Gigantischer Wirbel transportiert Plastikmüll durch den Atlantik

US-amerikanische Forscher können mit neuem Simulationsmodell Weg der Abfälle vorausberechnen

Seattle/WA, USA. (15.1.2007). Ein riesiger Wirbel, der einen kreisförmigen Weg zwischen Nordamerika und Asien verfolgt, transportiert Abfall über Tausende von Kilometer durch den gesamten Nordpazifik. In einer der bislang genauesten Modellberechnungen konnten US-amerikanische Forscher jetzt den Weg des Treibguts erstmals genau vorhersagen. Wie der Ozeanograph Curtis Ebbesmeyer aus Seattle/Washington und seine Kollegen bei einer Simulation dieses sogenannten subarktischen Wirbels herausgefunden hat, können Schuhe, Spielwaren und anderes Treibgut im Nordpazifik innerhalb von drei Jahren bis zu 13.000 Kilometer zurücklegen, um schließlich wieder am Ausgangspunkt anzugelangen. Die Analyse wirft ein neues Licht auf die komplizierten Strömungsverhältnisse des Ozeans, die sich auf Transport, Klimaänderung und andere umweltrelevante Aspekte auswirken.

In jedem Ozean gibt es einen oder mehrere dieser gigantischen Wirbel, die durch die Erdumdrehung und die vorherrschenden Winde entstehen. Bislang war über den Strömungsverlauf und die Energie dieser Wirbel wenig bekannt. Curtis Ebbesmeyer, ein pensionierter Ozeanograph aus Seattle entwickelte deshalb gemeinsam mit Kollegen ein Modell des subarktischen Wirbels. Um das Modell zu überprüfen, berechnete die Arbeitsgruppe die Wege von kleinen Gegenständen, die im Wirbel treiben, etwa Plastikspielwaren und Schuhe. Solche Abfälle werden immer wieder an den Küsten der Region gespült. Nach Ebbesmeyers Modell-Berechnungen bewegt sich der Müll mit elf Zentimetern pro Sekunde in einem riesigen Kreis. Das Treibgut braucht zwei bis vier Jahre für eine Runde. Die Arbeitsgruppe verglich anschließend diese Schätzungen mit realistischen Beobachtungen aus dem Nordpazifik. 1992 waren beispielsweise auf dem Frachtschiff „Tokio Express", das auf dem Weg von Hongkong nach Washington in die USA war, 29.000 Stück Lego-Spielzeugfiguren über Bord gegangen. Seitdem wird an den Stränden von Sitka in Alaska etwa alle drei Jahre Spielzeug aus dieser verlorenen Ladung angespült. Dies deckt sich mit den Vorhersagen Ebbesmeyers, die er am 2. Januar 2007 im Fachblatt "Eos" veröffentlicht hat.

Wie Ebbesmeyer am 12. Januar 2007 gegenüber dem Online-Nachrichtendienst "Science Now" erklärte, kann das neue Modell des subarktischen Wirbels Ozeanographen helfen, die Bewegungen im Meer besser zu verstehen, etwa wenn es um Lachszüge gehe. Außerdem zeigten die Modellberechnungen, daß umhertreibender Plastikmüll eine Langzeitbedrohung für Vögel und andere Tiere darstelle, die ihn mit Nahrung verwechseln und verschlucken. Ebbesmeyer: "Man verliert etwas im Ozean, doch es verschwindet nicht."
Darüber hinaus könnte das Modell Forschern auch helfen, Öl- oder gefährliche Algenteppiche auf dem Meer aufzuspüren, so die Ozeanographin Nandita Sarkar von der Old Dominion University in Norfolk, Virginia: "Eine Studie wie diese kann wirklich nützlich sein."
(Quelle: Science Now, http://sciencenow.sciencemag.org/cgi/content/full/2007/112/2?rss=1)

Kontakt: Dr. Curtis C. Ebbesmeyer, 6306 21st Ave. NE, Seattle, WA 98115, USA, eMail: CurtisEbbesmeyer@comcast.net, Internetseite Beachcombers' Alert ("Strandguträuber Alarm"): www.beachcombers.org/index.html
Informationen über Dr. Ebbesmeyer in Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Curtis_Ebbesmeyer

Vor den Gefahren der gigantischen, im Meer kreisenden Müllteppiche hatte im November 2006 auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace gewarnt. (Bordtagebuch: Zum Müllstrudel im Nord-Pazifik)
Greenpeace-Forscher gehen davon aus, daß von den etwa 100.000 Millionen Tonnen Plastik, die weltweit jährlich produziert werden, ein Zehntel im Meer landet. "Die Chance, daß Plastiktüten und Plastikflaschen im Meer enden, ist hoch", schrieb Ecology-Asia in einem Bericht vor zwei Jahren. Nur ein Fünftel des Abfalls stammt aus Schiffen. Der Rest kommt vom Land. Tatsächlich finden sich im Trash-Trail Spuren von Abfällen aus der "grauen Vorzeit" der Plastikära seit den 1950ern. Und diese Abfälle stammen aus Japan, Kanada, den USA oder aus anderen Staaten. "Plastik ist nicht biologisch abbaubar, sondern wird mindestens noch 15 Jahre in dem riesigen Strudel weitertreiben", erklärte die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA. Größere Kunststoffstücke zerfallen durch äußere Einwirkungen wie Sonne oder Temperaturschwankungen in kleinere. Dadurch werden zahlreiche chemische Substanzen - wie etwa die giftigen PCBs oder andere gefährliche Stoffe - frei und gelangen wieder in den Nahrungskreislauf des Menschen. "Zudem können die Plastikstücke wie eine Art chemischer Schwamm wirken und sich mit giftigen Schadstoffen des Meeres anreichern", so Antje Helms, Ozeanografin von Greenpeace-Österreich. "Das bedeutet, daß jedes Tier, das diesen Plastikmüll frißt, obendrein noch jede Menge Giftstoffe aufnimmt."
Siehe hierzu: Südseestaat Palau verbietet Plastiktüten (07.02.2006). Probleme durch Plastikmüll im Meer nehmen weiter zu. Meldung von Abfallinfodienst-Online: https://www.ask-eu.de/default.asp?Menue=10&ShowNews=1431

Siehe auch die Meldungen:
Plastikdreck im Pazifik (02.03.2004). Mülldeponie im offenen Meer erreicht Größe von Mitteleuropa. In: Abfallinfodienst-Online
https://www.forumz.de/showartikel_New.asp?Typ=News&ID=533&MID=2
Wegwerfgesellschaft bedroht Inselparadiese. Inselstaaten werden von Abfall überflutet. In: Rhombos-Online http://www.rhombos.de/shop/a/show/story/?44

RHOMBOS, Abfallwirtschaftlicher Informationsdienst,  ISSN: 1613-6489)



Copyright: © Rhombos Verlag (16.01.2007)
 
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