Planung und Bau der „Flutmulde Rees“ am Niederrhein

Das WSA Duisburg-Rhein setzt mit der „Flutmulde Rees“ derzeit eines der größten Wasserbauprojekte der WSV am freifließenden Rhein um. Seit September 2009 entsteht das als Nebengerinne konzipierte Bauwerk in einer 5-jährigen Bauzeit auf dem linken Rheinvorland. Die Flutmulde ist Teil des Gesamtprojektes zur Erosionsverminderung und Vergrößerung der Fahrrinnentiefe am Niederrhein zwischen den Duisburger- und den ARA-Häfen von 2,50 m auf 2,80 m unter GlW. Die lokalen, überproportionalen Erosionstendenzen werden durch die teilweise Abführung der Wassermengen aus dem Hauptstrom von Mittel- bis Hochwasser
durch die Flutmulde minimiert und das Gewässerbett somit global stabilisiert.

Die hydromorphologische Situation am Niederrhein ist geprägt durch eine stete Eintiefung der Sohle. Nicht oder nur schwach verfestigte Sedimente im Tertiär begründen die Erosion, erheblich verstärkt wurde sie aber durch anthropogene Einflüsse, wie zum Beispiel durch Uferbefestigungen und Eindeichungen. Durch diese Maßnahmen wurde der Fluss in seinem Verlauf festgelegt und die früher vorherrschende Seitenerosion in eine Tiefenerosion verwandelt. Hinzu kamen die Auswirkungen aus dem Abbau von Kies, Kohle und Salz sowie der Geschiebeentzug durch den Ausbau und die Abriegelung des Oberrheins sowie der großen Nebenflüsse wie dem Neckar, dem Main und der Mosel. Die Veränderung der Sohlen- und Wasserspiegellagen auf der Strecke zwischen Neuss (Rhein-km 740) und Emmerich (Rhein-km 850), letztere bezogen auf den Gleichwertigen Wasserstand (GlW), zwischen den Jahren 1934 und 2010 zeigt Bild 1. Die komplexen Strömungsverhältnisse in der Krümmung bei Rees zwischen Rheinkm 830 und 840 sind darüber hinaus durch extreme topografische Verhältnisse im Vorlandbereich geprägt. Rechtsrheinisch zwängt die befestigte Ufermauer der Stadt Rees den Rhein in seinem Bett ein, linksrheinisch erstreckt sich das sehr hoch liegende Vorland. Dies hat zur Folge, dass der gesamte Hochwasserabfluss durch den Hauptstrom ohne wesentliche Vorlandflächen abgeführt werden muss. Hieraus ergeben sich erhebliche Erosionsraten von bis zu 5 cm pro Jahr im Außenbogen (rechtsrheinisch) und teilweise starke Anlandungstendenzen
im Innenbogen (linksrheinisch).



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 6 / 2011 (Juni 2011)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Ing. Sebastian Messing

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