Editorial: Mit gutem Beispiel voran

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe des ENTSORGA-Magazins in Händen halten, dann weiß niemand so genau, wie viele Autobahnkilometer es hinter sich hat. Darüber muss man sich auch keine Gedanken machen. Es klappt ja (in der Regel) wie am Schnürchen. Wie am Schnürchen? Die Urlaubszeit ist jetzt vorbei und ich weiß nicht, hinter wie vielen Lkw Sie im Stau standen. Mit Sicherheit sind Sie an vielen der 362 Autobahnbaustellen vorbei gekommen, wo die maroden Fernstraßen ausgebessert, verbreitert oder modernisiert wurden.

Foto: privat(18.09.2014) Der tägliche Kollaps ist längst Realität und es wird noch schlimmer: „Die Personen- und Güterverkehre werden in den Jahren 2014 und 2015 deutlich ansteigen“, erklärte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Das Güterverkehrsaufkommen steigt 2014 um 3,5 Prozent, nächstes Jahr werden es aufgrund der günstigen Wirtschaftsprognose weitere 2,6 Prozent sein. Der Straßen-Güterverkehr erfährt mit satten 4 Prozent (und 2,7 Prozent in 2015) einen besonderen Schub. „Mobilität fördert Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze. ... Wir werden daher weiter kräftig in Modernisierung und Ausbau unserer Infrastruktur investieren“, so Dobrindt. Das ist sicher der richtige Ansatz. Vor allem der Brückenbau hat’s nötig. Drastische Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnbrücken bis hin zu Vollsperrungen für den Schwerverkehr sind die Folge verschleppter Infrastrukturpflege. Sie sind aber auch Zeichen für eine Verkehrspolitik, die sich einige Fragen stellen lassen muss. Jetzt, im Vorfeld auf die IAA Nutzfahrzeuge, präsentieren sich Hersteller von Motoren, Aufbauten und Komponenten bestens präpariert und technologisch in Top-Form. Das ist logisch und richtig. Aber stellt auch jemand die Frage nach den ungehemmten Transportbedürfnissen? In den 1980er Jahren bis zur Jahrtausendwende waren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Ost-West-Transportströme noch erklärbar. Doch inzwischen sind die Lkw-Schlangen von West nach Ost und von Süd nach Nord weder erklärbar noch entschuldbar. Justin-time-Produktion ist eine Facette; ein explodierender Versandhandel mit „Overnight“-Lieferung führten nicht nur zu einer „Versprinterung“ der Straßen, sondern auch zu nicht enden wollenden Autobahnstaus. Es muss die Frage gestellt werden, ob diese Form der (Waren-)Mobilität sein muss und ob hier nicht stärker eingegriffen werden kann.
Und welche Rolle spielt die Entsorgungswirtschaft? Sicher eine zunächst untergeordnete, denn Müll und Wertstoffe müssen immer transportiert werden. Aber sie hat eine wichtige Vorbildfunktion zum Beispiel als Wegbereiter neuer Technologien, wie sie in Hannover von einigen Lkw-Herstellern vorgestellt werden. Damit ist nicht nur der Bereich IT gemeint, der bei Fuhrparklogistik, Fahrerassistenz-Systemen und aktiver Sicherheitstechnik neue Dimensionen erreicht, es ist vor allem die Antriebstechnik. Schweden macht es uns eindrucksvoll vor: In vielen Städten produziert die Entsorgungswirtschaft ihren Treibstoff in Form von Bio-Erdgas aus Methan selbst, fährt mit ihren Müllsammelfahrzeugen direkt zum Tanken in die Vergärungsanlage beim Klärwerk oder in der Speisereste-Verwertung. Diesel-getriebene Lkw haben schlicht keine Chance bei der Ausschreibung, keinen Zutritt zu den Innenstädten. Und so geben die Kommunen ein gutes Beispiel auch für den Pkw-Bereich. Umweltbewusstsein mit sanftem Druck und ein gehöriges Maß an Überzeugung. Dann klappt auch der Fernverkehr eines Tages wie am Schnürchen.

Autorenhinweis: Martin Boeckh, Leitender Redakteur
Foto: privat



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: September 2014 (September 2014)
Seiten: 1
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Martin Boeckh

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