Aktuelle Studie: Mehrwegbecher weise bessere Ökobilanz auf als Einweg

Gutachter empfehlen die Verwendung von Mehrwegbecher-Systemen bei Großveranstaltungen

Bern (23.11.2007). Mehrwegbecher-Systeme sind Einweg-Lösungen ökologisch deutlich überlegen. Kompostierbare Einwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen schneiden nicht besser ab als herkömmliche Einwegbecher. Das zeigt eine von den Umweltministerien Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Auftrag gegebene vergleichende Ökobilanz für die Fussball-Europameisterschaft UEFA EURO 2008. Die Studie liefert die neuesten ökologischen Vergleichsdaten der gebräuchlichsten heute auf dem Markt erhältlichen Mehrweg- und Einwegbecher. Den Rahmen für die vergleichende Ökobilanz verschiedener Bechersysteme beim Getränkeausschank bildet das Nachhaltigkeitskonzept für die Fussball-Europameisterschaft UEFA EURO 2008. Erste Ergebnisse der Becher-Studie wurden der UEFA am 8. November 2007 präsentiert. Der Schlussbericht soll bis im Dezember fertig gestellt werden.

Die Gutachter untersuchten die ökologischen Auswirkungen verschiedener Bechersysteme (Einweg und Mehrweg). Für die Stückzahl, Umlaufzahlen und Transportdistanzen wurden in der Studie die Bedingungen zugrunde gelegt, die bei der UEFA EURO 2008 gelten werden. Verglichen wurden verschiedene Einwegbecher aus den Materialien PET, Polystyrol, Karton, PLA (biologisch abbaubares Material auf Basis von Mais) sowie der Spezialkunststoff der Firma Belland, die unterschiedlich entsorgt werden, mit einem Mehrwegsystem, bei dem unterschiedliche Umlaufzahlen für die Becher angenommen wurden (abhängig von der Anzahl ausgetragener Spiele und der Zahl der als Andenken nach Hause mitgenommenen Becher).

Die Gutachter kommen in der Studie zu dem Ergebnis, dass auch unter ungünstigsten Annahmen ein Mehrweg-System jeder Einweg-Lösung ökologisch deutlich überlegen ist. Selbst das beste Einwegszenario führt demnach zu einer doppelt so hohen Umweltbelastung wie das ungünstigste Mehrweg-System. Wenn also ein Mehrweg-System gewählt wird, ist diese Lösung der Studie zufolge mit Sicherheit die ökologisch beste. Zudem wird laut dem Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU), das Littering-Problem durch den Einsatz von Mehrwegbechern wesentlich entschärft, da ein Pfand einen Anreiz zur Rückgabe schaffe.
Die Studie bestätigt auch fühere Untersuchungen, denen zufolge kompostierbare Einwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen (wie zum Beispiel PLA-Becher) ökologisch nicht besser abschneiden als herkömmliche Einwegbecher aus PET. Dasselbe gilt den Gutachtern zufolge auch für Einwegbecher aus Belland-Kunststoff. Ihre Ökobilanz ist demnach nicht besser als jene von Einwegbechern aus PET.
Für die Fussball-Europameisterschaft UEFA EURO 2008 besteht ein Nachhaltigkeitskonzept. Es wurde am 25. Juni 2007 von den Umweltministern Österreichs, Josef Pröll, und der Schweiz, Moritz Leuenberger, vorgestellt. Im diesem Konzept wird den Stadien und Städten empfohlen, Mehrwegbecher oder ökologisch vergleichbare Gebinde zu verwenden. Die Resultate der Ökobilanz-Studie stützen diese Empfehlung.

Informationen:
Trinationale Studie "Vergleichende Ökobilanz verschiedener Bechersysteme beim Getränkeausschank" (Zusammenfassung) (pdf, 179kb)
BAFU: Fussball-Europameisterschaft EURO 2008: http://www.bafu.admin.ch/sport_tourismus/05362/index.html?lang=de

Kontakt: Dr. Peter Gerber, Abteilung Abfall und Rohstoffe, Bundesamt für Umwelt BAFU, Tel. +41 (0) 31 322 80 57, eMail:  info@bafu.admin.ch, Internet: http://www.umwelt-schweiz.ch.
Dr. Fredy Dinkel, Carbotech AG, Eulerstrasse 68, CH-4051 Basel, Tel. +41 (0) 612 06 95 22, eMail: f.dinkel@carbotech.ch, Internet: http://www.carbotech.ch/
Dipl.-Ing. Christian Pladerer, Österreichisches Ökologie Institut, Seidengasse 13, A-1070 WienTel. +43-1-523 61 05-0, , eMail: pladerer@ecology.at, Internet: http://www.ecology.at.
Dipl.-Ing. Günter Dehoust, Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt, Rheinstraße 95, D-64295 Darmstadt, Tel.  06151.8191 38, g.dehoust@oeko.de, Internet: http://www.oeko.de.
Daniel Wachter, Projektleiter Nachhaltigkeitskonzept UEFA EURO 2008, Bundesamt für Raumentwicklung ARE, Mühlestrasse 2, CH-3063 Ittigen, Tel. +41 (0) 31 324 14 50, eMail: http://www.are.admin.ch/kontakt/index.html?lang=de, daniel.wachter@are.admin.ch, Internet: http://www.are.admin.ch.

RHOMBOS, Abfallwirtschaftlicher Informationsdienst, ISSN: 1613-6489)



Copyright: © Rhombos Verlag (27.11.2007)
 
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