfung der Leistungsfähigkeit von Straßeneinläufen im Kontext des Klimawandels

Vor dem Hintergrund immer häufiger auftretender Starkregenereignisse gilt es, die aktuellen Bemessungsstrategien in der Siedlungsentwässerung an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Straßeneinläufe sollen nun anhand von physikalischen Modellversuchen und nummerischen Simulationen im Hinblick auf die Starkregenproblematik auf ihre vorhandene Leistungsfähigkeit untersucht und gegebenenfalls modifiziert werden. Ziel ist es aber nicht, das gesamte, während eines solchen Ereignisses anfallende Wasser in die Kanalisation zu leiten. Vielmehr stellt die verbesserte Bestimmung der Leistungsfähigkeit der Einläufe eine wichtige Eingangsgröße bei der Berechnung des Abflusses auf der Geländeoberfläche und im Kanalnetz dar.

In den vergangenen Jahren kam es zu einer Häufung von Starkregenereignissen, die besonders im urbanen Kontext zu starken Schäden geführt haben. Ereignisse am 26. Juli 2008 in Dortmund (ca. 200 mm in vier Stunden) oder am 28. Juli 2014 im Münsterland (ca. 300 mm in sieben Stunden) haben gezeigt, dass die Anforderungen an die Stadtentwässerung gestiegen sind. Nach dem aktuellen Sachstandsbericht „Climate Change 2013“ des Weltklimarates IPCC und den Klimastatusberichten des DWD gilt eine Zunahme von derartigen Starkregenereignissen in den kommenden Jahrzehnten als wahrscheinlich. Die derzeitigen Bemessungsgrundlagen für die Stadtentwässerung über das Kanalnetz sehen Überflutungsprüfungen vor, die Ereignisse mit Wiederkehrhäufigkeiten von bis zu 30 Jahren berücksichtigen. Es ist allerdings sinnvoll, zukünftig auch seltenere Ereignisse zu betrachten und Lösungsansätze zur Vorsorge sowie Bewältigungsstrategien zu erarbeiten. Gleichzeitig muss die Modelltechnik weiterentwickelt werden, um treffende Aussagen über die Auswirkungen von Starkregen im urbanen Raum machen zu können. Verstärkter Forschungsbedarf besteht in der Simulation der Interaktion zwischen dem Abfluss auf der Geländeoberfläche und im Kanalnetz. Ein wichtiger Aspekt, der bislang noch nicht gänzlich beleuchtet wurde, ist dabei die Leistungsfähigkeit von Straßeneinläufen, die die Verbindung zwischen Oberfläche und Kanalnetz darstellt. Detaillierte Erkenntnisse zu dem Thema beeinflussen nicht nur die Modelltechnik, sondern auch die Art und Weise, zukünftig mit Starkregen in der Stadt umzugehen.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 11 - 2014 (November 2014)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 4,00
Autor: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff
Svenja Peterseim
Sebastian Czickus
Dipl.-Ing. Manfred Müller

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