Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser

Jahrhunderthochwasser: ein trügerischer Begriff für ein funktionierendes Störungs-, Notfall- und Krisenmanagement in der Gas- und Wasserversorgung.

In 54 Landkreisen wurde der Katastrophenalarm für das diesjährige Jahrhunderthochwasser an der Elbe, Saale, Mulde, Donau und weiteren Nebenflüssen ausgerufen. 10 von 16 Bundesländern waren betroffen. Am schwersten Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Rund 90.000 Menschen mussten evakuiert werden, dies entspricht 1.800 vollbesetzten Reisebussen mit einer Gesamtlänge von 27 Kilometern. In der Spitze waren über 100.000 Kräfte im Einsatz. Die Bundeswehr mit 4.600 Soldaten (350.000 Stunden), das Technische Hilfswerk mit 16.000 Kräften (1,6 Mio. Stunden) und die Feuerwehren mit 82.000 Kräften (5,5 Mio. Stunden). Die Einsatzdauer betrug im Zeitraum der Hochwasserbekämpfung überschlägig 7,5 Mio. Stunden, dies entspricht umgerechnet rund 940.000 Personentagen.
Bereits das zweite Jahrhunderthochwasser in den letzten elf Jahren. Die Folgen dieser trügerischen Begrifflichkeit haben sich deutlich in den Auswirkungen des diesjährigen zweiten Jahrhunderthochwassers gezeigt. Viele organisatorische, technische und politische Maßnahmen, die im Zuge des ersten Jahrhunderthochwassers von 2002 in der Kriseneuphoriephase festgelegt wurden, sind bisher, nach über zehn Jahren, nicht umgesetzt. Die Begrifflichkeit „Jahrhunderthochwasser“ suggeriert einmal in einem Jahrhundert, dies wiederum stellt abgeleitete Maßnahmen und deren Handlungszwang aus den Erfahrungen eines erlebten Hochwassers in Frage. Zum Beispiel der Aufbau und die regelmäßige Beübung eines Krisenmanagements für einen gezielten und fortlaufenden Informationsaustausch (zwischen Behörden und Versorgern).



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 10 - 2013 (Oktober 2013)
Seiten: 6
Preis: € 4,00
Autor: Dipl.-Ing. Stephan Boy
Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Michael Boltz

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