Carbon Footprint von Wasserversorgungsunternehmen - Entwicklung und Erprobung einer Bilanzierungssystematik

Im Hinblick auf die nationalen Klimaschutzziele sind auch die Unternehmen der Wasserwirtschaft daran interessiert, die Treibhausgasemissionen ihrer Prozesse zu minimieren. Voraussetzung dafür ist, dass diese bekannt sind und den Teilprozessen zuge ordnet werden können, um gezielte Minderungsmaßnahmen ergreifen zu können. Vor diesem Hintergrund wurde ein wissenschaftlich fundierter, ausreichend umfassender und robuster Bilanzierungsansatz für Wasserversorgungsunternehmen entwickelt sowie an bestehenden Versorgungssystemen angewandt. Die Bilanzierungssystematik basiert sowohl auf internationalen Standards als auch auf einheitlichen branchenspezifischen Festlegungen und Vereinfachungen, die gemeinsam mit den beteiligten Wasserversorgungsunternehmen erarbeitet und angewendet wurden. Die Pilotanwendung mit drei Wasserversorgern zeigte eine gute Übereinstimmung des Carbon Footprint auf Unternehmensebene (top-down-Ansatz) und auf Wasserwerksebene (bottom-up). Wichtigste Steuerungsgrößen sind neben dem eingesetzten Strommix (Anteil erneuerbarer Energien) das energetisch-optimierte Prozessdesign und die eingesetzten Aufbereitungsstoffe.

Der Carbon Footprint (CF) bezeichnet die Bilanz der Treibhausgasemissionen eines Prozesses, eines Produktes, eines Unternehmens oder eines ganzen Landes während einer festgelegten Zeitspanne. In der Regel umfasst der CF die gesamte Lebensdauer – einschließlich der späteren Verwertung oder Entsorgung. Er wurde entwickelt, um den auf das Treibhausgas CO2 normierten Ausstoß aller klimaschädlichen Gase verursachergerecht zu bilanzieren.
Auch die Unternehmen der Wasserwirtschaft müssen sich vor dem Hintergrund des Klimawandels der Herausforderung stellen, neue emissionsärmere Anlagen, Prozesse und Betriebsweisen zu suchen. Besonders von Großbritannien wurden die Diskussionen um die Klimaauswirkungen der Wasser- und Abwasserwirtschaft vorangebracht und entsprechende Untersuchungen eingeleitet (UK Environment Agency). Eine Voraussetzung für entsprechende Maßnahmen ist, dass der Carbon Footprint (CF) der Produkte und Prozesse bekannt ist. Er kann die Klimaverträglichkeit transparent machen und als Grundlage dafür dienen, Min derungspotenziale aufzuzeigen und zu erschließen.
Die Ermittlung des CF für eine mittlerweile Vielzahl von Prozessen und Produkten weltweit basiert auf der britischen Leitlinie des BSI (British Standards Institution) und den ISO-Normen zur Ökobilanzierung. Allerdings werden hier nicht alle offenen Fragen der Methodik ausreichend beantwortet. Insbesondere die Ausgestaltung für die verschiedenen Produktgruppen und Wirtschaftsbranchen bleibt auch in der ISO-Norm an einigen Stellen offen, und detaillierte Festlegungen müssen deshalb branchenspezifisch getroffen werden.
Ziel der nachfolgend beschriebenen Untersuchungen war, den CF für die Wasserversorgung am Beispiel von drei Unternehmen zu bilanzieren und dabei eine einheitliche Systematik zu entwickeln. Dazu gehören klar definierte Systemgrenzen und zugehörige Prozesse genauso wie einheitliche und nachvoll ziehbare Bilanzierungsregeln und Berechnungen. Die Bilanzierungssystematik und die Details der Datenerhebung wurden mit den beteiligten Wasserversorgungsunternehmen (WVU) abgestimmt und entsprechend der Datenverfügbarkeit angepasst.



Copyright: © DIV Deutscher Industrieverlag GmbH
Quelle: GWF 02/2013 (Februar 2013)
Seiten: 8
Preis: € 8,00
Autor: Dipl.-Ing. Anja Rohn
Dr.-Ing. Wolf Merkel

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