Hydraulische Wirkung der Deichrückverlegung Lenzen an der Elbe

Seit den 1990er Jahren wurde an der Elbe bei Lenzen durch das Land Brandenburg eine Deichrückverlegung geplant und realisiert. Die Bundesanstalt für Wasserbau hat mit hydraulisch-morphologischen Modelluntersuchungen des Oberflächenabflusses die Umsetzung des Projektes unterstützt. Inzwischen konnte die Wirkung dieser Maßnahme in der Natur beobachtet werden. Eine Zusammenschau von Strömungsdaten aus der Natur und Modellergebnissen erlaubt Rückschlüsse auf die Güte der Prognosemodelle und auf die Wirkung der Maßnahme mit Fokus auf Wasserspiegel und Durchflussaufteilung.

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden von der BAW im Auftrag des LUGV Brandenburg und im Rahmen der „Elbeökologie“- Forschung Untersuchungen zu Deichrückverlegungen im Bereich Lenzen durchgeführt. Zu Beginn wurden die Wasserspiegel bei stationär betrachteten Ereignissen (Scheitel) für verschiedene Szenarien (unterschiedliche Deichlinien, Größe der ausgedeichten Fläche, Bewuchszustände) mit eindimensionalen Modellen (1-D-Modellen) abgeschätzt. Später kamen verschiedene mehrdimensionale Modelle (aerodynamisch, numerisch) zum Einsatz, um für konkrete Gestaltungen (z. B. Schlitz- und Flutmuldenanordnung, Bewuchs), die Strömungsverhältnisse zu untersuchen. Ab 2004 wurden Untersuchungen vom Bundesamt für Naturschutz beauftragt.
Die Modelle prognostizierten ein Absinken des Wasserspiegels oberhalb von Deichschlitz 5 mit maximalen Absenkungswerten am ersten Deichschlitz. Durch die Deichrückverlegung wird die hydraulische Engstelle aufgeweitet. Dadurch wird der Aufstau vermindert, das Gefälle vergleichmäßigt. Mit steigendem Durchfluss erhöhen sich Durchflussanteile des neuen Vorlandes, so dass der Wasserspiegelabsunk zunimmt (maximal 35 cm bei HQ100). Im Bereich der Schlitze 5 und 6 wurde eine geringe Wasserspiegelerhöhung (ca. 6 cm) vorhergesagt.
Die Berechnungen zeigten keinen Einfluss auf die Hochwasserstände unterhalb der Maßnahme infolge eines veränderten Wellenablaufs. Unterstrom der Rückdeichungsstrecke sind jedoch langfristig Einflüsse auf den Wasserspiegel durch Änderungen des Feststofftransports zu erwarten. Kurzfristige Behinderungen der Schifffahrt nach Hochwasser konnten trotz optimierter Schlitzanordnung nicht ausgeschlossen werden.
Um die Modellprognosen zu überprüfen und numerische Modelle für weitere Fragestellungen zu aktualisieren, beauftragte die BAW verschiedene Naturmessungen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 12 / 2011 (Dezember 2011)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Ing. Matthias Alexy
Dipl.-Ing. Petra Faulhaber

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