Theorie und Praxis einer Entspannungs-Wasserhaltung für das Projekt „Schwabinger Tor“ in München

An der Leopoldstraße in München entsteht ein Gebäudekomplex mit einem Hotel sowie Wohn- und Geschäftshäusern – das sogenannte „Schwabinger Tor“. Der Aushub für die gemeinsame Tiefgarage wird ca. 510 m lang und 75 m breit. Das Projekt verursacht damit die aktuell größte Baugrube in München. Eingegangen wird im Besonderen auf die Theorie und Praxis der Entspannung des wasserführenden Tertiärs.

Im Münchner Norden entsteht entlang der Leopoldstraße ein neues Stadtviertel. Im Stadtbezirk Schwabing wird auf einem 35.000 m² großen Areal ein Neubau mit Wohnungen, Büros, Geschäften, gastronomischen Einrichtungen sowie einem Hotel mit Luxusapartments und Kongressbereich geplant. Eine gemeinsame zweistöckige Tiefgarage vereint alle Bauwerke zu einer großen und tiefen Baugrube.

Die Baugrube ist 510 m lang, 60 bis 75 m breit, 10,70 m tief und bindet ca. 5 bis 6 m in das Grundwasser ein. Eine bauzeitige Grundwasserhaltung war erforderlich. Der Baugrubenverbau wurde mit wasserdichten, statisch bewehrten Mixed-In- Place-Wänden (9.000 m²) und Pfahlwänden (7.500 m²) umschlossen und mit Ankern (12.000 m) gesichert.

Aufgrund der großen Abmessungen wurde die Baugrube mit zwei Querschotts aus wasserdichten Mixed-In-Place-Wänden in die drei Bauabschnitte Nord, Mitte und Süd unterteilt. Eine weitere Besonderheit bestand darin, dass die Münchner Straßenbahn in einer Vorabmaßnahme mit einer aufgeständerten Deckelbauweise über die Baugrube hinweggeführt wurde. Vor Beginn der Bauarbeiten wurden das alte Holiday Inn Hotel und ein Metromarkt mit Tankstelle abgebrochen. Im Bereich der Tankstelle waren noch Kontaminationen im Untergrund und im Grundwasser vorhanden, sodass das Grundwasser mit einer Grundwasserreinigungsanlage abgereinigt werden musste.

Bauherr ist die Jost Hurler Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft GmbH & Co. KG, München. Gesamtplaner ist die ATP München Planungs GmbH. Baugrundgutachten und Objektüberwachung für Spezialtiefbau und Wasserhaltung erfolgte durch Frank+Bumiller+Kraft Grundbauingenieure VBI GmbH, München. Mit der Planung und Ausschreibung der Wasserhaltung waren die iBEG-Ingenieure, Mühlhausen, beauftragt. Den Auftrag für die Baugrube erhielt die Bauer Spezialtiefbau GmbH, Region Süd, Dachau. Die Wasserhaltung wurde durch die Brunnenbau Conrad GmbH aus Bad Langensalza ausgeführt.

Die Arbeiten zur Baugrube haben im November 2012 mit den Abrissarbeiten und der Baugrubensicherung begonnen. Die Wasserhaltungsanlage für den Bauabschnitt Nord war von Juni 2013 bis Juni 2014 in Betrieb. Die Teilbaugrube Süd (umfasst die Bauabschnitte Mitte und Süd) begann im Dezember 2013 und läuft noch bis in das Jahr 2015.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 12 - 2014 (Dezember 2014)
Seiten: 8
Preis inkl. MwSt.: € 8,00
Autor: Dipl.-Ing. Henning Thormann
Dr.-Ing. Alexander Gotschol

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