Weckruf aus dem Norden: Deutschland verschläft beim Umweltschutz im Bereich Lkw die Entwicklung

In Schweden stellte die Daimler AG mit ihrer Marke Mercedes Benz noch vor der IAA Nutzfahrzeuge die Baureihe Econic mit einem neuen Lkw-Gasmotor vor. Dass es ausgerechnet Schweden war, hat seinen Grund. Und mit dem neuen Motor könnte ein Paradigmenwechsel für die gesamte Lkw-Branche verbunden sein. Doch Deutschland ist alles andere als ein Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Im Gegenteil. Das ENTSORGA-Magazin sprach darüber mit Peter Bauer, dem Produktmanager Econic im Hause Daimler.

Foto: M. Boeckh(18.09.2014) ENTSORGA-Magazin: Herr Bauer, Sie sind Produktmanager Econic bei Daimler. Schon einige Wochen vor der IAA Nutzfahrzeuge haben Sie unter großer Aufmerksamkeit der Mitbewerber auf der Messe ‚Elmia Lastbil’ in Schweden die Baureihe Econic mit dem neuen Gasmotor vorgestellt. Warum ausgerechnet in Schweden?
Peter Bauer: In Schweden haben Staat und Gesellschaft das Thema ‚Umwelt’ sehr stark verinnerlicht –weit mehr als in Deutschland. Vor allem Stäte wie Göteborg und Stockholm haben sehr früh das Thema Umweltschutz mit Leben erfüllt. Und in Schweden haben wir, auf den Einwohner gerechnet, die höchste Zahl an erdgasbetriebenen Econic-Fahrzeugen.
ENTSORGA: Ist der Dieselmotor denn so umweltschädlich? Die scharfe Euro-VI-Norm müsste doch zu einer spürbaren Entlastung und zu einer Verbesserung der Luftqualität geführt haben!
Bauer: Das ist im Prinzip richtig. Der Euro-VI-Standard gilt europaweit. Und der einst so ambitionierte kalifornische EEV-Standard ist längst überholt. Aber das ist gar nicht mehr das Thema. Früher hat man über Partikel oder Feinstaub gesprochen. Heute geht es um Kohlendioxid, also um den Verbrauch, und um Lärm. Hier kann ein Gasmotor punkten, vor allem, wenn Biogas und nicht nur Erdgas gefahren wird. Da ist Schweden absolut Vorreiter.
ENTSORGA: Sind es denn nicht die USA, die weltweit bei erdgasbetriebenen Fachzeugen die größte Rolle spielen?
Bauer: Bei Erdgas ja, bei Biogas bei weitem nicht. In den USA vollzieht sich derzeit ein enormer Umbruch auf dem Sektor der kommunalen Fahrzeuge. Auch bei den Speditionsfahrzeugen werden Gasmotoren immer mehr angefragt und sind z. B. über die Daimler-Marke Freightliner lieferbar. Hier zählen allerdings nicht die Umweltargumente, die für den Gasmotor sprechen, sondern die sehr günstigen Kraftstoffkosten. Gas ist dort im Vergleich zu Diesel extrem günstig – was nicht zuletzt an den enormen fossilen Gasvorkommen in Nordamerika und an der zusätzlich eingesetzten Fracking- Technologie liegt, die hierzulande noch sehr umstritten ist. Für einen Spediteur diesseits und jenseits des Atlantiks gilt, dass der Spritpreis das entscheidende Argument für die Antriebstechnologie darstellt – es sei denn, der Aktionsradius ist für einen Spediteur aus Umweltgründen stark eingeschränkt – wie in Schweden der Fall...

Unternehmen, Behörden + Verbände: Daimler AG
Autorenhinweis: Martin Boeckh
Foto: M. Boeckh



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: September 2014 (September 2014)
Seiten: 3
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Martin Boeckh

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