Alter Streit um neue Tonnen: Rückblick auf das 24. Kasseler Abfall- und Bioenergieforum

Rund 1000 Teilnehmer sind auch in diesem Jahr zum Kasseler Abfall- und Bioenergieforum gekommen, der 24. Neuauflage des deutschen Branchentreffs für alle Aspekte der Abfallentsorgung und des Recyclings. Rund 1000 Teilnehmer, etwa 80 Aussteller und ebenso viele Referenten widmeten sich drei Tage lang allen wesentlichen Aspekten der Abfall- und Bioenergieverwertung.

Foto: M. Boeckh(30.04.12) In seinem Grundsatzvortrag über den Beitrag der Abfallwirtschaft zur Energiewende 2022 wies der Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, Prof. Dr. Martin Faulstich, auf die Bedeutung der Abfallwirtschaft für den Klimaschutz hin. „Die gegenwärtige schwarz-gelbe Bundesregierung wäre gut beraten gewesen, den Atomausstieg der Vorgängerregierung zu verwirklichen, es wäre vor allem für die Energiewirtschaft von großem Vorteil gewesen“, kritisierte Faulstich den Atomausstieg vom vergangenen Jahr. Es käme derzeit zu einem gewaltigen Strukturwandel in der Energiewirtschaft. Aus den ehemaligen wenigen Energiezentren, die sich in den Ballungsund Verbrauchszentren befänden, würden immer mehr dezentrale Energieerzeuger. „Heute sind es mit allen Windrädern und Photovoltaik- Zellen schon mehrere 100.000 Anlagen in Deutschland, in wenigen Jahren sind es Millionen!“ Für die nahe Zukunft bedürfe es allerdings eines massiven Netzausbaus und der Entwicklung leistungsfähiger Speichersysteme, um die Netzschwankungen ausgleichen zu können. Und hier käme, so Faulstich, die Abfallwirtschaft ins Spiel. Auch wenn ihr Gesamtanteil an der Strom- und Wärme-Bereitstellung vergleichsweise gering sei, sp spielten die Müllverbrennungsanlagen lokal oft eine sehr große Rolle. Sie hätten eine wichtige Grundlastfähigkeit und seien sehr gut regelbar; sogar speicherfähig seien Müll, Altholz oder andere Biomasse.
Überhaupt seien Müllverbrennung und Rohstoffrecycling keine Widersprüche oder Konkurrenten sondern zwei sich ergänzende wichtige Säulen der Entsorgungswirtschaft. Durch eine effektives Recycling könne auch dem Klimaschutz genüge getan werden, denn alleine die in der Biomasse steckende Energie käme der Kapazität von 26 Kohlekraftwerken mit einer Kapazität von 700 Megawatt gleich. Ähnliches gelte für Metalle und Kunststoffe, die in den Abfällen vorhanden seien. Die Energiewende bezeichnete Faulstich als die größte Herausforderung der Menschheit seit der Industriellen Revolution. Die Kernenergie sei auf dem Rückzug – derzeit seien so wenige KKW in Betrieb wie noch nie und die Zahl von Planungen suggerierten eine Renaissance...
Autorenhinweis: Martin Boeckh
Foto: M. Boeckh



Copyright: © Deutscher Fachverlag (DFV)
Quelle: April/Mai 2012 (April 2012)
Seiten: 2
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Martin Boeckh

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